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Bill und Melinda Gates Elektronisches Geld für die Armen der Welt

Eine neue Software ist am Montag an den Start gegangen: Sie ist kostenlos – und soll die Wirtschaft revolutionieren. Der reichste Mann der Welt will den weniger Privilegierten Zugang zur Finanzwelt verschaffen.

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Ihre Stiftung verfügt heute über ein Vermögen von 40,3 Milliarden Dollar. Quelle: picture alliance/ASSOCIATED PRESS

Berlin Rund 2,5 Milliarden Menschen auf dem Globus haben kein Bankkonto. Zwar wächst in Teilen Afrikas und Asiens rasant eine Mittelschicht heran, die mittlerweile per Handy Geld überweisen kann. Doch die Masse armer Menschen bleibt weiter vom Finanzsystem ausgeschlossen.

Dies will Microsoft-Gründer Bill Gates bekämpfen. Der reichste Mann der Welt, der gemeinsam mit seiner Frau Melinda Unmengen an Geld in die nach den beiden benannte Stiftung gesteckt hat, will auch den Ärmsten der Welt ermöglichen, elektronisch zu zahlen. Am Montag startete die Bill & Melinda Gates-Stiftung ihr neues Software-Projekt namens Mojaloop.

Das neue System soll Finanzdienstleistern und Mobilfunkan‧bietern ein einfaches und dank der kostenlosen Software preiswertes Anbieten‧ von mobilen Finanzdienstleistungen ermöglichen. Moja heißt auf Suaheli eins. Wie beim Tele‧fo‧nieren per Mobiltelefon werde durch Mojaloop ermöglicht, dass „künftig über diverse Mobilfunknetz-Grenzen hinweg elektronisch Geld über‧mittelt werden kann“, sagte Kosta Peric, der Vize des Fi‧nanz‧dienst‧leistungs‧programms der Stiftung, dem Handelsblatt. „Und das zu niedrigen Preisen oder sogar kostenfrei und so einfach wie eine SMS“, erklärt er.

Bisher schon werden 43 Millionen Finanztransaktionen täglich per Handy getätigt. Hauptproblem des Wachstums ist dabei, dass verschiedene Netzanbieter bei den mobilen Geldflüssen noch nicht ausreichend miteinander kooperieren können. Mojaloop ermöglicht nun erstmals diese Interoperationen. „So wie das Internet die digitale Kommunikation revolutioniert hat, wird Mojaloop eine Innovation und Demokratisierung beim bargeldlosen Zahlen entfachen und Milliarden neuer Konsumenten anschließen“, ist sich Peric sicher.

Dabei geht es Gates um mehr als um die Rückkehr des sprichwörtlichen Schusters zu seinem Leisten: Software sei nur das Mittel zum Zweck. Am Ende gehe es um das enorme wirtschaftliche Potenzial, das durch den mobilen Zugang zu Geld für Milliarden armer Menschen mobilisiert werden kann. Und auch um den Abbau der Risiken und enormen Kosten, die beim Zahlen mit Bargeld oder Ersatzinstrumenten immer drohen – gerade in den instabilen Gegenden der Welt.

Globales Wachstum

Wenn alle Menschen Zugang zur elektronischen Zahlung hätten, würde dies das globale Wachstum gerade in bisher unterentwickelten Volkswirtschaften stark steigern. Eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey hat errechnet, dass das Wirtschaftswachstum dort um zehn bis zwölf Prozent gesteigert würde.

„Hilfe zur Selbsthilfe“, das ist Gates‘ Ansatz bei der Förderung unterprivilegierter Länder und Menschen. „Hunger trifft nicht alle gleich, er trifft die, die keine Macht haben“, sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gerade in einer Fernsehansprache zur Woche der Welthungerhilfe.

William „Bill“ Henry Gates III, wie der 61-Jährige offiziell heißt, hat nun über seine Stiftung die Programmierung der Open-Source-Software Mojaloop angestoßen – und finanziert sie mit dem Anspruch, dass „digitale Wirtschaft armen Menschen hilft und Länder entwickelt“.

Mit aktuell 88,9 Milliarden Dollar Vermögen ist er laut dem auf Geldranglisten spezialisierten US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ der reichste Mann der Welt – und sein Vermögen hat in den letzten Monaten stark zugelegt. Nur 1999 hatte er mit 90 Milliarden Dollar mehr Reichtum.

Fintechs sind beteiligt

Das jüngste Kind der mit seiner Frau 1999 gegründeten Stiftung kommt – im Gegensatz zum Großteil seines Vermögens – allerdings nicht aus Quellen von Microsoft, wo er am 27. Juni 2008 seinen letzten Arbeitstag hatte. Vielmehr haben vier andere US-Software- und -Fintech-Entwickler sowie die bulgarische Software Group das am Montag gestartete Projekt programmiert: Ripple, das schon jetzt auf Zahlungsnetzwerke spezialisiert ist, die E-Commerce-Firma Dwolla, der B2B-Entwickler ModusBox sowie die Business- und IT-Consultants von Crosslake Technologies.

1999 hatte der IT-Milliardär rund 16 Milliarden Dollar in seine Stiftung gesteckt. Ein Jahr später kamen weitere 5,1 und im August dieses Jahres weitere 4,6 Milliarden Dollar hinzu. Zudem hat der Mann aus Seattle zusammen mit der aktuellen Nummer drei auf der „Forbes“-Liste, Warren Buffett (80,4 Milliarden Dollar), die Initiative „Giving Pledge“ in die Welt gerufen, die Milliardäre zum Einsatz eines Teils ihres Reichtums für gemeinnützige Zwecke auffordert. Über 170 Superreiche haben sich dem inzwischen angeschlossen.

Dabei treibt Bill und Melinda Gates vor allem ein Ziel bei ihrer Arbeit an. Es ist ihre volle Überzeugung: „Bis 2035 wird es in der Welt fast keine armen Länder mehr geben.“

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