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Zu warm zum Schlafen Schlafprobleme wegen der Hitze? Das hat unangenehme Folgen

Sie kommen bei der Hitze nicht zur Ruhe? Das kann schnell zum Problem werden: Wer wenig schläft, ist nicht nur gereizt und müde. Langfristig schadet Schlafmangel dem Körper, dem Geist - und dem Liebesleben.

ÜbergewichtWenig Schlaf, viel Gewicht: Wer zu wenig schläft, der verliert schneller die Kontrolle über Appetit und Figur. Das haben Forschungen der Universität von Colorado ergeben. Vereinfacht gesagt: Wer weniger schläft, der isst mehr. Vor allem abends griffen die Schlafmangel-Probanden viel häufiger zu kalorienreicher Kost als die Kontrollgruppe. Und auch nächtlichen Snacks am Kühlschrank konnten sie deutlich seltener widerstehen. Durch kohlenhydrat- und fettreiche Lebensmittel am Abend und durch nächtliches Naschen steigt aber nicht nur das Körpergewicht – sondern auch die Gefahr an Diabetes oder Herz-Kreislauf-Problemen zu erkranken. Quelle: dpa
DepressionenAusgeruht und erholt sieht die Welt meistens schon besser aus. Aber umgekehrt bedeutet das auch: Wer zu wenig schläft, ist häufiger gereizt und schlecht gelaunt. Wissenschaftler der New Yorker Columbia-Universität gehen sogar noch weiter und warnen vor schlimmeren Folgen, vor allem bei Jugendlichen. In ihrer Studie mit über 15.000 Schülern haben sie herausgefunden, dass die Depressionsgefahr bei denjenigen Schülern, die nach 24 Uhr ins Bett gehen, um 24 Prozent höher ist als bei denen, die zwei Stunden früher schlafen gehen. Außerdem sind sie anfälliger für Suizidgedanken: Im Vergleich zu den Früh-Schlafenden sogar 20 Prozent mehr. Grund dafür ist auch, dass sie im ermüdeten und erschöpften Zustand ihren Stress und den richtigen Umgang mit anderen Menschen kaum bewältigen können. Quelle: dpa
VergesslichkeitKinder lernen schneller und leichter als Erwachsene - spätestens beim Memory-Spiel müssen Eltern das schmerzhaft erkennen. Aber warum ist das so? Deutsche Forscher der Uni Tübingen um Ines Wilhelm haben in ihren Schlafforschungen einen Grund entdeckt: Erwachsene erreichen während ihrer Nachtruhe seltener die sogenannten Tiefschlafphasen als Kinder. In Wilhelms Experimenten stand die Beobachtung dieser Schlafphase im Vordergrund. Diese ist mitverantwortlich für unsere Gedächtnisleistung und besonders wichtig für die Verarbeitung und Abspeicherung von neu Gelerntem. Erwachsene Probanden, die viel Zeit in der Tiefschlafphase verbringen, lernen schneller und sind zu besseren Gedächtnisleistungen fähig als die „unruhiger“ Kurzschläfer. Nur an eine Kontrollgruppe komme sie nicht heran: Kinder.
AnfälligkeitAlle Impfpatienten aufgepasst: Schlafmangel kann die Impfwirkung untergraben. In einem Experiment mit 125 Erwachsenen zwischen 40 und 60 Jahren konnten Psychologen der Universität von Pittsburgh einen Zusammenhang von Schlafmangel und fehlenden körperlichen Reaktionen auf den Impfstoff nachweisen. Allen Teilnehmern wurde drei Mal ein Hepatitis-B-Impfstoff injiziert, bei mehr als 14 Prozent der Probanden blieb die Antikörperreaktion aus. Auffallend viele davon wiesen außerdem ein Schlafdefizit aus. Den Forschern zufolge könnte das auch eine Erklärung für die höhere Infektionsanfälligkeit von Menschen mit Schlafmangel sein. Quelle: dpa
NachlässigkeitDie Gefahren von Schlafmangel können urplötzlich auftreten. Mindestens genauso gefährlich wie schleichende, langwierige Symptome ist der Sekundenschlaf im Auto. Nach Schätzungen der amerikanischen „Sleep Research Society“ nicken in den USA etwa 80.000 Menschen am Lenkrad kurz ein – pro Tag. Die „Sleep Research Society“ vermutet, dass sie damit für etwa 20 Prozent aller Unfälle auf amerikanischen Straßen verantwortlich sind. Bei LKW-Unfällen soll der Anteil sogar bei rund 30 bis 40 Prozent der Unfälle liegen. Europäische Studien kommen zu ähnlichen Ergebnisse. Der Sekundenschlaf ist dabei seltener das Ergebnis einer schlaflosen Nacht, Termindruck oder Stress - sondern vielmehr das Resultat chronischen Schlafmangels. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
