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Steigende Flop-Rate Traditionskonzern Merck - der Loser im Pharmageschäft

Der Traditionskonzern ist Deutschlands erfolglosestes Pharmaunternehmen. Mit einer Radikalkur wollen Konzernchef Kley und Pharmaboss Oschmann die Pillensparte retten – nach jahrzehntelangem Missmanagement.

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Die Strippenzieher bei Merck
Jon BaumhauerDer 68-Jährige ist einer der beiden Sprecher der Eigentümerfamilie, die 70 Prozent an Merck hält. Die Sippe besteht aus 220 Mitgliedern und ist das eigentliche Machtzentrum des Darmstädter Pharma- und Chemiekonzerns. Baumhauer, der Philosophie, Psychologie und Geschichte studierte, hat lange in München als klinischer Psychologe praktiziert. Im November vergangenen Jahres wurde der Protestant  von der Martin Luther Stiftung mit der „Luther-Rose“ als „verantwortungsvoller Familienunternehmer“ ausgezeichnet. In zwei, drei Jahren, so heißt es aus dem Unternehmen, könnte er sein Amt als Familiensprecher aufgeben. Quelle: Presse
Foto Rolf Krebs
Theo SiegertDer 65-Jährige könnte Krebs auf dem Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden nachfolgen. Mit den Eigentümlichkeiten von  Familienunternehmen kennt Siegert sich bereits aus: Er hat lange für den Duisburger Mischkonzern Haniel gearbeitet, zuletzt als Vorstandschef, wo er dann allerdings 2005 dem Daimler-Manager Eckhard Cordes weichen musste. Siegert ist gut vernetzt, sitzt in zahlreichen Aufsichtsräten – neben Merck auch bei Henkel, der Deutschen Bank und dem Energiekonzern E.On. Quelle: dpa
Foto Karl-Ludwig Kley Quelle: dapd
Matthias ZachertDer 42-Jährige ist einer der Überflieger der deutschen Wirtschaft. Seit 2011 amtiert er als Finanzvorstand bei Merck; zuvor hat er in gleicher Funktion für den Brötchenbäcker Kamps und den Chemiekonzern Lanxess gearbeitet. Bei Merck hat Zachert dafür gesorgt, dass der Pharma- und Chemiekonzern ein besseres Rating erhielt und beim Schuldenabbau vorankam. Im Gegensatz zu seinem ruppigen, wenig klar kommunizierendem Vorgänger Michael Becker pflegt Zachert ein gutes Verhältnis zu Investoren und Analysten. Seine sportliche Leidenschaft gilt dem Laufen – gerne auch zusammen mit Mitarbeitern. Quelle: Presse
Stefan OschmannDer 55-Jährige gebürtige Würzburger hat die schwerste Aufgabe bei Merck. Er muss das Pharmageschäft- seit über zwei Jahrzehnten haben die Merck-Forscher kein eigenes Medikament mehr entwickelt – wieder nach vorn bringen. Oschmann kann 2011 als Pharma-Boss nach Darmstadt und löste seinen erfolg- und glücklosen Vorgänger Elmar Schnee ab. Seither baut Oschmann die Pharma-Organisation radikal um, schasst zahlreiche Manager und ersetzt diese vorwiegend durch externe Kräfte. Dennoch wird Oschmann im Unternehmen als durchaus verträglicher Manager beschrieben. In der Medikamenten-Branche gilt der promovierte Tiermediziner als Schwergewicht: Über ein Jahrzehnt lang bekleidete  er Top-Positionen beim US-Namensvetter Merck & Co.. Falls Oschmann die Pharma-Wende packt, darf er sich Hoffnungen machen, in einigen Jahren Konzernchef Kley abzulösen. Als einer seiner Konkurrenten gilt Finanzvorstand Zachert. Quelle: Presse
Bernd ReckmannAuch der 57-Jährige Leiter des erfolgreichen Chemie-Geschäfts von Merck darf sich  Hoffnungen auf die Konzernspitze machen.  Reckmann blickt auf eine lange Betriebszugehörigkeit bei Merck zurück, kennt das Unternehmen aus dem Eff-eff.  Der promovierte Biochemiker  ist seit zwei Jahrzehnten dabei – das sichert ihm durchaus Pluspunkte bei der Eigentümerfamilie.         Quelle: Presse

Nein, Karl-Ludwig Kley, Chef des Darmstädter Pharma- und Chemiekonzerns Merck, mag sein Büro nicht. Die grauen Säulen mitten im Raum, die pastellfarbenen Wände, der runde Besprechungstisch aus hellblauem brasilianischen Marmor. Der Chef von weltweit fast 40 000 Mitarbeitern macht kaum einen Hehl aus seiner Abneigung. „Nicht mein Stil“, sagt der 61-Jährige.

