Nach Betriebsschließung: Getir versteigert kaputte E-Roller, Regale und Pfand
Getir versucht, zahlreiche Fahrräder und E-Scooter über Auktionen zu versteigern.
Foto: REUTERSRund 400 Euro für einen Elektroroller, 15 Euro für einen Karton voller Snacks und 100 Euro für ein Metallregal. So viel bieten Interessenten gerade auf Restbestände des Schnell-Lieferdiensts Getir. Alles wird zu Geld gemacht, selbst Leergut. In einer Online-Auktion bietet das türkische Unternehmen gerade sein restliches Hab und Gut an. Zu Spottpreisen.
Getir hat sich am 10. Mai mitsamt der 2022 erworbenen Marke Gorillas aus dem deutschen Markt verabschiedet. Anders, als bei solchen Schließungen sonst üblich, hat sich die Geschäftsführung aber nicht für ein Insolvenzverfahren entschieden. Das Unternehmen wickelt den Betrieb selbst ab, muss also sämtliche Gläubiger auszahlen und hohe Schadensersatzzahlungen in Kauf nehmen. Die Forderungen summieren sich bereits auf mehrere Millionen Euro und können Getir noch in die Insolvenzantragspflicht führen.
Um den finanziellen Schaden so gering wie möglich zu halten, versucht Getir über Auktionen an Geld zu gelangen. Auf dem Portal Restlos.de beispielsweise stehen 229 Positionen zur Versteigerung. „Betriebsschließung Berlin“ lautet der Titel. Ob damit lediglich ein einziges Warenlager in der Hauptstadt oder der ganze Standort gemeint ist, ist nicht ersichtlich. Das Bieterverfahren endet am 11. Juni.
Das Highlight sind etwa zwei Dutzend Elektroroller der Münchner Marke Govecs. Neupreis: 3990 Euro. Der höchste Preis liegt am Montagmittag bei 503 Euro für einen neuwertigen Roller. Auch defekte Scooter will Getir loswerden. Für keinen der Elektroroller liegen Fahrzeugpapiere vor. Insgesamt liegen die Gebote einen Tag vor Ende der Auktion zusammengefasst bei knapp 8000 Euro. Ein herbes Verlustgeschäft.
Die Versteigerung listet zudem zahlreiche Metallregale, Hubwagen, Kühlschränke, Helme und Tresore. Den Großteil machen Lebensmittel aus. Mehrere Kisten Bier beispielsweise für über 50 Euro, drei Kartons Reis und Nudeln für 26 Euro und zahlreiche Corona-Tests und Einwegmasken für einen Euro.
Auf Portalen wie Ebay-Kleinanzeigen und Facebook Marketplace lassen sich ebenfalls Restbestände von Getir-Warenhäusern finden, vor allem Elektroroller. Die E-Scooter kosten dort deutlich mehr als im Online-Auktionshaus, sind teils noch originalverpackt. Der Großteil wird für rund 1700 Euro angeboten. Auch lila-gelbe E-Bikes für mindestens 500 Euro stehen zur Verfügung. Die Anzeigen stammen mehrheitlich von Privatpersonen – vermutlich Franchisenehmer, die ihre Geschäfte selbst finanzieren und jetzt auflösen müssen.
Es ist nicht das erste Mal, dass Restbestände online verkauft werden. Schon im vorigen Sommer versteigerte der Schnell-Lieferdienst weit über 200 Helme, Kühlschränke und E-Scooter in Großbritannien, als einige Standorte geschlossen worden waren.
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