Gewinneinbruch Gerry Weber schließt Filialen und streicht 700 Stellen

Nach einem Gewinneinbruch im vergangenen Geschäftsjahr steuert die Modefirma Gerry Weber mit einem Stellenabbau und Filialschließungen gegen. Ob das für die Kehrtwende reicht, ist fraglich.

Eine Filiale des Modeherstellers Gerry Weber Quelle: dpa

Nach einem Gewinneinbruch im vergangenen Geschäftsjahr steuert die Modefirma Gerry Weber mit einem Stellenabbau und Filialschließungen gegen. Hoffnung auf eine rasche Rückkehr zur alten Wachstumsstärke machte Konzernchef Ralph Weber allerdings nicht.

Die Neuausrichtung werde 18 bis 24 Monate dauern, kündigte er am Freitag an. Erst danach sei mit einem nachhaltigen profitablen Wachstum zu rechnen. Die Sanierung werde zunächst zu einem weiteren Gewinneinbruch führen.

Einmalige Aufwendungen und Abschreibungen von 36 Millionen Euro werden laut Weber das operative Ergebnis (Ebit) im laufenden Bilanzjahr auf zehn bis 20 Millionen Euro drücken. Bereits im abgelaufenen Bilanzjahr 2014/15 (bis Oktober) war das Ebit um fast ein Drittel auf rund 79 Millionen Euro eingebrochen. Der Umsatz legte allein durch den Zukauf der Modekette Hallhuber um 8,1 Prozent auf 920,8 Millionen Euro zu.

Die Gewinneinbußen bekommen auch die Aktionäre zu spüren. Die Dividende soll auf 40 Cent je Aktie nach 75 Cent zusammengestrichen werden. An der Börse kamen die Nachrichten nicht gut an: Die Aktie gab um 5,6 Prozent nach.

Stellenstreichungen bei Gerry Weber

Zehn Prozent der rund 7000 Stellen will Weber streichen und 103 von insgesamt 1270 eigenen Filialen und Verkaufsflächen schließen. Er gehe davon aus, bei Sach- und Personalkosten 20 bis 25 Millionen Euro pro Jahr einsparen zu können, so Weber.

