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MedizinForscher klonen erstmals menschliche Stammzellen

Es könnte der lang ersehnte Durchbruch sein: Forscher haben erstmals menschliche embryonale Stammzellen produziert - mit Klontechnik. Mediziner erhoffen sich davon langfristig neue Therapiemöglichkeiten. 16.05.2013 - 07:05 Uhr

Der Zellkern einer Hautzelle wird in eine entkernte Spender-Eizelle eingebracht.

Foto: dpa

US-Forscher haben nach eigenen Angaben erstmals per Klontechnik menschliche embryonale Stammzellen produziert. Sie nutzten dazu ein Verfahren, das auch zum Klonschaf Dolly führte, möchten aber ausdrücklich keine geklonten Menschen herstellen. Die neuen Zellen könnten theoretisch jedoch in jede beliebige Art von Körperzellen transformiert werden - und so künftig einmal kranke oder verletzte Zellen ersetzen.

Die Forscher der Oregon Health & Science University in Portland sprachen am Mittwoch von einem Durchbruch. Man sei der Heilung von Krankheiten wie Parkinson, Multipler Sklerose, Herzkrankheiten und von Verletzungen des Rückenmarks deutlich näher gerückt.

Für das reproduktive Klonen, also das Kopieren von Menschen, tauge die Methode nicht, betonen die Wissenschaftler - die vermutlich eine neue ethische Debatte ahnen. Obwohl es seit Jahren versucht werde, sei es zudem noch nicht einmal gelungen, einen Affen zu klonen.

Welche Arten wann zum ersten Mal kopiert wurden - und wie viele geklonte Exemplare es jeweils weltweit gibt, Fotos: dpa, John Engelhardt, Audubon, Loi Pasqualino

Foto: unbekannt

Dolly, *5. Juli 1996, Schaf, mehrere Hundert Klone, Foto: dpa

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Cumulina (ganz oben), * 3. Dezember 1997, Maus, mehrere Hundert Klone, Foto: dpa

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Mira mal drei, * 15. Oktober 1998, Ziege, mehrere Hundert Klone, Foto: rtr

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Millie, Christa, Alexis, Carrel und Dotcom, * 5. März 2000, Schwein, mehr als 1500 Klone, Foto: dpa

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Ombretta, * 7. Juli 2000, Mufflon, wenige Klone, Foto: Loi Pasqualino

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Noah, * 8. Januar 2001, Gaur (Wildrind), wenige Klone, Foto: dpa

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CC (Copy Cat), * 22. Dezember 2001, Hauskatze, mehr als 10 Klone, Foto: A&M University

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Ralph, * 30. November 2002, Ratte, mehr als 15 Klone, Foto: dpa

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Idaho Gem, * 4. Mai 2003, Maultier, wenige Klone, Foto: AP

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Promotea, * 28. Mai 2003, Pferd, etwa 20 klone, Foto: Laif

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Ditteaux, * 6. August 2003, Afrikanische Wildkatze, wenige Klone, Foto: Audubon

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Libby und Lilly, * 14. März 2004, Frettchen. wenige Klone, Foto: John Engelhardt

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Snuppy, * 24. April 2005, Hund, etwa zehn Klone, Foto: Laif

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Snuwolf und Snuwolffy, * 18./26. Oktober 2005, Wolf, etwa fünf Klone, Foto: AP

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Das Verfahren klingt simpel, dennoch scheiterten in den vergangenen Jahren Forscherteams auf der ganzen Welt daran, es bei menschlichen Zellen anzuwenden: Die Wissenschaftler in Oregon hatten Zellkerne aus Hautzellen entnommen und einer Eizelle eingepflanzt, aus der die Erbinformation zuvor entfernt worden war. Aus der neuen Zelle entwickelte sich eine sogenannte Blastozyste, von der embryonale Stammzellen entnommen werden können.

Die Technik beschreiben sie detailliert im Fachblatt „Cell“. Die Eizelle musste für den Kerntransfer bei einem ganz bestimmten Entwicklungsstadium gestoppt werden, der sogenannten Metaphase. Zudem nutzten die Forscher während des Verfahrens eine koffeinhaltige Lösung.


„Eine gründliche Untersuchung der durch diese Methoden gewonnenen Stammzellen hat ihre Fähigkeit, sich wie normale embryonale Stammzellen in viele andere Zellarten zu verwandeln, bestätigt“, sagte Forschungsleiter Shoukhrat Mitalipov laut Mitteilung. Sie könnten Nerven-, Leber-, Herz- und andere Zellen ersetzen. „Darüber hinaus gibt es kaum die Gefahr, dass der Körper die mit seiner eigenen Erbinformation geschaffenen Zellen abstößt.“

Nach dem Klonschaf Dolly, das 1997 der Weltöffentlichkeit präsentiert wurde, hatte sich zum einen eine Euphorie in der Forscherszene breitgemacht. Zum anderen war aber immer wieder davor gewarnt worden, ethische Grenzen zu überschreiten und „Gott zu spielen“.

Die „Süddeutsche Zeitung“ bewertete die Veröffentlichung als „Durchbruch in der Stammzellenforschung“. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ zeigte sich skeptisch, wollte aber die vor gut zehn Jahren entfachte und dann wieder verebbte ethische Diskussion um das Klonen wieder angestoßen wissen.

dpa
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