Das pompöse Mobiliar stammt noch von Vorvorgänger Bernhard Scheuble. Eine Renovierung kommt für Kley nicht infrage – zu teuer, zu nervig, zu nebensächlich.

Der Merck-Chef muss sich um Wichtigeres kümmern. Der sonst eher Feinsinnige, ein Freund der Literatur (aktuell: Fjodor Dostojewski), legt brutal Hand an das älteste chemisch-pharmazeutische Unternehmen der Welt, dessen Wurzeln zurückreichen bis ins Jahr 1668. Der Jurist, der früher für Bayer und Lufthansa arbeitete, baut allein in Deutschland ein Zehntel der etwa 11 000 Arbeitsplätze ab und schasst reihenweise Manager. Insbesondere zielt Kleys Radikalkur auf das kriselnde Pharmageschäft, das mehr als die Hälfte zum Konzernumsatz beiträgt. Im Jahr 2011 nahm Merck insgesamt 10,3 Milliarden Euro ein.

Luftschlösser in Darmstadt

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    Wohl kaum ein anderes globales Unternehmen aus Deutschland leidet so offenkundig an fortgeschrittener Sklerose und Innovationsschwäche. Konzernchef Kley kämpft mit den Altlasten seiner Vorgänger, die überfällige Restrukturierung wurde immer wieder aufgeschoben. Das im Deutschen Aktienindex (Dax) notierte Unternehmen, das sich zu 70 Prozent in Familienbesitz befindet, ist Deutschlands erfolglosestes Pharmaunternehmen.

    Während die größeren Konkurrenten Bayer und Boehringer in den vergangenen Jahren etliche neue Medikamente auf den Markt brachten wie etwa die Schlaganfallpräparate Pradaxa (Boehringer) und Xarelto (Bayer), droht bei Merck der Nachschub zum Erliegen zu kommen. Das letzte Medikament, das komplett in Merck-Labors entwickelt wurde – ein Blutdrucksenker namens Concor – stammt aus dem Jahr 1988. Damals stand die Mauer noch. Bis heute zählt Concor, trotz Generikakonkurrenz, immer noch zu den meistverkauften Merck-Mitteln.

    Dominanz der Pillen. Zur vergrößerten Ansicht bitte auf die Darstellung klicken.

    Hoffnungsträger erweisen sich regelmäßig als Luftschlösser; die Flop-Rate steigt und steigt. Zuerst lehnte 2009 die europäische Zulassungsbehörde das Mittel Erbitux gegen Lungenkrebs ab. Der Nutzen, ein Monat längere Überlebenszeit, erschien den Prüfern zu gering. Dann votierten die Kontrolleure ein Jahr später auch gegen das Multiple-Sklerose-Präparat Cladribin: Das Risiko einer Krebserkrankung war in ihren Augen zu hoch. Ende vergangenen Jahres mussten die Merck-Forscher nun auch ihre Hoffnungen auf den Krebs-Impfstoff Stimuvax weitgehend begraben. Das Mittel, das über viele Jahre entwickelt worden war, erwies sich in letzten Tests als nahezu wirkungslos.

