Aral, Shell, Total Tankstellen verkaufen Erdgas nur eingeschränkt

Besitzer von Erdgas-Autos können ihre Wagen in den kommenden Tagen wohl nur eingeschränkt nutzen. Nach einem schweren Unfall wollen die Tankstellen erstmal kein Gas mehr anbieten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Ein Zettel weist auf die Schließung einer Erdgaszapfsäule in einer Araltankstelle hin. Quelle: dpa

Nach Marktführer Aral haben weitere Tankstellenkonzerne ihren Stationen und Pächtern empfohlen, vorübergehend kein Erdgas mehr zu verkaufen. Shell, Exxonmobil (Esso), Jet und Total erklärten in ähnlichen Stellungnahmen, sie räumten der Sicherheit Vorrang ein und rieten deshalb von der Betankung mit Erdgas ab. Auslöser ist ein Unfall vom vergangenen Freitag in Duderstadt, bei dem die Gastanks eines VW Touran geborsten waren und der Fahrer schwer verletzt wurde.

Ein Total-Sprecher sagte, die Erdgassäulen seien gesperrt worden. Allerdings bleibe eine Betankung nach Rücksprache mit dem Tankstellenpersonal möglich - und zwar für alle Modelle, die nicht von dem Rückruf von Erdgasautos bei VW betroffen seien.

Nach dem Unfall in Duderstadt leitete die Staatsanwaltschaft Göttingen ein Strafverfahren ein. „Wir ermitteln gegen Unbekannt wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung“, sagte ein Sprecher am Mittwoch.

Ein VW-Sprecher sagte am Mittwoch, der Touran aus Duderstadt sei Teil eines aktuellen Rückrufes, die Nachbesserung des Wagens habe aber noch nicht stattgefunden. Er konnte keine Angaben dazu machen, ob der Hintergrund des Rückrufes bei dem Vorfall in Duderstadt eine Rolle spielte oder ob ein anderer Auslöser infrage komme. Bisher habe nur die Staatsanwaltschaft Zugriff auf das Auto, die VW-Experten nicht.

