Greenpeace-Ratgeber 2016: Welche Fische auf den Teller dürfen – und welche nicht
Überfischung
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat 115 Arten bewertet. Konsumenten sollten je nach Art auf den Zustand des Bestandes, das Herkunftsgebiet des Fangs und die Fangmethode achten. „Vielen Fischbeständen steht das Wasser sprichwörtlich bis zum Hals“, sagte die Greenpeace-Meeresexpertin Sandra Schöttner. Nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO seien 28,8 Prozent der weltweiten Speisefischbestände überfischt oder erschöpft, 61,3 Prozent würden bis an die Grenze genutzt.
Beim Fischverzehr sollten Verbraucher auf Sorte und Herkunft achten. Der Greenpeace-Einkaufsratgeber verrät, von welchem Fisch man besser die Finger lässt:
Greenpeace nimmt regelmäßig Fischbestände oder besser gesagt Fischereien und Aquakulturen unter die Lupe. Dafür entwickelte die Umweltschutzorganisation gemeinsam mit Wissenschaftlern eine Methode, mit der Wild-Fischereien und Aquakulturen auf ihre Nachhaltigkeit bewertet werden können. Sowohl die Fischereien als auch die Aquakulturmethoden in einzelnen Ländern wurde bewertet, um abschließend die Empfehlungen abzugeben, welche Fische aus nachhaltiger Aufzucht oder Fischerei stammen. Wurde die Mehrheit der Wild-Fischereien/Aquakulturen einer Fischart als nicht-nachhaltig bewertet, bekam sie im Greenpeace-Ratgeber eine rote Markierung.
Um die Nachhaltigkeit zu prüfen, wurden Fragen zu nichtnachhaltigen Praktiken gestellt. Bereits ein Ja reichte für eine „rote“ Bewertung: Bei der Wild-Fischerei waren das zum Beispiel das Befischen von überfischten Beständen, zerstörerische Fangmethoden, hoher Beifang oder illegale Fischerei. Bei Aquakulturen spielen Faktoren wie die Verwendung von wild gefangenem Fisch als Futter, die Herkunft der Eier beziehungsweise Jungfische für die Zucht oder die Anzahl der aus der Aquakultur ausbrechenden Tiere eine Rolle.
In Deutschland wurden 2014 etwa 1,2 Millionen Tonnen Fisch konsumiert, das waren gut 14 Kilo pro Kopf. Weltweit liegt der Pro-Kopf-Verbrauch nach Angaben der Fischindustrie bei 19 Kilo, in der EU sogar bei 23 Kilo.
Laut einem Artikel in der Fachzeitschrift "British Medical Journal" schützen Omega-3-Fettsäuren, die in fetthaltigen Fischen wie Lachs, Thunfisch oder Sardinen enthalten sind, vor Brustkrebs. Ein bis zwei Portionen Fisch pro Woche genügten, um das Risiko um 14 Prozent zu senken, heißt es in dem Artikel.
Karpfen
Vor allem zu Weihnachten oder Silvester ist der Karpfen ein beliebtes Fischgericht. Fast keine Fischart kann nach Einschätzung von Greenpeace bedenkenlos gekauft und gegessen werden. Nur der Karpfen darf nach Ansicht der Umweltschützer mit gutem Gewissen auf den Tisch kommen.
Dorade
Die Goldbrasse oder Dorade ist bereits seit der Antike als Speisefisch bekannt. Greenpeace stuft diesen Fisch generell als nicht empfehlenswert ein.
Flussbarsch
Egal ob Wildfang oder Aquakultur - von dem Kauf von Flussbarschen rät Greenpeace generell ab.
Forelle
Die Forelle stuft Greenpeace als nicht empfehlenswert ein. Einzig die Bach- und die Regenbogenforelle sind noch empfehlenswert - aber auch nur aus ausgewählten Ländern, beispielsweise Deutschland oder Großbritannien. Sie werden in Teichen gezogen und sind Naturland-zertifiziert.
Hering
Wer Hering kauft, kann davon ausgehen, das es sich dabei um Wildfang handelt. Den empfiehlt Greenpeace auch generell. Schränkt dafür aber die Fanggebiete ein, die nachhaltig sind. Stammt der Hering also aus einem dieser Fanggebiete, sollten sie im Geiste der Nachhaltigkeit lieber darauf verzichten.
Lachs
Auf den Verzehr von Lachs sollte der Fischliebhaber laut Fischratgeber lieber verzichten. Sowohl Wildfang als auch Aquakultur bekommen von Greenpeace den roten Stempel. Der in Deutschland beliebte Alaska-Seelachs ist in drei von vier Fanggebieten nicht überfischt. Im vierten Fanggebiet, der westlichen Beringsee, ist der Zustand des Bestandes aufgrund fehlender Daten unklar. Als empfehlenswert geht der Pazifische Lachs durch.
