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Terra PretaSpezialofen liefert Holzkohle für Klimagärtner

Unser Leser Rainer Sagawe produziert in einem selbstgebauten Ofen Holzkohle, die als "Terra Preta" düngt und CO2 speichert.Jonas Gerding 15.01.2016 - 15:30 Uhr Quelle: WirtschaftsWoche Green

Rainer Sagawe ist nicht der Typ, der darauf warten möchte, dass andere die drängenden Umweltprobleme unserer Zeit lösen. Er will die Sache selbst in die Hand nehmen. Der Vater von drei Kindern und Lokalpolitiker der Grünen war ein einst Schriftsetzer, bevor er sich als Umweltberater selbstständig machte. Er engagierte sich in der Transition-Town-Bewegung in Hameln und ist ein Verfechter von ökologischen Projekten, die möglichst eigenständig funktionieren und von vielen engagierten Menschen getragen werden.

Das ist seine gesellschaftliche Vision. "Irgendwann schaffen wir das", ist er überzeugt. Mit den Öfen möchte er einen Anteil daran leisten - auch wenn das für ihn heißt, sich vieles, wie Details über Thermodynamiken, erst einmal selbst beibringen zu müssen. Do-It-Yourself eben. 

Was kann der Wunderboden?

Mit Holzpellets, Baumzweigen und Tannenzapfen beispielsweise kann der Schlund gefüttert werden. Durch ein spezielles System der Luftzufuhr brennt sich die Feuerschicht langsam von oben nach unten bei Temperaturen von rund 640 Grad. "99 Prozent des Holzes wird in Holzkohle umgewandelt", erklärt Sagawe.

Und genau hier kommen die Klimaschützer ins Spiel: Bäume und Sträucher entziehen der Luft das klimaschädliche Kohlenstoffdioxid und speichern es. Würde man sie komplett verbrennen, wäre das Gas wieder in die Atmosphäre freigesetzt. Eine Nullbilanz sozusagen.  Sagawe gerät jedoch ins Schwärmen und spricht von einer negativen CO²-Bilanz und dem enormen Potenzial sogenannter Minus-Gärten, die er fördern möchte. Denn die gewonnene Holzkohle möchte er nicht verbrannt sehen, sondern der Erde untergemischt - als langfristiger CO²-Speicher.

"Die politischen Maßnahmen zur Umstellung auf erneuerbare Energien und zur Einsparung von Strom reichen doch hinten und vorne nicht", beklagt er sich. Eine verfügbare Lösung seien Speichermethoden. Von bio-energy with carbon capture and storage (BECCS) sprechen Experten in diesem Zusammenhang. Ein Begriff, den auch Sagawes Zielpublikum gerne zitiert: die Terra-Preta-Gärtner.

In Sachbüchern wurde sie bereits aufgerufen, "die schwarze Revolution aus dem Regenwald". In Internetforen tauschen sich Hobbygärtner aus, verabreden sich zu Workshops, bei denen die Teilnehmer lernen, wie sie eine Jahrtausende alte Bodenkultur Südamerikas nachahmen können.

Kritik an der Kohle

Terra Preta, schwarze Erde, ist die Bezeichnung für den äußerst fruchtbaren Boden im Amazonasbecken, der sich über Jahrhunderte gebildet hat aus der natürlichen Erde, die sich mit Humus und den Rückständen der Menschen wie Ton, Essensabfällen und Kot gebildet hat und wegen ihrer Vorteile bewusst kultiviert wurde. Jene teilweise bis zu 7000 Jahre alte Mischung wollen die Gärtner hierzulande künstlich anlegen - mit frischem Grün, Mehl, Mikroorganismen und eben der Holzkohle.

Noch sind sich Wissenschaftler jedoch uneinig über das Potential des angeblichen Wunderbodens. Manche werben für die Methode. Andere betonen jedoch, wie dünn die Erkenntnisse der Forschung bislang seien und verweisen auf Risiken. Der BUND beispielsweise veröffentlichte im vergangenen Jahr eine Einschätzung, in der sie davor warnen, dass wertvolle Bäume unter dem Vorwand des Klimaschutzes gefällt werden könnten.

Außerdem sei unklar, ob auf diese Weise Schadstoffe in den Boden gelangen könnten. Positive Effekte schließen sie nicht aus aber möchten klare Forschungsergebnisse abwarten. Sie schlussfolgern daher: "Zum jetzigen Zeitpunkt ist eine breite Anwendung nicht empfehlenswert."

Als langjähriges BUND-Mitglied ärgert sich Sagawe über das Papier und die "Elfenbeintürmler", die ihm Steine in den Weg legen würden. Jene Schadstoffe, vor denen der BUND warnt, habe er durch seine ausgefeilte Technik auf ein Minimum reduziert, sagt er und verweist auf eine Untersuchung, die das belegen soll.

Er würde keine Wälder roden, sondern die Heckenschnitten der Nachbarn sammeln, die sowieso anfallen. Ein Blick auf die vergangenen Ernten würde beweisen, wie gut die Erdmischung ohne chemischen Dünger zu bewirtschaften sei. Er sei kein ambitionierter Gärtner. Aber auf der Terra Preta habe er nun größeres Gemüse als seine ehrgeizige Schwiegermutter geerntet. "Und bei der zählt nur der das Ergebnis."

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