StoffwechselDas nächste Opfer des Schlafmangels sind die Gene. Im Normalfall folgen diese einem bestimmten 24-Stunden-Biorythmus, sind mal aktiver, mal nicht. Dabei sind sie unter anderem für regenerative Prozesse in den Zellen des Körpers verantwortlich. Wie britische Wissenschaftler der Universität von Surrey herausfanden, kann Schlafmangel die Aktivität von bis zu 711 Genen verändern. 444 davon zeigten bei ihren Probanden nach einem Schlafmangel-Versuch überhaupt keine Aktivität mehr. Betroffen waren vor allem Gene, die im Stoffwechsel, der Regulierung des Immunsystems und bei der Bekämpfung von Stress und Entzündungen aktiv sind. Eine mögliche Folge: Beschädigtes Körpergewebe wird nicht mehr regeneriert und bleibt anfällig für Krankheiten. Quelle: dpa
DiabetesAber es geht noch schlimmer: Studien unterschiedlichster Akademien von der Harvard Medical School bis zur niederländische Universität Leiden kommen zu dem Schluss, dass Schlafmangel zu einem erhöhten Diabetes-Typ-2-Risiko führt. Diabetes entsteht durch eine Insulinresistenz in den Zellen. Diese verhindert, dass Zucker aus dem Blut in die Zellen weitergeleitet wird. Dadurch steigt zwar der Zuckerspiegel im Blut, in den Zellen kommt jedoch kaum etwas davon an. Für einen geregelten Hormonhaushalt ist ein regelmäßiger und ausreichender Schlaf deswegen besonders wichtig. Denn durch Schlafmangel gerät der Rhythmus des Körpers durcheinander, sodass es zu Über- oder Unterproduktionen von bestimmten Hormonen kommen kann. Aber Vorsicht: Diabetes mit Schlaftabletten zu bekämpfen, ist keine Lösung. Quelle: dpa
GehirnveränderungenWährend des Schlafs speichern und verarbeiten wie nicht nur Erlebtes, sondern entsorgen auch den zellulären „Müll“ des Gehirns. In zahlreichen Versuchen an Mäusen fand Maiken Nedergaard von der Universität Rochester heraus, dass das „Reinigungssystem“ des Gehirns während des Ruhezustandes in der Nacht rund zehnmal aktiver ist als am Tag und dann den Großteil der Abfallprodukte entsorgt. Die Forscherin vermutet jetzt, dass ein chronischer Schlafmangel zu degenerativen Veränderungen im Gehirn wie der Alzheimer-Krankheit beitragen kann, da diese auch durch schädliche Eiweißablagerungen entstehen. Quelle: dpa
Schlaganfälle und Herzattacken Wer zu wenig schläft, spielt mit Leib und Leben. Fast eine halbe Million Menschen aus acht Ländern nahmen an einer Langzeitstudie der Warwick Medical School teil, um die Auswirkungen von Schlafmangel auf die Gesundheit zu erforschen. Als „Kurzschläfer“ zählte dabei jeder, der pro Nacht durchschnittlich weniger als sechs Stunden schläft. Der Studie zufolge ist die Wahrscheinlichkeit, einen Schlaganfall zu erleiden, für Kurzschläfer um 15 Prozent höher als bei Normal- oder Langschläfern. Die Wahrscheinlichkeit, an einer Herzkrankheit zu sterben ist sogar 48 Prozent höher. Besonders gefährlich für Schlaganfälle und Herzattacken ist das sogenannte Schlafapnoe-Syndrom, bei dem während des Schlafs unbemerkt die Atmung aussetzt und der Puls hochschnellt. Quelle: dpa
LibidoGedächtnis, Gesundheit, Gewicht – jetzt auch noch das Liebesleben: Eine Studie im Schlaflabor der Universität von Chicago ergab, dass bei Männern mit Schlafmangel der Testosteronspiegel sinkt – und damit unter anderem die Libido abnimmt. Testosteron ist ein Hormon, dass bei Männern die Spermienproduktion, die Entwicklung der Geschlechtsorgane und die Libido steuert. An dem Versuch hatten zehn junge Männer teilgenommen, medizinische und psychologische Tests absolviert und eine Woche lang nur fünf Stunden pro Nacht geschlafen. Ein Ergebnis: Ihr Testosteronspiegel sank nach nur einer Woche um etwa 10 bis 15 Prozent.
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