Makrele
Unter dem lateinischen Namen "Scomber scombrus" gehört die Makrele zu den Fischen, die aus dem Wildfang stammen. Allerdings lehnt der Fischratgeber jegliche Fang- oder Zuchtart dieses Fisches ab.
Marlin
Gleiches gilt für den Marlin. Der Speerfisch sollte nach Meinung von Greenpeace auf keinem Teller landen. Wenn doch, kommt er immer aus dem Wildfang. Diese Fischart wird nämlich nicht in Aquakulturen gezüchtet.
Miesmuscheln
Wer gerne Miesmuscheln isst und dabei nachhaltig sein möchte, sollte auch hier genau auf die Herkunft achten. Generell empfiehlt der Fischratgeber keine Miesmuscheln zu essen. "Noch empfehlenswert" sind allerdings die Grünlippmuschel aus neuseeländischen Hängekulturen an Leinen, chilenische Miesmuscheln aus Hängekulturen an Leinen sowie Miesmuscheln aus Hängekulturen an Leinen sowie Pfalkulturen aus Albanien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien, Niederlande, Schottland und Spanien.
Scholle
So richtig soll man auch diesen Fisch nicht essen. Denn wer Scholle aus dem Wildfang serviert, der setzt laut Greenpeace ebenfalls nicht auf nachhaltige Lebensmittel. Eine kleine Empfehlung gibt es nur für die Pazifische Scholle, die mit Grund-Langleinen oder Snurrewaden und Ankerwaden aus den Gewässern Nordostpazifik, Beringsee oder Golf von Alaska gezogen wird.
Schwertfisch
Der Schwertfisch gilt laut Fischratgeber generell als nicht empfehlenswert. Der Knochenfisch, der in offenen Ozeanen und warmen bis tropischen Meeren zu finden ist, kommt wenn als Wildfang auf den Tisch. Noch empfehlenswert ist er, wenn er aus dem Südostpazifik stammt und dort mit Handleinen, Harpunen, Angeln oder Schleppangeln gefangen wurde.
Shrimps/Garnelen/Scampi
Egal ob Wildfang oder Aquakultur: Sollten Sie diesen Fisch genießen wollen und nachhaltig sein, achten Sie auf die genaue Herkunft. Generell rät der Fischratgeber nämlich vom Verzehr von Shrimps, Garnelen oder Scampi ab. Noch empfehlenswert sind in den Augen von Greenpeace der Kaisergranat aus dem Nordostatlantik, genauer Skagerrak oder Kattegat, der mit Fallen oder Fangkörben gefangen wird, die Eismeerganelen, die mit Fallen im Nordwestatlantik gefischt werden und die Tropischen Shrimps (auch Black Tiger genannt), die aus Teichen aus Bangladesch, Indien, Indonesien oder Vietnam stammen.
Thunfisch
Auch der Thunfisch aus Wildfang kommt bei Greenpeace auf die rote Liste des Fischratgebers. Nur Skipjack oder auch Bonito genannt, Gelbflossenthunfisch und der Weiße Thunfisch sind zumindest "noch empfehlenswert" in Sachen Nachhaltigkeit. Der Bonito aus Nordostpazifik, Nordwestpazifik, Östlichem Zentraler Pazifik, Südwestpazifik Westlichem Zentraler Pazifik, Indischem Ozean, Westlichen und Zentralen Pazifik, der mit Ruten und Leinen oder Ringwaden ohne Fischsammler geangelt wird, gilt als in Ordnung. Der Weiße Thunfisch geht noch durch, wenn er aus dem Nordostpazifik, Nordwestpazifik, Östlichem Zentralen Pazifik, Westlichen Zentralen Pazifik oder Nordpazifik mit Ruten und Leinen oder Schleppangeln gefangen wird. Den Gelbflossenthunfisch können Verbraucher essen, wenn er aus dem Nordwestpazifik, Nordostpazifik, aus dem westlichen Zentralpazifik, aus dem östlichen Zentralpazifik, Südwestpazifik oder aus dem Zentralpazifik kommt und mit (Hand-)Leinen, Ringwaden ohne Fischsammler oder Ruten gefangen wurde.
Tintenfisch
Er ist unter vielen Namen bekannt: Tintenfisch, Octopus, Krake, Sepia – beim Fischratgeber landet er, egal mit welchem Namen, auf der roten Liste. Der Wildfang wird von Greenpeace abgelehnt. Lediglich die Arten "Illex illecebrosus", "Doryteuthis opalescens", "Eledone cirrhosa" und "Sepia officinalis" aus ausgewählten Regionen sind verzehrbar.
Zander
Alphabetisch der letzte in der Liste zählt auch der Zander zu den Fischarten, die der Fischratgeber zu den nachhaltig bedenklichen Fischgerichten zählt. Sowohl als Wildfang als auch Zuchtfisch lehnt Greenpeace den Verzehr des Zanders ab. Eine Ausnahme macht Greenpeace nur wenn er aus folgenden Regionen kommt: Hjälmaren-See/Schweden, wenn dort mit Fallen oder Stellnetzen gefangen wird.