So kleiden sich Menschen in aller Welt
DeutschlandStil: Reduziert, schlicht, funktional Weniger ist mehr: „Deutsche möchten auf den zweiten Blick wirken und nicht auf den ersten Blick blenden“, sagt Psychologin Ines Imdahl vom Kölner Rheingold Salon. Anstatt durch viel Schnickschnack besticht der gehobene deutsche Modestil durch klare, puristische Formen. Kleidung dient weniger dem großen Auftritt, sondern muss vor allem funktional sein. Dazu zählt auch, dass sie eine gewisse Langlebigkeit aufweist – seitens der Qualität und des Designs. Diese Einstellung brachte etwa den Zwiebel-Look von Jil Sander hervor. Ihre puristischen Einzelteile ließen sich je nach Lust, Temperatur und Anlass frei miteinander kombinieren. Sehr praktisch eben. Die Bilder zeigen Outfits von Porsche Design (links) und Jil Sander. Quelle: Porsche Design (links) und Reuters
ItalienStil: Prächtig, verspielt, gewagt Dolce Vita bestimmt in Italien auch die Mode. Anstatt modischer Zurückhaltung wie in Deutschland herrschen dort Extravaganz und Überfluss vor. Der italienische Stil zeigt sich farbenfroh, verspielt und üppig barock. Gerne darf es gewagt sein – wie der „Schlampen-Chic“ von Dolce & Gabbana oder Gianni Versaces wilde Kombination unterschiedlicher Muster, Formen und Farben. „Wenn jemand in Florenz aufwächst und von all dieser schönen Architektur und Kunst umgeben ist, dann hat er ein anderes Verhältnis zu Mode als jemand, der sich in einem von schlichten Nachkriegsbauten geprägten Deutschland ästhetisch sozialisiert“, sagt Gerd Müller-Thomkins, der das Deutsche Mode-Institut leitet. Auf den Bildern sind Looks von Etro (links), Giorgio Armani (Mitte) und Versace (rechts) zu sehen. Quelle: DPA (linkes und mittiges Bild) und Reuters (Bild rechts)
FrankreichStil: Elegant Der Wegbereiter des französischen Kulturguts schlechthin ist ausgerechnet ein Brite. Ende des 19. Jahrhunderts kam der britische Modeschöpfer Charles Frederick Worth nach Paris, verband britisches Textilhandwerk mit französischer Pracht – und begründete damit die Haute Couture, zu deutsch „Hohe Schneidekunst“. Heutzutage orientiert sich die gesamte Modewelt an den zweimal jährlich stattfindenden Haute-Couture-Schauen in Paris. Die handgefertigten, teils imposanten Roben richten sich an einen kleinen, gut betuchten Kundenkreis, dienen vor allem der Markenpflege der Modehäuser und sollen den Verkauf ihrer Konfektionsbekleidung ankurbeln. Grundsätzlich besticht der gehobene französische Modestil durch seine Eleganz. Diese brachte Designer wie Christian Dior oder Yves Saint-Laurent hervor. Diors teils kiloschwere Abendkleider wirkten etwa dank weiter Petticoats und enger Korsagen federleicht und Saint-Laurents Hosen und Smokings für Damen besaßen trotz ihrer maskulinen Vorbilder einen erotischen Charakter. Die Bilder zeigen Outfits von Chanel (linkes und rechtes Bild) sowie Louis Vuitton (mittiges Bild). Quelle: DPA (linkes und rechtes Bild) und AP (mittiges Bild)
GroßbritannienStil: Traditionsbewusst, klassisch „Die bestgekleidete Frau ist die, deren Kleider auch auf dem Land nicht absurd aussehen würden“, sagte einst der ehemalige Hofschneider von Queen Elizabeth II., Hardy Amies und trifft damit den gehobenen britischen Stil auf den Punkt. In Großbritannien zählen Traditionsbewusstsein und Etikette – und das spiegelt sich in der vornehmlich klassischen britischen Kleidung wider. Typischer Vertreter des „Brit Chic“ ist Burberry, der Erfinder des Trenchcoats. Das kamel-schwarz-rot-weiße Karomuster des Innenfutters gilt als Markenzeichen des Unternehmens. Mittlerweile ist es teils überdimensioniert auch auf anderen Kleidungsstücken und Accessoires zu finden. Hier sind Kreationen der britischen Designer Margaret Howell, Ashley Williams sowie von Burberry zu sehen (v.l.n.r.). Quelle: British Fashion Council (linkes und mittiges Bild) und Burberry ( Bild rechts)
USAStil: Sportlich elegant Neue Welt, neue Konventionen. Amerikanische Designer nahmen Anfang des 20. Jahrhunderts die aus Europa überschwappenden Trends auf und passten sie den amerikanischen Bedürfnissen an. Dadurch entstand ein Stil, der bis heute die gehobene US-Mode prägt: „Elegant mit einer sportlichen Note“, fasst ihn Bernhard Roetzel zusammen, Modeexperte und Buchautor. Dadurch wurden die USA ab den Vierzigerjahren zum Geburtsland sportlicher Mode. US-Designer Michael Kors beschreibt ihre Ursprünge so: „Sportswear existiert, weil amerikanische Frauen die ersten waren, die das moderne, schnelle Leben lebten.“ Er selbst steht für einen zeitlosen Chic, der elegant und einfach zugleich ist. Als Inbegriff des „American Look“ gilt Ralph Lauren. Einerseits veredelte der Designer die Jeans und Fransenlederjacken amerikanischer Cowboys, andererseits verjüngte er den traditionsbewussten britischen Stil, an dem sich die US-Oberschicht ohnehin schon immer orientiert hatte. Die Fotos zeigen Outfits von Tommy Hilfiger (linkes und mittiges Bild) sowie von Ralph Lauren (Bild rechts). Quelle: Tommy Hilfiger (linkes und mittiges Bild) und DPA (Bild rechts)

Der Konzern hatte im vergangenen Jahrzehnt unter der Regie von Firmengründer Gerhard Weber einen rasanten Expansionskurs vorgelegt und immer wieder die Umsatzmilliarde ins Visier genommen, die bislang aber nicht erreicht wurde. Statt des Großhandels und des Verkaufs über Franchise-Partner setzte Weber wie Hugo Boss, Esprit oder Tom Tailor auf eigene Läden.

Die hiesigen Modefirmen ringen allerdings mit dem wachsenden Onlinehandel und den steigenden Marktanteilen von H&M und den Inditex-Ablegern Zara und Massimo Dutti. Die Konkurrenten sorgen mit rasch wechselnden Kollektionen für steten Zustrom in ihre Geschäfte.


© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%