Uber-Chef Travis Kalanick nimmt unbefristete Auszeit

Erst schien Uber die Welt zu überrollen, nun taumelt das milliardenschwere Start-up von einer Krise zur nächsten. Mitgründer und Chef Travis Kalanick, der den aggressiven Vormarsch des Fahrdiensts prägte, legt eine unbefristete Pause ein. Uber-Direktor David Bonderman ist mit sofortiger Wirkung zurückgetreten.

Uber-Chef Travis Kalanick. Quelle: dpa

Uber-Chef Travis Kalanick nimmt nach schweren Turbulenzen bei dem umstrittenen Fahrdienst-Vermittler eine Auszeit. Der Verwaltungsrat der milliardenschweren Firma beschloss unterdessen massive Veränderungen an Abläufen im Tagesgeschäft, die für mehr Transparenz und Gleichberechtigung sorgen sollen.

Kalanick nannte in einer E-Mail an die Mitarbeiter keinen Zeitraum für eine Rückkehr. Zuvor war in Medienberichten von einem dreimonatigen Urlaub die Rede gewesen. „Die jüngsten Ereignisse haben mir beigebracht, dass Menschen wichtiger als die Arbeit sind“, schrieb Kalanick. Uber wurde von einer Untersuchung zu Vorwürfen von Sexismus und Diskriminierung erschüttert. Kalanick verlor vor kurzem seine Mutter bei einem Bootsunfall. Sein Vater wurde dabei schwer verletzt.

Zugleich machte Kalanick deutlich, dass er eine Führungsrolle bei Uber behalten wolle. Er brauche eine Auszeit vom Tagesgeschäft, um seine Mutter zu betrauern, sowie „um nachzudenken, an mir zu arbeiten und ein Weltklasse-Führungsteam aufzubauen“. Er verabschiedete sich mit „wir sehen uns bald.“

Das Wichtigste zu Uber

Während seiner Abwesenheit soll der Rest des Führungsteams die Firma leiten, ein kommissarisch amtierender Chef wurde nicht ernannt. In den vergangenen Monaten hatten mehrere Top-Manager Uber verlassen. Zuletzt ging Kalanicks umstrittener Vertrauter Emil Michael, der eine wichtige Rolle im operativen Geschäft spielte.

Uber und Kalanick gerieten in den vergangenen Wochen immer stärker unter Druck. Das wegen seiner aggressiven Firmenkultur und Wachstumsstrategie berüchtigte Unternehmen musste eine tiefgreifende Untersuchung einleiten, nachdem eine ehemalige Software-Entwicklerin von Sexismus und sexuellen Belästigungen berichtete, die trotz Beschwerden folgenlos geblieben seien. Die Ermittlungen wurden vom ehemaligen Justizminister Holder geleitet, der heute bei einer Anwaltskanzlei arbeitet. In einem ersten Schritt waren rund 20 Mitarbeiter entlassen worden. Jetzt sollen neue Strukturen und Kontrollmechanismen geschaffen werden, um solche Fälle zu verhindern.

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