    Chemiegeschäft sorgt für Umsätze


    Das Geschäft mit gepanschten Pillen
    Das Geschäft mit gefälschten Medikamenten ist lukrativer als der Drogenhandel. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind mindestens 50 Prozent der im Internet vertriebenen Medikamente und etwa zehn Prozent aller weltweit verkauften Arzneimittel Fälschungen. Hier zu sehen: Tablettenproduktion in einer indischen Fälscherwerkstatt. Dieses und alle folgenden Fotos stammen aus Ermittlungsakten des Pharmakonzerns Pfizer. Quelle: Pfizer (aus Ermittlungsakten)
    25 Millionen gefälschte Medikamente wurden 2010 allein in Deutschland vom Zoll beschlagnahmt. In kriminellen Werkstätten wie dieser in Kolumbien werden Pillen gepresst, die zu wenig, zu viel oder gar keinen Wirkstoff enthalten. Quelle: Pfizer (aus Ermittlungsakten)
    Die Herstellungsbedingungen sind meist - wie hier in Kolumbien - abenteuerlich. Oft sind es auch die Inhaltstoffe. So fanden sich in Imitaten diverser Produkte des Pharmakonzerns Pfizer mitunter hochgiftige und lebensgefährliche Stoffe wie Straßenfarbe auf Blei-Basis, Borsäure, Bodenreiniger und das  Amphetamin Speed. Quelle: Pfizer (aus Ermittlungsakten)
    Zuweilen sind die Fälscherwerkstätten auch schlichtweg eklig. Hier entsteht eine Kopie des Pfizer-Präparats Lipitor / Sortis, einem Cholesterinsenker. Die Kosten von Rückrufaktionen gefälschter Arzneimitteln müssen die betrogenen Pharmaunternehmen übrigens selbst tragen. Quelle: Pfizer (aus Ermittlungsakten)
    So gut wie jedes Medikament wird kopiert. So wurden von 60 Pfizer-Produkten Fälschungen in 104 Ländern sichergestellt, darunter Mittel zur Behandlung von Krebs, HIV, hohem Cholesterin, Alzheimer, Bluthochdruck, Depressionen, rheumatischer Arthritis und Antibiotika. Hier wird in Pakistan eine Fälschung des Hustensafts Corex abgefüllt. Das Original wird in Indien, Pakistan, Bangladesch und anderen südasiatischen Märkten vertrieben. Quelle: Pfizer (aus Ermittlungsakten)
    Das am häufigsten gefälschte Medikament ist das Potenzmittel Viagra, ebenfalls von Pfizer. Allein im Jahr 2008 wurden weltweit acht Millionen gefälschte kleine blaue Tabletten beschlagnahmt. Quelle: Pfizer (aus Ermittlungsakten)
    Hier wurden gefälschte Viagra-Pillen in China verpackt. Quelle: Pfizer (aus Ermittlungsakten)

    Mit eigenen Präparaten erzielt Merck seit mehr als zwei Jahrzehnten kaum Erfolge. Ihre wichtigsten Medikamente – Rebif gegen multiple Sklerose und Erbitux gegen Darmkrebs – mussten die Forscher in ihrer Not von außen zukaufen. Die Rechte an Erbitux lizenzierten die Darmstädter um die Jahrtausendwende vom US-Unternehmen Imclone ein. Bei Rebif übernahm Merck 2006 den Hersteller, das Schweizer Unternehmen Serono.

    Wie forschungsschwache Pharmakonzerne enden können, zeigte der einstige Dax-Konzern Altana, ebenfalls ein Familienunternehmen: Nach zahlreichen Rückschlägen in der Entwicklung verkaufte Mehrheitsaktionärin Susanne Klatten, eine Tochter der Industriellendynastie Quandt, 2006 das Pharmageschäft an die dänische Nycomed. In der Folge strichen Nycomed und der heutige Eigentümer Takeda aus Japan Tausende von Arbeitsplätzen.

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      Vordergründig betrachtet läuft das Merck-Geschäft trotz der Schwächen noch rund. Vor allem das boomende Chemiegeschäft mit Flüssigkristallen, wie sie etwa in Smartphones und TV-Geräten enthalten sind, sorgt seit Jahren für hohe Umsätze und Erträge. Auch die angejahrten Arzneien Rebif und Erbitux tragen zum Wohlstand bei. In den ersten neun Monaten 2012 stieg der Merck-Umsatz, verglichen mit dem Vorjahres-Zeitraum, um neun Prozent auf acht Milliarden Euro. Der operative Gewinn vor Sondereinflüssen kletterte um 6,5 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro.

      Ein zupackender Manager

      Doch hinter der Fassade ist der brutale Umbau in vollem Gange. Als Mann fürs Grobe hat Konzernchef Kley vor zwei Jahren den erfahrenen Manager Stefan Oschmann auf die Großbaustelle Pharma geholt. Der 55-jährige Bayer, der zuvor fast zwei Jahrzehnte lang für den US-Namensvetter Merck & Co. arbeitete, ist die letzte Hoffnung der Darmstädter, um das Medikamentengeschäft wieder flottzukriegen.

      Der Pharma-Chef, der als zupackender Manager gilt, holte neue Top-Führungskräfte von außen, strich die Zahl der Therapiegebiete zusammen, schaffte klare Verantwortlichkeiten und konzentriert die Kräfte auf neue Krebspräparate. Ob die Wende gelingt, kann sich im Pharmageschäft mit seinen langen Entwicklungs- zyklen erst in Jahren zeigen. Oschmann genießt freilich eine hohe Reputation – selbst Manager anderer Pillenkonzerne trauen dem Pharmachef von Merck einen Erfolg zu.

