Pharmakonzern Aussicht auf neue Roche-Lungenkrebstherapie schwindet

Der Pharmakonzern hat mit seiner neuartigen Krebstherapie einen weiteren Forschungsrückschlag erlitten. Die Aktien brechen um mehr als sechs Prozent ein.

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Im Rennen um eine Krebs-Immuntherapie der nächsten Generation gilt der US-Pharmariese Merck als engster Verfolger von Roche. Quelle: BLOOMBERG NEWS

Nach einem weiteren Forschungsrückschlag stehen die Erfolgsaussichten für eine neuartige Lungenkrebstherapie des Schweizer Pharmariesen Roche infrage. In einer spätklinischen Phase-III-Studie konnte eine Kombination aus den beiden Krebs-Immuntherapien Tiragolumab und Tecentriq ein Fortschreiten der am weitesten verbreiteten Form von Lungenkrebs, des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms, nicht verhindern und verfehlte damit eines der beiden primären Behandlungsziele, wie Roche am Mittwoch mitteilte.

Beim zweiten Ziel – der Überlebensdauer insgesamt – war das Resultat noch nicht ausreichend erkennbar und das Unternehmen will die Tests bis zur nächsten geplanten Analyse fortsetzen.

Andere große Arzneimittelhersteller, die ebenfalls an Medikamenten basierend auf dem sogenannten TIGIT-Wirkmechanismus arbeiten, könnten den Ansatz nun überdenken. Tiragolumab hatte jüngst bereits in einer Studie zur Behandlung von kleinzelligem Lungenkrebs nicht die erhoffte Wirkung gezeigt.

Tecentriq gehört zur ersten Generation von Krebs-Immuntherapien und wird gegen verschiedene Karzinome eingesetzt. Im Rennen um eine Krebs-Immuntherapie der nächsten Generation gilt der US-Pharmariese Merck als engster Verfolger von Roche.

Am TIGIT-Ansatz arbeiten auch Glaxosmith-Kline und iTeos Therapeutics, Bristol-Myers Squibb und Agenus, Gilead und Arcus Biosciences oder Coherus BioSciences und Junshi Biosciences.

Tiragolumab wirkt, indem es an TIGIT bindet, einen Rezeptor auf den Zellen des Immunsystems, der normalerweise dazu dient, einen Immunangriff auf gesunde Zellen zu verhindern. Einige Krebsarten können TIGIT nutzen, um unbemerkt von zelltötenden Immunzellen weiter zu wachsen.

Rückschlag vergrault Anleger – Analysten skeptisch

Bei den Anlegern kam der Rückschlag für den Hoffnungsträger Tiragolumab schlecht an. Mit einem Kurssturz von 6,3 Prozent gehörte das Indexschwergewicht zu den größten Verlierern unter den europäischen Gesundheitswerten und drückte den Schweizer Leitindex ins Minus. Analysten hatten der Arznei rund 2,5 Milliarden Franken Jahresumsatz zugetraut.

Nach überzeugenden Resultaten einer vorhergehenden Phase-II-Studie sei man von einem positiven Ergebnis der Phase-III-Tests ausgegangen, erklärten die Analysten der UBS. Unter den laufenden spätklinischen Testprogrammen für Tiragolumab sei die für nicht-kleinzelligen Lungenkrebs die vielversprechendste gewesen.

Vontobel-Experte Stefan Schneider strich das Medikament aus seinen Ergebnismodellen für Roche und senkte das Kursziel für die Genussscheine. „Wir halten dies für gerechtfertigt, da nicht nur Roche, sondern auch die Konkurrenz damit kämpft, mit Anti-TIGIT-Antikörpern erfolgreich zu sein.“ Auch die Deutsche Bank reduzierte das Preisziel.

Sicherheitsbedenken mit Tiragolumab gab es Roche zufolge nicht und die Therapie wurde gut vertragen. „Diese Ergebnisse entsprechen zwar nicht den Erwartungen, die wir für unsere erste Analyse erhofft hatten“, erklärte Levi Garraway, Chief Medical Officer und Leiter der globalen Produktentwicklung des Arzneimittelherstellers aus Basel. „Aber wir warten gespannt auf aussagekräftige Resultate dieser Studie zur Gesamtüberlebenszeit, um die nächsten Schritte festzulegen.“

Roche sei weiterhin davon überzeugt, dass TIGIT eine Rolle in der Krebsbehandlung spielen könne. Roche testet Tiragolumab auch zum Einsatz gegen andere Krebsarten wie etwa Gebärmutterhalskrebs und Speiseröhrenkrebs.

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