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IBM macht Verlust Ginni Rometty und der Fluch der Wall Street

Was für IBM ein Freudentag werden sollte, endete an der Wall Street in einem Fiasko. Nach fünf miesen Jahren haben die Anleger so viel Vertrauen in Konzernchefin Rometty verloren, dass sie die Chancen nicht mehr sehen.

IBM mit Verlust: Ginni Rometty und der Fluch der Wall Street Quelle: Reuters

San FranciscoVirginia „Ginni“ Rometty klebt das Pech an den High-Heels. Zum ersten Mal seit über fünf Jahren weist IBM im Vergleich zum Vorjahresquartal ein Umsatzplus aus. Die Steigerung um 3,6 Prozent sollten bei der Konzernchefin eigentlich für Jubelsprünge sorgen. Im Gespräch mit Analysten wird deutlich, dass nun für jedes Quartal des laufenden Geschäftsjahres ein Umsatzplus erwartet wird. Der bereinigte Gewinn pro Aktie im vierten Quartal liegt zudem bei 5,18 Dollar, Analysten hatten mit etwas weniger gerechnet.

Von Glücksgefühlen dürfte Rometty jedoch weit entfernt sein: Der Kurs brach nachbörslich ein. Fast schon routinemäßig, wenn das 106 Jahre alte IT-Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren Zahlen vorlegte. Die Aktie rutschte nach Handelsschluss um fast 3,5 Prozent auf 163,30 Dollar ab.

Auslöser war diesmal ein Einmalaufwand von 5,5 Milliarden Dollar, der aufgrund von Neubewertungen nach der Steuerreform von US-Präsident Donald Trump fällig geworden war. Im Ergebnis: Ein Nettoverlust von 1,05 Milliarden Dollar, oder ein Minus von 1,14 Dollar pro Aktie. Dabei ist noch unklar, ob diese Anpassung das Geschäft nicht nur einmalig, sondern gar dauerhaft belasten könnte. Auch IBM selbst warnt vor einer höheren Steuerbelastung in der Zukunft. Zum Vergleich: Der Steuersatz lag im Jahr 2017 bei lediglich zwölf Prozent.

Nicht alle Experten sind pessimistisch. Analyst David Bahnsen von der Hightower Bahnsen Group setzt auf das dividendengetriebene „Value Play“ der IBM-Aktie. Bei einer Dividendenrendite von 3,6 Prozent (nach dem Rutsch am Donnerstag) und einer Pay-Out-Rate von 43 Prozent (nur 43 Prozent des Gewinns werden als Dividenden ausgeschüttet) sieht er die Dividendenzahlungen ungefährdet, vor allem, wenn nun der Umsatz wieder anzieht. IBM sehe für das laufende Finanzjahr stabilisierte Gewinnmargen, hatte der neue Finanzvorstand James Kavanaugh im Analystengespräch betont. Außerdem hat der Konzern eine lange Tradition regelmäßiger Dividendenanhebungen.

Der gesamte Wachstumsbereich rund um Cloud, künstliche Intelligenz, Blockchain und Software werde vom Markt noch gar nicht eingepreist, erklärte Bahnsen im Fernsehsender CNBC. Die heutige Bewertung beruhe faktisch noch immer auf den alten Geschäften mit Industrie-Großcomputern und deren Wartung. Auch Barclays-Analyst Mark Moskowitz sieht „das Gröbste jetzt überwunden“ und gibt für IBM wieder ein Kaufsignal.

Moskowitz setzt unter anderem auf den Einstieg von IBM in die Blockchain-Technologie und setzt den Zielkurs nun auf 230 Dollar. Der IT-Riese hatte kürzlich eine Kooperation mit der internationalen Maersk-Reederei angekündigt, um Blockchain im Weltcontainerhandel einzuführen. Außerdem forscht IBM, wie auch Microsoft und Google, an Quantencomputern. Laut Barclays könnte sich IBM als solider Dritter im Weltmarkt für Cloud-Computing festbeißen, hinter Amazons AWS und Microsofts Azure, aber noch vor Google oder Oracle.

Fast die Hälfte des Quartalsumsatzes entfiel auf diese „strategischen Imperative“, Romettys Zukunftswetten. Vor zwei Jahren lag deren Anteil noch bei 35 Prozent, der Rest kam vom alten Kerngeschäft. Letzteres zeigte sich in diesem Quartal einigermaßen robust, nicht zuletzt, weil die Wechselkurse IBM in die Karten spielten. Insgesamt sieht es auf der Gewinnseite jedoch weniger gut aus. Vor allem die Sparte Global Business Solutions, in der auch die Beratung angesiedelt ist, sieht eine fortwährende Margenerosion durch ansteigenden Wettbewerb und Preisdruck.

Für das Gesamtjahr 2018 erwartet IBM nun einen operativen Gewinn pro Aktie von mindestens 13,80 Dollar und einen freien Cash Flow von circa zwölf Milliarden Dollar. Allerdings werde man auch mehr investieren als im Vorjahr. Finanzvorstand Kavanaugh ist optimistisch, dass die neuen „imperativen“ Kernmärkte Ende des Jahres über 50 Prozent des Umsatzes ausmachen werden. Das stimme ihn zuversichtlich, dass im Gesamtjahr mit steigenden Umsätzen zu rechnen ist. So weit hat man sich bei IBM lange nicht mehr aus dem Fenster gelehnt.

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