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Greenwashing der RüstungsbrancheGrüne Panzer und vegane Handgranaten

In Rüstungsaktien zu investieren, ist eine persönliche, ethische Frage. Die Unternehmen aber als „ESG“-konform zu bezeichnen, ist absurd. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Philipp Mattheis 29.06.2025 - 10:56 Uhr
Eine bemannte Panzerhaubitze 2000 fährt durch einen Wald Foto: imago/photothek

2023 sorgte ein Video des Internet-Künstlers Snicklink für Aufruhr. Es zeigte die Umweltaktivistin Greta Thunberg, die in einer Talkshow „vegane Handgranaten“ anpries. „Krieg ist immer schlecht, insbesondere für den Planeten“, sagt Thunberg darin scheinbar. „Wenn wir wie umweltbewusste Menschen weiterhin Schlachten schlagen wollen, müssen wir auf nachhaltige Panzer und Waffen umsteigen.“

Das Video war mittels künstlicher Intelligenz produziert worden und als Satire gedacht. Zahlreiche „Fact Checker“ sahen sich umgehend dazu angehalten, dieses Video als „Deep Fake“ zu entlarven. Den meisten Rezipienten war jedoch vor zwei Jahren umgehend klar, dass es sich dabei um schwarzen Humor handeln muss. So absurd kann die Realität nicht sein.

Doch, kann sie. Rüstungsfirmen werden seit Kurzem immer öfter als „nachhaltig“ deklariert. Der Vermögensverwalter Allianz Global Investors hat im April beschlossen, Rüstungsunternehmen in Fonds aufzunehmen, die unter dem Label „Environmental, Social und Governance“ (ESG) verkauft werden. Der Fondsverband BVI hatte lange die Regel, dass sich in nachhaltigen Fonds keine Unternehmen befinden dürfen, die mehr als 10 Prozent des Umsatzes mit Rüstungsgütern machen.

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Vor kurzem wurde diese gestrichen. Für die Rüstungskonzerne ist diese Umdeutung natürlich vorteilhaft: Sie erhalten nun Zugang zu noch mehr umweltbewussten Kapital, das von großen Fonds verwaltet wird.

Noch frecher handhabt es das Unternehmen Euronext, das mehrere Börsen betreibt. Das Label ESG besteht weiter. Nur steht es seit Mai nicht mehr für „Environmental, Social and Governance“, sondern für „Energy, Security and Geostrategy“.

Argumentative Akrobatik-Übungen

Moment mal, bedeutet ESG nicht so viel wie „Nachhaltigkeit“? Und bezeichnet Nachhaltigkeit nicht die Fähigkeit, Ressourcen so zu nutzen, dass sie langfristig erhalten bleiben und zukünftige Generationen nicht benachteiligt werden? Nun, man kann durchaus ein paar argumentative Akrobatik-Übungen einstudieren, wonach die Verteidigung von Freiheit und Demokratie ja ebenso erhaltenswert für nachfolgende Generationen sei, und man dafür allerlei Kriegsgerät notwendig sei.

Es bleibt aber bei der simplen Wahrheit: Der Sinn und Zweck von Panzer, Drohnen und Haubitzen ist es, Mensch und Umwelt zu zerstören. Für nichts anderes werden sie gebaut. Dies ist gewöhnlich mit einem enormen Ausstoß von CO2 und anderen Treibhausgasen verbunden. Ein Leopard-2-Panzer verbraucht auf eine Strecke von 100 Kilometern zwischen 300 und 500 Liter Diesel – klarer Fall für ein Fahrverbot in deutschen Innenstädten. Feuert er mit seiner 120-mm-Glattrohrkanone von Rheinmetall diverse Granaten ab, setzten diese zwischen fünf und 15 Kilogramm CO2 frei – das geht schon in Richtung Kurzstreckenflug. Egal wer oder was von einer solchen Granate getroffen wird: Die „nachhaltigen Zukunftsaussichten“ sind bis auf Weiteres dahin.

Vielleicht sollten sich die großen Fondsgesellschaften nochmals überlegen, ob man einen Begriff in Orwellsche Manier derart strapazieren muss. Wer in Rüstungsunternehmen investieren will, kann dies auch heute tun. Die ethischen Grenzen muss jeder für sich selbst setzen. Andere Investoren scheuen Tabak- oder Casino-Aktien. Nur ist bisher noch niemand auf die absurde Idee gekommen, die Aktien von „Philip Morris“ oder „British Tobacco“ als „gesund“ oder in einen „Healthcare ETF“ zu labeln.

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