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Maschinenbauer So will sich Heidelberger Druck aus der Krise kämpfen

Ein Mitarbeiter montiert im Stammwerk von Heidelberger Druckmaschinen ein Druckwerk. Quelle: dpa

Heidelberger Druckmaschinen hat sich 2020 eine radikale Transformation über drei Jahre verordnet. Schon jetzt deutet sich an, dass der Plan aufgeht – auch, weil der Hersteller für Druckmaschinen nun in E-Autos macht.

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Die vergangenen Jahre waren hart bei Heidelberger Druckmaschinen. Zu hohe Kosten, eine interne Digitalisierung, die nicht so richtig in Fahrt kommen wollte und trübe Konjunkturaussichten im Kerngeschäft. Entsprechend schlecht war die Prognose, die die Firma für das Geschäftsjahr 2020/21 herausgab. Nun konnte Heidelberger Druck Zahlen für das zurückliegende Geschäftsjahr vorlegen – und sie zeigen: Der Umsatz ist tatsächlich zurückgegangen, allerdings weniger stark als befürchtet. Dazu war der Verlust deutlich geringer als noch im Vorjahr – und dann gibt es da noch einen ganz besonderen Hoffnungsschimmer.

Heidelberger-Druckmaschinen-Chef Rainer Hundsdörfer kann deshalb erst einmal durchatmen, zumindest ein wenig. In konkreten Zahlen bedeutet das: Heidelberger Druckmaschinen konnte im zurückliegenden Geschäftsjahr 1,9 Milliarden Euro Umsatz einfahren. Das sind zwar über 430 Millionen Euro weniger als noch im Geschäftsjahr 2019/20, doch hatte der Druckmaschinenhersteller mit einem noch geringeren Umsatz gerechnet – und trotz dieses Umsatzrückganges konnte das Unternehmen seinen Verlust verringern. Rechnet man die Kosten für die aktuell laufende Restrukturierung mit hinzu, ergibt sich ein Ergebnis nach Steuern von Minus 43 Millionen Euro – Peanuts im Vergleich zu dem horrenden Verlust des Vorjahres, der acht Mal so hoch war.

Besonders der Verlust hätte auch deutlich höher ausfallen können – hätte das Unternehmen sich nicht eine umfassende Restrukturierung verordnet. Schon bevor die Wirtschaft durch das Coronavirus ordentlich durchgeschüttelt wurde, war Hundsdörfer klar, dass er umbauen musste. „Es war bereits absehbar, dass unser Kernmarkt nicht in allen Bereichen so wächst, wie wir erwartet hatten“, sagt Hundsdörfer. Weil die erwartete Profitabilität zu niedrig war, mussten die Kosten runter.

Die Liste der bereits getroffenen Maßnahmen ist lang: Das Unternehmen hat die belgische Tochter CERM gemeinsam mit seinem Standort in Belgien für Druckchemikalien mit einem Erlös von 19 Millionen Euro verkauft. Unprofitable Produktlinien, die das Ergebnis bisher mit gut 50 Millionen Euro belasteten, wurden ebenfalls eingestellt. Außerdem einigte sich Heidelberg mit Arbeitnehmervertretern auf den Abbau von 1600 Stellen weltweit bis 2030. Am Ende seiner Restrukturierung ist das Unternehmen damit aber nicht. Der Plan ist auf drei Jahre ausgelegt.

Bis zum Geschäftsjahr 2022/23 will Hundsdörfer das Unternehmen so umgebaut haben, dass es bereits ab einem Umsatz von gut 1,9 Milliarden Euro profitabel ist. Der deutliche Rückgang des Verlusts könnte nun ein erster Hinweis sein, dass sich der Konzern auf dem richtigen Weg befindet. Hundsdörfer blickt daher positiv in die Zukunft. „Wir rechnen mit einem Post-Corona-Boom“, sagt er.



Dazu setzt das Unternehmen auch auf neue Geschäftsfelder. „Wir wollen unsere Technologiekompetenz auch außerhalb des Druckermarktes nutzen“, sagt der CEO. Was erstmal sehr abstrakt klingt, ist schon längst konkret: Die traditionsreiche Firma hat ausgerechnet im Hype-Markt Elektromobilität Fuß gefasst. Seit 2018 vertreibt das Unternehmen selbst entwickelte Wallboxen, teils über Amazon, teils in Partnerschaften mit Energieversorgern wie zum Beispiel E.On. Seine Umsätze im Bereich E-Mobilität liegen zwar noch im Nischenbereich, konnte Heidelberger Druck im zurückliegenden Geschäftsjahr aber bereits auf 20 Millionen Euro verdoppeln. „Die Elektromobilität bietet uns viele neue Geschäftsmöglichkeiten“, sagt Hundsdörfer. „Eine Herausforderung ist zum Beispiel, wie sich die Abrechnung des Aufladens am besten organisieren lässt, auch dort arbeiten wir gerade an Lösungen.“ Auch in diese Geschäftsfelder wolle der CEO nun vordringen.

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Einen Marktanteil von gut 20 Prozent hat das Unternehmen im deutschen Wallboxenmarkt laut eigenen Angaben schon erreicht. Bis Jahresende will das Unternehmen eine dritte Produktionslinie für seine Ladeboxen aufbauen. Das würde die Herstellung noch einmal verdoppeln und die Möglichkeit geben, auch ins Ausland zu expandieren. Bereits jetzt fertigt das Unternehmen seine Boxen im Drei-Schicht-Betrieb an. Österreich, die Schweiz, Frankreich, Polen und Ungarn stehen noch für dieses Jahr auf Hundsdörfers Liste. „Wir blicken aber auch auf den Markt in den USA und in China“, sagt er. „Für mich ist das eine Blaupause, welche neuen Geschäftsfelder wir mit unserem technologischen Wissen zukünftig erschließen können.“

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