Preisfrage: Labor unterm Waschbecken
Die Feiertage zum Jahresende lassen uns zur Ruhe kommen. Was seelisch willkommen sein mag, kann für den Körper eine unerfreuliche Folge haben. Zahlreiche empirische Untersuchungen dokumentieren das Naheliegende: Die festtägliche Kombination aus Bewegungsmangel und üppigem Essen lässt die Menschen in dieser kurzen Frist dicker werden – im Schnitt zwar nicht viel, aber statistisch evident und unabhängig von Geschlecht, Alter, Herkunft oder sozialem Umfeld.
Fragt man die Deutschen nach ihren Vorsätzen für 2026, ist ihnen vor allem wichtig, dass ihr Essen gesund ist. Ob sie davon abnehmen, ist für die Mehrheit nachrangig.
Wer nicht zufrieden ist mit seiner Körperfülle und deshalb seine Ernährung umstellt, der sucht Bestätigung in regelmäßigen Kontrollen. Die dafür inzwischen verfügbaren Instrumente gleichen digitalen Kleinlaboren. In der Waage verbaute Elektroden schicken schwache, nicht wahrnehmbare Stromstöße durch den Körper. Je nach Gewebeart fließt der Strom unterschiedlich gut. So lassen sich die Anteile von Fett, Wasser, Muskeln und Knochen im Körper bestimmen. Nimmt man die Werte zu verschiedenen Zeitpunkten ab, erhält man eine aussagekräftige Verlaufsanalyse. Die Messdaten lassen sich mit Fitness-Apps verknüpfen und in gezielte Trainingsprogramme überführen.
Das Marktangebot an Körperwaagen wird durch Lohnhersteller gespeist, also durch Unternehmen, die die Basisware in hohen Stückzahlen produzieren und an Vermarkter weiterreichen. Eine starke Standardisierung der Komponenten und der Fertigungsprozesse ermöglicht Skaleneffekte. Der auf die Herstellung entfallende Kostenanteil ist daher relativ gering. Weil der Großteil der Produkte in China gefertigt wird, ist das Marktangebot zollsensibel.
Für den Verkaufserfolg ist das Ranking auf digitalen Marktplätzen maßgeblich, das sich die Vermarkter über gute Kundenrezensionen erarbeiten müssen. Im Verbund mit hohen Abverkäufen sichern positive Reviews eine Platzierung und den Verbleib auf den vorderen Suchergebnisseiten.
Vermarkter, die in den Markt eintreten oder im Ranking zunächst das Nachsehen haben, können mit sogenannten Pay-per-Click-Kampagnen nachhelfen. Der Preis je Click variiert und kann im Angesicht eines starken Wettbewerbs mehrere Euro betragen. Christoph Krauss, Associate Partner bei der auf Pricing spezialisierten Unternehmensberatung Prof. Roll & Pastuch, merkt an, dass nicht jeder Click zum Kauf führt und Click-Kampagnen „die schönste Deckungsbeitragsrechnung zunichtemachen können“.
Die Nettomarge fällt in der Regel mager aus, nachdem der Overhead für Löhne, Administration und Lizenzen abgezogen ist. Sehr auskömmlich kann das Produktsegment hingegen für Hersteller sein, die über Jahre oder gar Jahrzehnte eine Markenkraft aufgebaut haben und durch Designkompetenz überzeugen. Diese Hersteller können die Preise für ihre Waagen-Modelle „value-based“ festlegen, also an der Nutzenwahrnehmung der Kunden orientiert.
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