      Lange gab es in der Eigentümerfamilie Vorbehalte gegen eine harte Restrukturierung. Zu groß war die Verbundenheit mit den Mitarbeitern in Darmstadt und langjährigen, aber erfolglosen Managern. Die Sippe, mittlerweile auf 220 Mitglieder angewachsen, ist das eigentliche Machtzentrum von Merck. Die Mehrheitseigentümer initiierten etwa den Verkauf des Generikageschäfts 2007 oder die Verstärkung der Chemiesparte durch das US-Unternehmen Millipore 2010. Doch ausgerechnet dem Verfall des Pharmageschäfts sah die Familie lange zu.

      Zoff mit der Sippe

      Verlauf der Merck-Aktie

      Nach außen hin verhalten sich die Mercks, Stangenbergs, Baillous, Krafts und wie sie sonst noch alle heißen, unauffällig. Sie arbeiten als Winzer, Lehrer, Landwirt oder Künstler. Angeführt wird die Nachkommenschaft des Gründers Friedrich Jacob Merck von dem früheren Investmentbanker Frank Stangenberg-Haverkamp und dem einstigen Psychologen Jon Baumhauer. Im Wochentakt setzen sich die beiden Familiensprecher mit ihrem Statthalter Kley zusammen und sprechen über die Strategie des Unternehmens.

      Einmal im Jahr, immer im Juni, trifft sich die Sippe zum geselligen Beisammensein. Bis vor einigen Jahren fanden die Feiern häufig im Garten des Firmenpatriarchen Hans Joachim Langmann in Seeheim-Jungenheim bei Darmstadt statt.

      Der heute 88-jährige promovierte Physiker hat zwischen 1970 und 2000 aus dem eher mittelständischen Pillenbetrieb ein internationales Unternehmen gemacht und Merck erfolgreich an die Börse gebracht. Doch schon im letzten Jahrzehnt unter Langmanns Führung ließ die Innovationskraft deutlich nach.

      Nur schwer konnte der Patriarch von der Macht lassen. Erst 2000, im Alter von 74 Jahren, übergab er das Staffelholz an den damaligen Merck-Pharmachef Bernhard Scheuble, Physiker wie Langmann.

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        Schon bald lähmte der Streit zwischen dem neuen Boss und den Eigentümern das Unternehmen. Die notwendige Restrukturierung rückte in weitere Ferne.

        Der Plan des Merck-Partriarchen

        Der erste familienfremde Chef an der Konzernspitze fiel durch Extravaganzen auf. Scheuble richtete das pompöse Chefbüro ein und ließ im Besprechungsraum in jeder Tischplatte versenkbare Kameras und Monitore installieren, um die Qualität der Videokonferenzen zu verbessern.

        Die Familie konnte sich seiner Geringschätzung sicher sein. Lieber redete Scheuble mit Aktienanalysten.

        Zum Bruch kam es, als sich Scheuble mit Langmann, der hinter den Kulissen immer noch kräftig mitmischte, überwarf. Um den Medikamenten-Nachschub zu sichern, hatte der Merck-Patriarch den Plan entwickelt, den Konkurrenten Schering auch gegen den Willen des dortigen Managements zu kaufen. Scheuble lehnte eine solche feindliche Übernahme ab. 2005 quittierte er den Top-Job.

        Der Kauf von Schering klappte trotzdem nicht – die angefressenen Berliner ließen sich 2006 lieber von Bayer übernehmen. Unter Übergangschef Michael Römer, einem Chemiker, erwarb Merck im Herbst 2006 für etwa zehn Milliarden Euro das Schweizer Biotech-Unternehmen Serono. Außer dem Mulitple-Sklerose-Präparat Rebif und dem Fruchtbarkeitshormon Gonal-F hat der Kauf wenig gebracht.

