ZF Friedrichshafen und Haldex "Den Trucks das Sehen, Denken und Handeln beibringen"

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Der Autozulieferer ZF will den Bremsenhersteller Haldex übernehmen und so führend bei autonom fahrenden LKWs werden. Doch es gibt Mitbieter.

Das Logo der ZF Friedrichshafen Quelle: dpa

Im Kampf um die beste Technik für autonom fahrende LKWs hat der Autozulieferer ZF Friedrichshafen einen wichtigen Schritt gemacht: Vorstandschef Stefan Sommer hat im Bieterwettstreit um den schwedischen Bremsenhersteller Haldex mit dem Gebot des Münchner Familienunternehmens Knorr-Bremse gleichgezogen und ebenfalls 110 schwedische Kronen (11,53 Euro) pro Haldex-Aktie geboten. Bekommt ZF mindestens 50 Prozent der Aktien zusammen, kommt Sommer dem Ziel, den Stiftungskonzern ZF zum führenden Anbieter für autonom fahrende LKWs zu machen, näher.

Haldex ist auf Bremsen für LKW-Anhänger spezialisiert, ZF auf solche für LKW. Von alleine können Laster erst fahren, wenn die Bremssysteme für Zugmaschine und Trailer vernetzt und aufeinander abgestimmt sind. Sommer verweist etwa auf die Druckluftbremse beim LKW: „Hier können wir die Haldex-Komponenten mit unserer Kamera und Radartechnologie und unseren Steuergeräten zusammen bringen und intelligente Systeme entwickeln. Die wiederum lassen einen LKW am Stauende in Zukunft nicht nur automatisch bremsen, sondern auch ausweichen“, sagte Sommer der WirtschaftsWoche. Gelingt ihm die Übernahme, wolle ZF „einen hohen Betrag in die Technologie von Haldex investieren“.

21 Prozent bereits gesichert

Sommer geht es darum, dass Nutzfahrzeuge von der im PKW bereits verfügbaren oder in der Entwicklung befindlichen Technologie profitieren. Sensoren registrieren, was um ein Auto herum passiert, Kameras überwachen die Fahrbahn, der PKW beschleunigt, lenkt und bremst von allein.

Gerade im LKW-Bereich kann es immense Kosten sparen, wenn Laster etwa auf dem Betriebshof autonom rangieren und der Fahrer sich ausruhen kann. Flottenbetreiber sind bereit, Geld für solche Technik zu bezahlen – viele Zulieferer kämpfen daher aktuell um die Technologieführerschaft in dem Bereich. „Wir wollen auch den Trucks das Sehen, Denken und Handeln beibringen, damit sie sicherer und effizienter auf unseren Straßen unterwegs sind“, sagt Sommer.

Das Haldex-Management hat seinen Aktionären zwar am Mittwoch die Annahme des ZF-Angebots empfohlen und ZF hat sich über eigenen Aktien und Verkaufs-Zusagen von Anteilseignern bereits gut 21 Prozent der Anteile gesichert. Der Bieterkampf könnte dennoch in eine weitere Runde gehen – so teilte Haldex-Mitbieter Knorr-Bremse mit, dass man „die Situation bewerten“ werde, um „über den besten nächsten Schritt“ zu entscheiden. Mitte Juli hatte außerdem SAF Holland für Haldex geboten, sein Angebot aber im August wieder zurückgezogen. „Wir halten ein Paket von 3,6 Prozent der Haldex-Aktien, das im besten Interesse unserer Aktionäre wertoptimierend entwickelt werden soll. Den Angebotsprozess verfolgen wir daher aufmerksam“, sagte SAF-Holland-Chef Detlef Borghardt der WirtschaftsWoche.

Gut möglich, dass Knorr-Bremse und dann auch Sommer für ZF ihre Angebote erneut aufstocken. Finanzstark sind beide Konzerne: ZF verfügte zum Halbjahr über 1,2 Milliarden Euro Liquidität und Knorr-Bremse hat bereits mitgeteilt, dass ihr Angebot „vollständig durch eigene Barmittel finanziert“ sei.

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