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Plötzlicher Optimismus in der WirtschaftJetzt ist Sommer!

Gefühle behindern die Ratio? Vielleicht. Aber ohne Übermut ist auch noch keiner zum Weltmarktführer geworden. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Konrad Fischer 07.07.2025 - 15:42 Uhr
Der Sommer ist da und es lockt plötzlich ein Azorenhoch. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Gefühle haben in der Wirtschaft einen schweren Stand, einerseits. Wo harte, aber sinnvolle Entscheidungen getroffen werden, da wird gern vorweggeschickt, es sei eben „kein Platz für Sentimentalitäten“. Was bedeuten soll: Wir lassen uns nicht ablenken, wir behandeln alle gleich, haben ­keine Vorlieben. Alte Preußenzöpfe? Werden abgeschnitten! Haben wir schon immer so gemacht? Gilt nicht mehr! 
Ab jetzt zählt nur noch die Vernunft.

Wie gut, dass es mitunter die gleichen Manager sind, die offenbaren, dass Sentimentalitäten in der Wirtschaft, andererseits, mitunter doch fast alles sind. Man erinnere sich an die deutsche Chemie­industrie, als klassischer Frühindikator zugleich eine Art Regenradar der gesamten Wirtschaft, von allen anderen Zweigen orakelhaft beäugt. Noch vor Wochen sah es da düster aus, Unwetter mit Hagelschauern im Anmarsch, mindestens. Der deutsche Standort? Habe strukturelle Schwächen, zu viel Bürokratie, zu hohe Preise, und die Fachkräfte? Auch nicht mehr das, was sie mal waren.

Nun aber ist der Sommer da. Und nicht nur das. Wo eben noch Unwetterzellen lauerten, lockt plötzlich ein Azorenhoch. Laut jüngstem ifo-Index haben sich die Aussichten für die Chemiebranche quasi über Nacht massiv verbessert: Von minus 5,4 Punkten vor einem Monat sprangen sie im Juni in den positiven Bereich auf 9,5 Punkte. Es ist der beste 
Wert seit dreieinhalb Jahren. Auch die Industrieproduktion steigt plötzlich an.

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Abrupter Wetterwechsel

Woher der plötzliche Wetterumschwung kommt? Die Stromsteuer sinke, der Staat investiere, heißt es von Chemiemanagern. Wirklich plausibel ist das eigentlich nicht. Staatliches Geld floss unter der Ampelregierung schließlich bereits mehr als üppig. Und die gesenkte Stromsteuer? Verringert die Gesamtkosten für Energie nur marginal, ist insgesamt eher ein Symbol, mithin: eine Sentimentalität.

Doch auch wenn deren Bedeutung vielleicht nicht zu laut ausgesprochen werden sollte: Ohne sie geht eben gar nichts. Wie der große Fußballer Andreas Brehme es mal ausgedrückt hat: Hast du Scheiße am Fuß, hast du Scheiße am Fuß. Dabei konnte der von Robert Habeck, Intel und Northvolt noch gar nichts wissen.

Aber er kannte eben auch die entgegengesetzte Erfahrung. Wen der Flow trägt, der kann fast überall hinkommen. Bei allem Respekt vor der kühlen ­Ratio: Den Einwand mit der Stromsteuer sollten Sie am besten gleich wieder vergessen. Läuft wieder? Na dann, los: in­vestieren, attackieren, sich selbst stark reden. Sogar die deutsche Autoindustrie, gestern noch bedroht vom Tod durch China, ist jetzt wieder Avantgarde. Sommer ist, was in deinem Kopf passiert.

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