1. Startseite
  2. Technologie
  3. Umwelt
  4. Verpackungen mitessen: Welche Käserinde ist denn nun genießbar und welche nicht?

Werner knallhartVerpackungen mitessen: Welche Käserinde ist denn nun genießbar und welche nicht?

Wir essen mehr oder weniger freiwillig oder aus Versehen Lebensmittelverpackungen mit. Beim Käse gilt oft raten, probieren und ausspucken – oder Plastik schlucken. Warum ist alles so strikt geregelt, aber das nicht? Eine Kolumne.KOMMENTAR von Marcus Werner 11.07.2025 - 11:28 Uhr
Bei dem französischen Bergkäse Comté ist die Rinde zwar essbar – aber nicht für jeden auch ein Genuss. Foto: imago images

„Esspapier“. Hauchdünne Teigscheiben, doppelt gelegt mit Zucker dazwischen. Beim Kiosk für 5 Pfennig. Das war der Hammer damals. Papier essen. Wahnsinn.

Dabei war echte Verpackung nicht selten auch Teil der täglichen Ernährung. Bei den Bonbons ging es los, diese Campinos von Storck. Lagen die in der Ablage im Auto kurz in der Sonne oder zu lange in der Hosentasche, verschmolz das Fruchtbonbon mit der Klarsichtfolie der Verpackung.

Und weil man als Kind ja eher seine eigene Schwester verkauft, als ein Bonbon weggeschmissen hätte, hat man die eingeklebte Folie einfach mitgegessen. Manchmal ließ sich noch ein Fetzen ausspucken.

Ähnlich bei Maoam. Seltener beim weniger harten Mamba.

Puddingpulver reicht nicht mehr

Oetker droht, den entscheidenden Trend zu verschlafen

Alle reden über den Familienstreit beim Traditionskonzern Oetker. Dabei trifft der Trend zu kalorienreduzierter Ernährung das westfälische Pudding-, Pizza- und Pils-Imperium viel härter.

von Mario Brück

Oder Cornetto. Hatten wir von unseren Eltern doch den Trick abgeguckt, nur den oberen Teil des Verpackungstütchens abzureißen, damit geschmolzenes Eis samt geschmolzenem Schoko-Dichtungspfropfen nicht durch die Waffel direkt auf die Hose oder gar den Autositz tropfte. Und erst zwischendurch bemerkten wir die Bissspuren im Papier: „Oh.“

Heute merken im Zweifel nur noch die mit Amalgam-Füllungen im Mund, wenn sie beim stramm gewickelten Dürüm die Alu-Folie mit zerkauen, und für das durchgesuppte Döner- und Pizza-Papier hätte ich eine Geschäftsidee: gewürzte Verpackungen. So oft, wie die versehentlich mit abgebissen werden.

Naja, und mit Abstand am dümmsten sind immer noch die Brot-Aufkleber. Das Auto, den Computer, das Aspirin, alles haben wir erfunden. So blöd sind wir hierzulande doch gar nicht. Und dann lassen wir es uns gefallen, dass Bäckereien Markenaufkleber auf Brote kleben. Und zwar Aufkleber, die beim Abziehen zerfetzen. Insbesondere Biobäckereien, ist mir aufgefallen. Und so pulen wir am Abendbrottisch verklebte Papierfetzen zwischen Sonnenblumen- und Kürbiskernen hervor. Oder essen sie einfach mit.

Selbst auf die zarte Haut von Nektarinen kleben sie uns diese Sticker. Und im Obstsalat des Hotelbuffets finden wir sie dann wieder. Oder eben nicht. Schluck!

All das ist ein Kompromiss aus schlechten Verpackungen und unserer Egal-schmeckt-trotzdem-Haltung. Esspapier eben.

Was aber bis heute völlig verwahrlost erscheint, ist die Regelung zur Käserinde. Welche kann man da essen?

Kaffee

Wie Nespresso mit Kapseln aus Papier Kritiker besänftigen will

Der deutsche Markt für Kaffeekapseln schrumpft. Nun führt Nespresso kompostierbare Papierkapseln ein. Doch die haben einen Haken. Ein Artikel aus dem Handelsblatt.

von Katrin Terpitz

Die Amerikaner müssen uns ja wegen unserer Käsetradition für verrückt halten. In den USA, so heißt es ja irgendwie, muss jedes Hühnchen erst mit DanKlorix abgerieben werden, bevor es bei KFC in die Fritteuse geworfen wird. Und dann sollen die ein Freihandelsabkommen schließen mit einem Kontinent, bei dem aus Tradition Rohmilchkäse erlaubt ist, was für Schwangere, ihre Leibesfrüchte und Immunschwache lebensgefährlich werden kann.

