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VWErst Bruchteil der manipulierten Autos in Europa umgerüstet

8,5 Millionen Diesel muss Volkswagen in Europa wegen manipulierter Motorsoftware umrüsten. Aber nur etwa eine gute halbe Million Autos sind bislang umgerüstet. Nun soll das Tempo steigen. 19.09.2016 - 11:23 Uhr

VW: Erst Bruchteil der manipulierten Autos in Europa umgerüstet

Foto: AP

Ein Jahr nach dem Ausbruch des Abgas-Skandals hat der VW-Konzern erst einen Bruchteil der manipulierten Fahrzeuge in den Werkstätten nachgebessert. Dennoch ist Volkswagen zuversichtlich, dass die Beseitigung der betreffenden Motorsteuerungen bis zum Ende des Jahres Fahrt aufnehmen und 2017 abgeschlossen sein wird.

Der für den Diesel-Rückruf in Europa zuständige VW-Manager Manfred Bort sagte in dem am Montag erschienenen Mitarbeiter-Magazin „Inside“: „Wir setzen alles daran, bis November die Freigaben für alle Software-Varianten zu erhalten. Bis Jahresende wollen wir alle betroffenen Kunden in Deutschland informieren, dass die technische Lösung für ihr Auto verfügbar ist.“ Für den Heimatkontinent sagte Bort: „Ich bin zuversichtlich, dass wir im Laufe des nächsten Jahres den Rückrufprozess abgeschlossen haben werden.“

Für die in Europa betroffenen 8,5 Millionen Diesel-Fahrzeuge habe das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) bisher 60 Prozent der nötigen technischen Umrüst-Genehmigungen erteilt. „Zehn Prozent davon sind bereits mit guten Ergebnissen umgerüstet. Dennoch ist noch einiges zu tun, um den Rest der Software-Varianten zu entwickeln und zu prüfen“, sagte Bort. Laut seiner Rechnung wären damit erst gut 500 000 Wagen umgerüstet.

Wie VW im ersten Halbjahr abgeschnitten hat
Bei der Marke Volkswagen Pkw ging das Operative Ergebnis vor Sondereinflüssen auf von 1,4 auf 0,9 Milliarden Euro zurück. Grund für diese Entwicklung waren Wechselkurs- und Mixeffekte sowie geringere Absatzmengen und höhere Vermarktungskosten infolge des Abgas-Skandals.
Audi erzielte ein operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen in Höhe von 2,7 Milliarden Euro (Vorjahreszeitraum: 2,9 Milliarden Euro). Währungseffekte und weiter hohe Vorleistungen für neue Produkte und Technologien sowie für den Ausbau des internationalen Produktionsnetzwerks belasteten das Ergebnis. In den Finanzkennzahlen von Audi sind die Marken Lamborghini und Ducati enthalten.
Das Operative Ergebnis von Škoda stieg von 522 auf 685 Millionen Euro, was einem Zuwachs von 31,2 Prozent entspricht. Der Anstieg war im Wesentlichen auf positive Volumen- und Mixeffekte sowie Produktkostenoptimierungen zurück.
Seat setzte ihre positive Entwicklung fort und steigerte das Operative Ergebnis um 40 Millionen auf 93 Millionen Euro. Dabei wurden negative Volumen- und Wechselkurseffekte durch Kostenreduzierungen und Mixverbesserungen kompensiert.
Das Operative Ergebnis der Marke Bentley ging um 75 Millionen auf minus 22 Millionen Euro zurück – vor allem wegen veränderter Marktbedingungen und Wechselkursverhältnisse.
Porsche verbesserte das Operative Ergebnis um 7,7 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Gründe waren gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein Absatzanstieg sowie Wechselkurseffekte. Die Modelle Boxster, Cayman, 911 und Macan wurden verstärkt nachgefragt.
Das Operative Ergebnis von Volkswagen Nutzfahrzeuge lag im 1. Halbjahr mixbedingt mit 299 statt 268 Millionen Euro über dem Vorjahreswert.
Scania konnte die rückläufige Nachfrage in Südamerika, der Türkei und Russland durch steigende Verkaufszahlen in Europa kompensieren. Dadurch verbesserte sich das Operative Ergebnis vor Sondereinflüssen auf 550 (503) Millionen Euro.
MAN konnte trotz des anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Umfelds in Südamerika das Operative Ergebnis vor Sondereinflüssen auf 186 (54) Millionen Euro verbessern. Dazu trugen auch die eingeleiteten strukturellen Veränderungen positiv bei.
Volkswagen Finanzdienstleistungen steigerte das Operative Ergebnis um 2,6 Prozent auf 995 Millionen Euro. Positiv wirkten Volumeneffekte: Weltweit nahm die Zahl der Neuverträge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15,2 Prozent auf 3,3 Millionen Kontrakte zu.

Optimistisch stimme ihn die Umsetzung auf Kundenseite mit einer raschen Fahrt in die Werkstatt, wenn die Genehmigungen vorliegen und die Halter die Informationsschreiben bekommen. „Von den Kunden, die vor zwei oder drei Monaten einen Brief erhalten haben, waren bereits mehr als 60 Prozent in den Werkstätten und sind zufrieden wieder nach Hause gefahren.“ Bei den Fahrzeugen, die im Frühjahr den Auftakt des Rückrufes bildeten, liege die Quote „sogar bei über 80 Prozent“.

Ursprünglich hatte VW die Umrüstungen noch 2016 weitgehend beenden wollen. Doch schon zum Jahresanfang gab es Verzögerungen. Bort betonte, Genauigkeit gehe nun mal vor Schnelligkeit. Als ein Beispiel nannte er die stärkste Version des betroffenen Skandal-Motors EA 189, den 140 PS (103 KW) leistenden 2,0-Liter-Diesel aus dem Golf.

Platz 10: Ford Focus

"Wer in Deutschland erfolgreich ist, wird auch überall erfolgreich sein." Das besagt eine Binsenweisheit der Autoindustrie. Doch die stimmt nur bedingt, wie ein Blick auf die Auswertung von Jato Dynamics zeigt: Der VW Passat – in Deutschland unangefochten die Nummer 2 – schafft es in der Statistik der meistverkauften Autos in Europa im ersten Halbjahr nicht einmal in die Top Ten. Die eröffnet der Ford Focus mit 120.534 verkauften Exemplaren zwischen Januar und Juni – das sind rund sechs Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 9: Skoda

Auch der Skoda Octavia ist in der europaweiten Auswertung von Jato schlechter platziert als in Deutschland – wenn auch nur minimal. In Europa kommt der Tscheche mit 121.297 Verkäufen auf Rang 9. Rund ein Viertel davon, genau genommen 30.529 Fahrzeuge, fanden ihren Käufer in Deutschland. Das reicht für Rang 8. Im Gesamtjahr 2015 lag der Octavia in Deutschland noch auf Rang 6.

Foto: Skoda

Platz 8: Nissan Qashqai

Das einzige SUV in der europäischen Top-Ten-Liste ist der Nissan Qashqai. Und damit ist er auf dem Gesamt-Kontinent erfolgreicher als in dem ach so wichtigen Deutschland: Hier reicht es mit 14.869 Exemplaren im ersten Halbjahr nicht einmal für die Top 30. In der Jato-Auswertung belegt der im britischen Sunderland gefertigte Nissan mit 126.113 Fahrzeugen Rang 8.

Foto: Nissan

Platz 7: Opel/Vauxhall Astra

Der Astra – im Vereinigten Königreich wie alle Opel-Modelle unter der Marke Vauxhall verkauft – konnte vom jüngsten Modellwechsel profitieren. Mit 26 Prozent ist der Zuwachs bei dem Rüsselsheimer größer als bei jedem anderen Fahrzeug in den Top 20. 129.691 Fahrzeuge reichen für den siebten Rang – im deutschen Markt ist es im ersten Halbjahr Platz 6 geworden.

Foto: Opel

Platz 6: Peugeot 208

Eines der besten Beispiele für die Diskrepanz zwischen dem deutschen und europäischen Automarkt ist der Peugeot 208. In Deutschland kommt der Kleinwagen nicht mal unter die besten 50 Modelle, dank der Nachfrage aus Frankreich, Italien und Spanien kommt er auf kontinentale Sicht mit 138.368 Autos (+14 Prozent) auf den sechsten Rang. damit lässt er in Deutschland wichtige Modelle wie den Audi A3 oder A4 zum Teil deutlich hinter sich.

Foto: Peugeot

Platz 5: Opel/Vauxhall Corsa

Die Kleinwagen-Nachfrage aus Südeuropa treibt auch den Opel Corsa an. Statt dem neunten Rang in Deutschland fährt der (nach den Premieren von Adam und Karl) nur noch drittkleinste Opel auf Europa-Sicht den fünften Platz ein. Der Corsa kommt auf 147.494 Exemplare im Halbjahr – und seine beiden kleineren Brüder schaffen es nicht einmal in die Top 20.

Foto: Opel

Platz 4: Ford Fiesta

In Deutschland muss sich der Fiesta seinem größeren Bruder Focus geschlagen geben, in Europa und vor allem global fährt er ihm aber davon. Mit 159.534 gelisteten Fahrzeugen kommt der Fiesta im ersten Halbjahr auf Rang 4. Was Ford allerdings zu denken geben sollte: Beide Modelle (Fiesta: - 9 Prozent, Focus: - 6 Prozent) haben im Vergleich zum Vorjahr verloren.

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 3: VW Polo

Kommen wir zum Podium. Das eröffnet – in Deutschland und Europa – der VW Polo. In Deutschland reichen dazu 37.782 Fahrzeuge im ersten Halbjahr, in Europa braucht der Polo dazu 166.894 Exemplare. Der große Unterschied zwischen Deutschland und Europa liegt aber auf Platz 2, denn der Passat schafft es – wie bereits erwähnt – nicht in die europäischen Top Ten.

Foto: Volkswagen

Platz 2: Renault Clio

Statt der in Deutschland beliebten Mittelklasse-Limousine und dem noch beliebteren Kombi geht die Silbermedaille an einen Kleinwagen. Wie schon bei 208, Corsa und Fiesta schafft es der Renault Clio nicht wegen des deutschen Marktes auf den zweiten Platz. Weniger als zehn Prozent der 173.462 Clios wurden in Deutschland verkauft. Dort reicht es mit knapp über 12.000 Fahrzeugen nur zum 40. Platz. Renault wird es angesichts des Europa-Erfolgs verschmerzen können.

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 1: VW Golf

An eine Fakt kann aber auch die Kleinwagen-Nachfrage in Südeuropa nichts ändern: Der Golf ist ein Bestseller. Auf den VW-Klassiker trifft auch die Binsenweisheit zu: Fast 129.000 der europaweit 269.430 Golfs wurden zwischen Flensburg und Garmisch zugelassen. Für alle anderen Autos sollte die Binsenweisheit besser heißen: "Willst du in Deutschland und Europa erfolgreich sein, dann baue einen Golf."

Foto: Volkswagen

„Diesen Golf hatte das KBA im Mai freigegeben. Aber wir werden noch bis November brauchen, bis die Software für alle Modellvarianten verfügbar sein wird. Es geht allein bei diesem Motor um rund 100 Varianten. Denn jedes Modell ist anders und unterscheidet sich etwa nach Gewicht, Getriebetyp und Ausstattung“, erklärte Bort. „Diese riesige Vielfalt berücksichtigt das Motorsteuergerät und muss bei der Entwicklung der neuen Software natürlich einbezogen werden.“

Bort bekräftigte zudem: „Wenn die Kunden zur Serviceaktion kommen, können sie darauf vertrauen, dass sich beim Verbrauch, beim Fahrverhalten oder bei der Motorleistung nichts verändert.“ Er verwies auf eine Rund-um-die-Uhr-Arbeit bei dem Thema: 250 Ingenieure beschäftigten sich mit den Umrüstungsfragen, 50 000 Mitarbeiter in den VW-Werkstätten seien geschult worden, 80 000 Software-Geräte kämen zum Einsatz. „Viele Mitarbeiter sind an ihre Grenzen gegangen.“

dpa
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