Das sind die meistverkauften Erdgas-Modelle
Platz 10: Fiat FiorinoGerade einmal 3200 Erdgasautos wurden in den ersten sieben Monaten in Deutschland verkauft. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum verkauften Händler 1,8 Millionen Fahrzeuge. Die Erdgas-Autos machen also gerade einmal 0,2 Prozent aller Neuwagen aus. Fiat bietet die meisten Modelle an, etwa den Fiat Fiorino der zwischen Januar 2011 und Juli diesen Jahres 161 Mal verkauft wurde.* Die Auswahl an Erdgas-Modellen ist bisher gering. Viele Autofahrer wissen aber auch noch zu wenig über die Vorteile von Erdgasfahrzeugen... * Quelle: Car Center of Automotive Research Quelle: Fiat
Platz 9: Fiat DobloAußer Fiat bieten Opel, Mercedes und Volkswagen Erdgasfahrzeuge an - das war es auf dem deutschen Markt aber auch. Zählt man alle Karosserievarianten zusammen gibt es derzeit in Deutschland 400 unterschiedliche Pkw-Modelle zu kaufen - nicht einmal 20 davon haben einen Erdgas-Tank. Der Fiat Doblo ist einer davon und hat 227 Käufer gefunden.* * Im Zeitraum 2011 bis 31. Juli 2012 Quelle: Fiat
Platz 8: Fiat PandaDer kleine Flitzer ist ebenfalls mit Erdgas-Antrieb zu haben. Zwischen 2011 und Juli 2012 verkauften die Italiener 325 Modelle. Die geringen Verkaufszahlen werden den Vorteilen des Erdgas-Autos nicht gerecht, denn die Treibstoffkosten sind um ein Vielfaches niedriger als bei den traditionellen Benzin- und Dieselfahrzeugen. Zum Vergleich: Der Energiegehalt von einem Kilogramm Erdgas entspricht 2 Liter Autogas (LPG), bzw. 1,5 Liter Benzin bzw. 1,3 Liter Diesel. Erdgas ist damit derzeit auch der preisgünstigste Kraftstoff mit etwa 0,60 Cent/Liter. Quelle: Reuters
Platz 7: Fiat PuntoDer Punto hatte in der Erdgas-Variante bisher den größten Erfolg aller Fiat-Fahrzeuge - wenn man bei den geringen Absätzen überhaupt von Erfolg sprechen möchten. 381 Mal fand er zwischen Januar 2011 und Juli 2012 einen Käufer. Wie alle Erdgasfahrzeuge stößt der Punto rund 75 Prozent weniger Kohlenmonoxid und 25 Prozent weniger Kohlendioxid aus - außerdem rund ein Fünftel weniger Kohlenwasserstoff und Stickoxide. Quelle: REUTERS
Platz 6: Mercedes E-KlasseEs ist das einzige Modell des Premium-Autobauers, dass es unter die Top Ten der meistverkauften Erdgasfahrzeuge schafft - mit gerade einmal 637 verkauften Modellen. Da ist die Marke mit dem Stern andere Dimensionen gewohnt. Auf dem Autosalon in Paris stellt Mercedes die neue B-Klasse 200 Natural Gas Drive vor. Im Erdgasbetrieb liegt der Verbrauch des 156 PS-starken Fünfsitzers bei lediglich 4,2 Kilogramm auf 100 Kilometer. Anfang 2013 soll er beim Händler stehen. Quelle: Mercedes
Platz 5: Zafira TourerDas Opel-Modell war 2011 noch nicht auf dem Markt, steigt 2012 mit bisher 224 verkauften Exemplaren vergleichsweise stark in den Markt ein. Zur Rettung des angeschlagenen Autobauers werden die homöopathischen Absätze jedoch kaum beitragen können. Bei der geringen Anzahl an verkauften Fahrzeugen wundert es nicht, dass auch das Tankstellennetz noch schlecht ausgebaut ist. Der ADAC zählt aktuell rund 900 Erdgastankstellen in Deutschland. Quelle: Opel
Platz 4: Opel ZafiraAls erster im Ranking knackt der Zafira die Tausendermarke. Mit 1196 verkauften Modellen liegt er auf Platz vier. Das erste erdgasbetriebene Fahrzeug entwickelte übrigens 1984 der schwedische Autobauer Volvo. Das mag ein Grund dafür sein, dass dieser Antriebstyp in Schweden schon deutlich verbreiteter ist als hierzulande. Auch in Italien und der Schweiz sind Erdgas-Fahrzeuge populärer. Quelle: Opel
Platz 3: VW PassatAb dem dritten Platz dominieren Modelle der Wolfsburger. 1332 Autofahrer haben sich in den vergangenen 19 Monaten für einen Erdgas-Passat entschieden. Es wären wohl mehr, wenn potenzielle Autokäufer wüssten, wie viel Spritkosten sie sparten. Der VW Passat etwas kommt mit 4,3 Kilogramm Erdgas auf 100 Kilometer aus. Bei den aktuellen Erdgaspreisen kostet der Treibstoff unter 4,50 Euro auf 100 km. Der vergleichbare Diesel schluckt 7,20 Euro auf die selbe Strecke. Quelle: Volkswagen
Platz 2: VW TouranMit dem Erdgas-Passat wollte Volkswagen beweisen, dass sich sportliches und umweltfreundliches Fahren durchaus mit einander kombinieren lassen. Der Touran übernimmt den Part des ökologisch-korrekten Familienautos. Mit 1565 verkauften Modellen schafft er es auf Platz zwei. Volkswagen bietet bereits seit 2006 zwei Vans mit dem EcoFuel-Erdgasantrieb an. Quelle: Volkswagen
Platz 1: VW CaddySieger im Ranking der Erdgasmodelle ist das dritte Modell aus dem Hause Volkswagen. Der Caddy fuhr insgesamt 3001 Mal als Erdgas-Fahrzeug vom Hof des Händlers. Quelle: Volkswagen

In Duderstadt war ein Autofahrer durch umherfliegende Trümmerteile schwer verletzt worden, als der Tank eines VW ouran an einer Erdgaszapfsäule geborsten war. „Das Auto und die Zapfsäule wurden beschlagnahmt“, sagte Oberstaatsanwalt Frank-Michael Laue. Gutachter seien beauftragt, die Ursache der Explosion zu ermitteln und zu klären, wer dafür verantwortlich ist.

In Deutschland stehen rund 900 Zapfsäulen für Erdgas, die zumeist nicht den Konzernen gehören, sondern von regionalen Gasversorgern betrieben werden. Zugelassen sind bundesweit knapp 100 000 Autos und Nutzfahrzeuge, die mit Erdgas fahren. Sie haben aber auch noch einen Benzintank.

Bei Volkswagen läuft schon seit einiger Zeit eine Rückrufaktion von Erdgasautos. Dabei geht es um den vorsorglichen Tausch von Gasflaschen. Betroffen sind mehr als 35 000 Fahrzeuge der Modelle Caddy, Passat und Touran aus den Jahrgängen 2006 bis 2010

Hintergrund ist nach VW-Angaben mögliche Korrosion. Sinke dadurch die Wandstärke der Gasflaschen, könne dies zum Bersten und zu erheblicher Verletzungsgefahr führen. Bis zur Umrüstung sollten betroffene Modelle nur im Benzinbetrieb genutzt werden. Der VW-Sprecher bekräftigte diesen Sicherheitshinweis am Mittwoch noch einmal. Zudem sei klar, dass nur die genannten Modelle und Jahrgänge zur Werkstatt müssten. Hinweise auf eine Ausweitung des Problems gebe es nicht.

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