WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Lieferando, Lieferheld, Foodora Beißen Lieferdienste die Hand, die sie füttert?

Seite 3/3

Hin zur eigenen Online-Plattform

Im selben Maße, wie die Umsätze und Gewinne des übriggebliebenen Lieferdienstes steigen, fallen die Einnahmen der Gastronomen – weil sie diesem einem Unternehmen letztlich ausgeliefert sind. Denn Restaurants verlieren mit den Online-Lieferdiensten eine Stellung, die sie im analogen Zeitalter innehatten: Sie waren quasi eine Art örtlicher Monopolist.

Die größten Ernährungsmythen
Verlängern Chili-Schoten das Leben? Quelle: REUTERS
Schokolade Quelle: dpa
Je mehr Vitamine desto besser Quelle: dpa
Brot macht dick und ist ungesundGerade für die Verfechter kohlehydratarmer Nahrung steckt der Teufel im Brot: Es mache dick und trage sogar Mitschuld an Diabetes. Das ist so allerdings nicht richtig: Gerade Vollkornbrot (echtes Vollkornbrot, kein mit Malz eingefärbtes Weißbrot) hat sehr viel Ballaststoffe. Die sind gesund und machen satt. Außerdem liefert es verschiedene Vitamine sowie Iod, Flur, Magnesium und Zink. Quelle: dpa
"Light", "Leicht" oder "Fettarm" - das ist gut für die schlanke LinieDie Lebensmittelindustrie hat den Trend zu bewusster Ernährung entdeckt und nutzt ihn mit Fitness- und Wellness-Begriffen gezielt aus. Doch die Verbraucherorganisation Foodwatch warnt: Oft werden so Lebensmittel beworben, die alles andere als kalorienarm sind. Der Verein hat das Nährwertprofil von sogenannten Fitness-Müslis, Wellness-Wasser oder Joghurt-Drinks überprüft und kam zu dem Ergebnis, dass die scheinbar "gesunden" Lebensmittel Softdrinks oder Fast-Food-Snacks beim Zucker-, Salz- oder Fettgehalt oftmals in nichts nachstehen. Bei fettarmen Produkten wird der Geschmacksmangel häufig durch zahlreiche andere Inhaltsstoffe, etwa Stärke und Zucker, ausgeglichen - der Kaloriengehalt unterscheidet sich kaum, ist manchmal durch den hohen Zuckergehalt sogar höher - und gesund ist das Light-Produkt noch lange nicht. Quelle: dpa
Kartoffeln machen dick Quelle: dpa
Öko-Lebensmittel sind gesünder Quelle: dpa

Wer am Sonntagabend Essen gehen wollte, der wollte nicht erst noch eine halbe Stunden unterwegs sein. Je nach Vorliebe gingen die Hungrigen mal flott zum Inder, Italiener oder Chinesen um die Ecke – obwohl es beim Inder, Italiener oder Chinesen einen Stadtteil entfernt noch einen Ticken besser schmeckte. Die Menschen, sie waren auch schon im Vor-Internet-Zeitalter bequem. Oder wie es im Unternehmens-Berater-Deutsch heißt: convenient.

Jetzt zerbröckelt dieses Monopol, weil Kuriere die Distanzen für die Kunden zurücklegen – und anderthalb Kilometer mehr oder weniger für die Fahrer keine allzu große Rolle spielen. Statt der Nähe zum Kunden entscheidet über die Einnahmen eines Restaurants künftig vor allem, wie weit oben es auf der Webseite des Online-Dienstes steht – und eine gute Position werden die Restaurant-Betreiber bezahlen müssen. Immer höher könnten die Provisionen steigen, wenn die Nachfrage immer größer wird. Gastronomen droht eine unfreiwillige Diät auf Raten.

Acht Superfoods - und was sie können

Auf den ersten Blick bliebe Gastronomen in diesem Szenario nur eine Radikal-Option: Sie könnten sich wieder von der Plattform abmelden – aber so einfach wird das nicht. Wenn das Online-Geschäft immer weiter wächst und Lokale erst mal einen größeren Teil ihres Umsatzes damit erzielen, müssten sie ihren Abgang mit einem deutlichen Minus bezahlen. Fraglich, ob sich das viele Gastronomen erlauben können.

Call-a-Pizza-Inhaber Thomas Wilde feilt unterdessen an seiner ganz eigenen Online-Strategie: Er will sich jetzt schon, sobald es eben geht, von den Lieferdiensten lossagen. Die Kunden sollen künftig nur noch über die unternehmenseigene Webseite bestellen können. Es ist eine Wette darauf, dass die eigene Marke stark genug ist, um gegen die immer aggressiver werdende Online-Konkurrenz zu bestehen.

Wilde haben zwei Beobachtungen zu diesem Schritt ermutigt: Die Bestellungen über den Online-Caterer Lieferando würden derzeit stagnieren, während über seine eigene Homepage immer mehr Aufträge hineinkämen. Hat Wilde tatsächlich Erfolg mit seiner Strategie, kann er in einigen Jahren die nächste David-gegen-Goliath-Geschichte erzählen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%