        Neue Verantwortlichkeiten schaffen


        Die umsatzstärksten Medikamente der Welt
        Platz 10: MabTheraDer Wirkstoff nennt sich Rituximab. Das Medikament wird für die Behandlung von Lymphomen eingesetzt. In der EU vertreibt Roche es unter dem Handelsnamen MabThera, in den USA heißt es Rituxan. 2013 brachte es rund 6,26 Milliarden Dollar ein. Das waren 5,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Bild: Roche Pharma AGDatenquelle: IMS Health Quelle: Presse
        Platz 9: CymbaltaDer Wirkstoff dieses Medikaments heißt Duloxetin. Dabei handelt es sich um ein Mittel, das bei Depressionen und Angststörungen eingesetzt wird. Vermarktet wird es von Eli Lilly; der Firma spülte es im Jahr 2013 6,46 Milliarden Dollar in die Kassen - eine Steigerung um 13,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bild: Lilly Deutschland GmbH Quelle: Presse
        Platz 8: RemicadeRemicade ist der Handelsname von Infliximab. Dabei handelt es sich um einen Antikörper, der das Immunsystem vielfach beeinflusst. Eingesetzt wird das Medikament vor allem gegen Rheuma-Erkrankungen. In Deutschland wird es von MSD vertrieben. 2013 erzielte es einen Umsatz von rund 7,68 Milliarden Dollar - 7,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Bild: MSD Sharp & Dohme GmbH Quelle: Presse
        Platz 7: AbilifyOtsuka Pharmaceuticals vertreibt das Arzneimittel Aripiprazol unter dem Namen Abilify. Es wird zur Behandlung von Schizophrenie eingesetzt. Mit 7,83 Milliarden Dollar in 2013 landet es auf Rang sieben. Das entspricht einem um 14,6 Prozent höherer Umsatz als noch im Vorjahr. Foto: "Abilify bottle" by Eric Gingras, via Wikipedia Quelle: Creative Commons
        Platz 6: NexiumDas Magenmittel von AstraZeneca mit dem Wirkstoff Esomeprazol  liegt im Mittelfeld bei den Top-Ten-Präparaten. Der Umsatz 2013 lag bei 7,86 Milliarden Dollar - ein Plus von 7,0 Prozent. Bild: AstraZeneca Quelle: Presse
        Platz 5: Lantus Lantus wird von Sanofi-Aventis hergestellt. Es enthält "Insulin glargin" und wird zur Behandlung von Diabetes eingesetzt. Mit einem Zuwachs von 23,3 Prozent legte es die stärkste Steigerung innerhalb der Top Ten hin. Umsatz 2013: 7,94 Milliarden Dollar. Quelle: dpa
        Platz 4: Enbrel7,95 Milliarden Dollar Umsatz (plus 8,7 Prozent) machte dieses Medikament von Pfizer. Der Wirkstoff Etanercept wird zur Behandlung von Rheuma und der entzündlichen Hautkrankheit Psoriasis eingesetzt. Quelle: AP

        Der frühere Lufthansa-Finanzchef Karl-Ludwig Kley, der ab 2007 die Verantwortung für die Merck-Geschäfte übernahm, sollte nach all dem Tohuwabohu die Strukturen straffen und das gemeinsame Pharmageschäft von Merck und Serono auf Vordermann bringen.

        Auf Geheiß der Familie verstärkte Kley auch das Chemiegeschäft und erwarb den US-Laborausrüster Millipore, der knapp ein Viertel zum Umsatz beiträgt und ordentliche Erträge abliefert. Der Merck-Vormann, der nebenher den Chemie-Branchenverband VCI führt, baute das Geschäft in Nordamerika und in den Schwellenländern aus, wo Merck mit Altpräparaten wie dem Diabetesmittel Glucophage und Concor Erfolge erzielt. „In den Schwellenländern haben wir im dritten Quartal 2012 erstmals mehr Umsatz gemacht als in Europa“, berichtet der Chef.

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          Doch ausgerechnet in der Medikamentensparte ging es nur schleppend voran. Kley und sein damaliger Pharmachef Elmar Schnee reduzierten die Zahl der Forschungsgebiete, strichen Projekte und schufen neue Verantwortlichkeiten.

          Die Volkskrankheiten der Deutschen
          AU-Bescheinigung Quelle: dpa
          Gehirnansicht Quelle: dpa/dpaweb
          Mammographie Quelle: dpa/dpaweb
          Depressionen Quelle: dpa
          Angststörungen Quelle: dpa
          Raucherin Quelle: dpa
          Fettleibigkeit Quelle: dpa

          Es reichte nicht. Schnee erwies sich in den Augen vieler Merck-Manager als Fehlbesetzung. Der Schweizer arbeitete lieber von Genf als von der Zentrale in Darmstadt aus. Unter Schnee scheiterte die Zulassung für das MS-Präparat Cladribin – Fachleute wunderten sich, dass Merck keine zusätzliche Studie in Auftrag gegeben hatte, um die Eignung des Mittels zu beweisen – sowie für Erbitux als Mittel gegen Lungenkrebs. Ende 2010 musste Schnee gehen.

          Mit Oschmann übernahm Anfang 2011 ein anderes Kaliber. Während Schnee die meiste Zeit seines Berufslebens im mittleren Management verbracht hatte, bekleidet Oschmann seit Jahrzehnten Top-Positionen. Bei Merck & Co. war der gebürtige Würzburger zuletzt für die Schwellenländer verantwortlich, davor leitete er das Europa-Geschäft. Noch höhere Führungsweihen blieben ihm schließlich verwehrt; daher wechselte Oschmann nach Darmstadt.

          Dort angekommen, machte sich der neue Pharmaboss gleich daran, jeden zweiten Top-Manager zu feuern. Den eigenen Führungskräften traute der promovierte Tierarzt kaum noch etwas zu. Als Entwicklungschefin engagierte Oschmann die Britin Annalisa Jenkins vom US-Konzern Bristol- Myers Squibb.

          Das Medikamenten-Marketing übernahm die Spanierin Belén Garijo, die vom französischen Konkurrenten Sanofi kam. Um die Umsetzung der Strategie kümmert sich der Amerikaner James Stewart von Oschmanns Ex-Arbeitgeber Merck & Co. Unter den neuen Managern müssen sich Forscher und Entwickler an deutlich straffere Vorgaben gewöhnen als zuvor.

          Gerangel um den Chefposten


          Leere Stühle - Konzernchef Kley hat etliche TopManager geschasst

          Der radikale Erneuerer nahm sich auch noch einmal das Pillen-Portfolio vor und beendete die Arbeiten an Präparaten gegen Parkinson und Alzheimer. Zwar gilt insbesondere Alzheimer als Pharmathema der Zukunft, doch Oschmann traute Merck in dieser Hinsicht wenig zu.

          „Wir konzentrieren uns auf Krebsmittel, Immunkrankheiten, multiple Sklerose und Fruchtbarkeitshormone“, gibt Oschmann nun die Richtung vor. Insbesondere bei Krebsmedikamenten ist die Konkurrenz groß. Merck will mit Präparaten gegen schwer behandelbare Arten wie Bauchspeicheldrüsenkrebs punkten. Cilengitide, ein Mittel gegen Gehirntumor, könnte gegen 2015 auf den Markt kommen. Die Gefahr, dass die erhofften Wirkungen nicht eintreten, ist jedoch groß – Kley spricht von einem „hochriskanten Projekt“.

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            An Größe des Marktes gescheitert

            „Merck braucht alle zwei Jahre ein neues Medikament oder eine neue Indikation“, fordert Oschmann. Gleichzeitig muss der Hoffnungsträger das ertragsschwache Geschäft mit rezeptfreien Präparaten (Consumer Health), wozu etwa Nasivin-Nasenspray oder Cebion Vitaminkapseln zählen, auf Trab bringen. „Bei Consumer Health ist Merck zu schnell mit zu vielen Marken in zu viele Märkte gegangen“, lautet die Diagnose des Pharmachefs. In China etwa scheiterten die Darmstädter mit ihren nicht verschreibungspflichtigen Präparaten an der schieren Größe des Marktes.

            Alte Produkte für neue Märkte. Zur vergrößerten Ansicht bitte auf die Darstellung klicken.

            Gemeinsam mit dem gebürtigen Inder Udit Batra, den er beim Konkurrenten Novartis abwarb, will Oschmann sich nun künftig weniger auf Westeuropa, sondern mehr auf Lateinamerika, asiatische Märkte wie Indonesien und Indien sowie Osteuropa konzentrieren.

            Industrie



            Alles in allem eine Herkulesaufgabe. Falls Oschmann sie packt, kann er sich Hoffnungen machen, in einigen Jahren Konzernchef Kley an der Spitze abzulösen. Dabei dürfte er allerdings gegen Finanzchef Matthias Zachert konkurrieren, der Merck gerade ein besseres Rating verschafft und die Schulden gesenkt hat, sowie gegen Bernd Reckmann, der das erfolgreiche Chemiegeschäft führt und aufgrund seiner über 20-jährigen Betriebszugehörigkeit auf den Rückhalt der Eignerfamilie zählen kann.

            Wer auch immer das Rennen macht: Wenn der Radikalumbau von Merck dann hoffentlich vollbracht ist, findet der neue Konzernlenker vielleicht auch Zeit für die Renovierung des Chefbüros.

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