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Offenlegung Pharmafirmen geben Einblick in Millionen-Zahlungen

Unter wachsendem Druck von Gerichten und Gesetzgeber publizieren US-Konzerne erstmals Zuwendungen an Ärzte und Kliniken. Die neue Transparenz beschränkt sich bislang im wesentlichen auf die USA, soll nach Aussagen aus den Unternehmen mittelfristig aber auch für weitere Länder gelten.

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Tabletten: Erstmals legen Pharmauntertnehmen ihre Zuwendungen offen. Quelle: dpa

FRANKFURT. Nach und nach gewähren amerikanische Pharmakonzerne Einblick in ihre finanziellen Beziehungen zu Ärzten, Kliniken und Forschungseinrichtungen. Der Branchenführer Pfizer veröffentliche jetzt erstmals eine Übersicht über Leistungen an Ärzte. Insgesamt zahlte der US-Konzern danach im zweiten Halbjahr 2009 rund 35 Mio. Dollar an rund 4 500 amerikanische Mediziner. Gut 15 Mio. Dollar davon betrafen Kooperationen bei klinischen Studien. Darüber hinaus sind in der Summe Honorare enthalten, die Ärzte für Beratungsleistungen und Vorträge erhalten haben. Pfizer folgt dem Beispiel von Firmen wie Merck & Co, Eli Lilly oder Cephalon, die bereits im vergangenen Jahr entsprechende Daten publizierten.

Die neue Transparenz beschränkt sich bislang im wesentlichen auf die USA, soll nach Aussagen aus den Unternehmen mittelfristig aber auch für weitere Länder gelten. Pfizer prüfe die Umsetzung der Veröffentlichungen weltweit, sagte dazu ein Sprecher von Pfizer Deutschland. Wegen unterschiedlicher Gesetze und Regularien müsse man dabei aber von Land zu Land unterschiedlich vorgehen. Ähnlich äußert sich MSD, die deutsche Tochter von Merck & Co.

Reaktion auf hohe Strafe

Finanzielle Verquickungen zwischen Ärzten und Pharmafirmen sind seit Jahren unter Beschuss. Kritiker werfen den Pharmakonzernen vor, dass sie auf diese Weise den Absatz ihrer Medikamente unangemessen fördern. Die erweiterte Transparenz kommt denn auch nicht ganz freiwillig. Im Falle Pfizer, wie zuvor schon bei Cephalon, ist sie vielmehr ein Ergebnis von Strafverfahren wegen gesetzeswidriger Vermarktungsmethoden.

Der Konzern akzeptierte im vergangenen September straf- und zivilrechtliche Zahlungen in der Rekordhöhe von zusammen rund 2,3 Mrd. Dollar. Das US-Justizministerium hatte ihm unter anderem illegale Entgelte für Mediziner ("Kickbacks") zur Absatzförderung bei mehreren Medikamenten vorgeworfen. Neben den Strafzahlungen musste sich Pfizer im Rahmen eines sogenannten "Corporate Integrity Agreements" mit dem amerikanischen Gesundheitsministerium verpflichten, seine Finanzbeziehungen zu Ärzten, medizinischen Einrichtung und Patientenorganisationen zu publizieren - was jetzt erstmals geschah. Andere Pharmahersteller müssen spätestens in drei Jahren nachziehen. Im Rahmen der Gesundheitsreform in den USA ist eine Offenlegung ab 2013 verpflichtend.

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