Und nicht nur das: die Rinde. Woher soll man wissen, welche man essen kann und welche nicht. Im Idealfall steht das auf der Umverpackung. Aber ist das nicht unwürdig, erst nachlesen zu müssen, ob das Essen, was man kauft, wirklich zu 100 Prozent essbar ist? Und was ist im Restaurant?

Der Piekser im Rollmops ist auch schon grenzwertig. Man muss schon wissen, dass zwei von denen aus Tradition pro gerolltem Hering rein gehören, sonst essen Schlinger Holzspieße mit.

Aber beim Käse ist das Chaos perfekt. Auf Tiktok finden Sie Produkttester, die die Wachshülle des Babybel für essbar halten und sie in Konsistenz und Geschmack ausführlich als zäh und wachsig, also enttäuschend, bezeichnen.

Aber wenn schon das Marmeladentöpfchen beim Hotelfrühstück aus essbarer Waffel besteht, wie soll ein 17-Jähriger ahnen, dass man dieses winzige Stück Babybel in Verpackungsmüll eingießt?

Beim Gouda wissen wir es irgendwie: Wachshülle – Bäh!

Veganer Käse

Käse aus dem Bioreaktor zieht Rewe und ProSieben an

Veganer Käse blieb bisher in der Nische. Zwei Unternehmen wollen jetzt Käse ohne Kuhmilch zur Marktreife bringen. Der soll genauso schmecken wie das Original – und lockt nun Rewe sowie ProSieben als Investoren an.

von Andreas Menn

Aber wussten Sie, dass der Rand beim spanischen Manchego nicht immer essbar ist? Mal so, mal so. Toll. Manchmal bekommen Sie in Tapas-Restaurants Manchego-Käse mit Paraffin- oder Plastik-Rinde serviert. Also beim Manchego am besten immer den Rand weg – obwohl er manchmal essbar ist.

Essbar sind in aller Regel die Käse mit Weißschimmel- oder Rotschmiererand, also Brie, Camembert, Saint Albray, Chaume, Reblochon, Münster und Ziegenkäserolle. Und auch die Rinde vom Raclette kann meist mitgegessen werden.

Anders bei den Käsen, die, ob man es ahnt oder nicht, Kunststoffe, Paraffin oder Lacke enthalten, etwa Leerdammer, Edamer, Gouda, Babybel, Bergbauernkäse, Maasdammer, Tilsiter, Emmentaler und besagter Manchego. Der Appenzeller hat zwar eine Art Kräuterlake drauf, die aber häufig künstlich überlackiert wird. Ih, bah!

Ja, Leute! Und dann gibt es noch die Käsesorten, deren Rinden zwar nicht künstlich sind, aber trotzdem nicht einfach so gegessen werden, etwa weil sie zu hart sind, wie die des Parmesan. Die können Sie höchstens mitkochen, reiben oder frittieren.

Auch der Pecorino hat öfters eine muffige, harte Rinde, die nicht schmeckt.

Die sehr gereifte Rinde vom spanischen Blauschimmelkäse Cabrales verdirbt so manchem den Genuss des ganzen Käses.

Vertical Farming

Wenn Künstliche Intelligenz auf dem Teller landet

von Nils Buske

Käse mit Ascheschicht außen wiederum sind meist komplett essbar. Ausgerechnet. Weil die Asche meist harmlose Aktivkohle ist, die den pH-Wert regeln soll.

Tja, essbar, obwohl künstlich aufgebracht, essbar, weil natürlich. Nicht essbar, weil künstlich, nicht essbar, weil einfach ungenießbar.

Machen Sie da auf der Party an der Käseplatte mal eine gute Figur.

Und dann gibt es ja noch das versunkene Alu. Wenn die Käsefrau an der Theke aus Gleichmut das Aluminium-Etikett des Käses nicht entfernt, bevor sie Ihre Scheibe abschneidet, und dann die Folie in Fetzen mit dem Käsebeil tief ins Innere des Roquefort oder Gorgonzola treibt.

Was soll man da als mündiger Verbraucher fordern? Aufklärungs-Broschüren? Einen Ernährungsberater, bezahlt von der Krankenkasse und bereitgestellt zu jedem Käseomelette? Oder einfach schärfere Messer am Buffet?

Wir können nur hoffen, dass unsere amerikanischen Freunde nicht bemerken, wie kompliziert es mit der Lebensmittelhygiene östlich des Atlantiks wirklich ist.

Den Autor erreichen Sie über LinkedIn.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick