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Zahlungsverzug der Ukraine Gasstreit trifft deutsche Gazprom

Der Streit zwischen Gazprom und der Ukraine über ausbleibende Zahlungen für Gaslieferungen bringt auch die deutsche Tochter des russischen Gasriesen in Schwierigkeiten. Nach Informationen des Handelsblatts aus Konzernkreisen klagt allein Gazprom Germania über offene Rechnungen in Höhe von einer Mrd. Dollar.

Der Streit zwischen Gazprom und der Ukraine über ausbleibende Zahlungen für Gaslieferungen bringt auch die deutsche Tochter des russischen Gasriesen in Schwierigkeiten. Quelle: handelsblatt.com

DÜSSELDORF. Die Tochter muss damit eine große Last der vom Konzern insgesamt eingeforderten Summe tragen. Gazprom Germania fördert in Usbekistan Gas, dass die Gesellschaft überwiegend an die Ukraine liefert. Die Ukraine ist durch die weltweite Finanzkrise in heftige Turbulenzen geraten, die Währung hat dramatisch an Wert verloren und das Land ist auf Notkredite des Internationalen Währungsfonds (IWF) angewiesen.

Der Hauptlieferant für Gas, Gazprom, wirft der Ukraine vor, seit Monaten ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachzukommen. Nach russischer Darstellung sollen sich die Schulden inzwischen auf mindestens 2,5 Mrd. Dollar summieren. In der Ukraine werden die Probleme zwar nicht dementiert, der nationale Versorger Naftogas beziffert den Fehlbetrag aber lediglich auf 1,3 Mrd. Dollar.

Der Konflikt ist heikel, weil durch die Ukraine eine wichtige Transportroute für russisches Gas nach Westeuropa führt. Branchenexperten fürchten, dass die Ukraine die für Westeuropa bestimmten Mengen anzapfen könnte, falls Gazprom wegen der ausbleibenden Zahlungen die Lieferungen in die Ukraine einstellen sollte. Vor drei Jahren hatte es wegen eines Streits der zwei Parteien schon einmal einen Lieferengpass nach Westeuropa gegeben.

Wie es in den Konzenkreisen heißt, erhält Gazprom Germania schon seit rund einem halben Jahr kein Geld mehr für ihre Lieferungen. Pro Monat erhöhten sich die Außenstände um knapp 200 Mio. Dollar. Offiziell war von dem Unternehmen hierzu am Wochenende allerdings keine Stellungnahme zu erhalten.

Gazprom Germania ist nicht nur der wichtigste Vertriebsarm des russischen Branchenriesen für seine Exporte nach Westeuropa. Die Tochter ZMB, die seit 14 Jahren am Markt ist, handelt auch mit Gas aus Zentralasien, das sie nach Osteuropa und die ehemaligen Sowjetrepubliken liefert. In Usbekistan hat sie sich in den vergangenen Jahren eine eigene Produktion aufgebaut. Sie fördert zum einen in einem Joint-Venture mit einem Partner vor Ort selber Gas, zum anderen bereitet sie Gas, das bei der Ölförderung anfällt, für den Export auf. Allein in die Ukraine liefert ZMB pro Jahr rund sieben Mrd. Kubikmeter - Tendenz steigend.

Die deutsche Gazprom-Tochter ist zwar so stark, dass sie die Außenstände verkraften dürfte. Das Unternehmen wächst rasant. In den ersten neun Monaten steigerte es den Absatz um 37 Prozent auf 41 Mrd. Kubikmeter und den Umsatz dank des kräftig gestiegenen Gaspreises sogar um 90 Prozent auf 9,2 Mrd. Euro. Der Nettogewinn ging zwar um sieben Prozent auf 300 Mio. Euro zurück, das lag aber vor allem an der Schwäche des US-Dollar. Operativ legte das Unternehmen weiter deutlich zu. Die Eigenkapitalquote lag Ende 2007 bei soliden 51 Prozent. Zum Vergleich selbst der finanzstarke Eon-Konzern kommt nur auf 31 Prozent.

Gazprom Germania hat aber andererseits auch große Investitionsprojekte mit einem hohen Kapitalbedarf in Planung. Unter anderem investiert das Unternehmen in große Gasspeicher, Pipelines undwill sich auch an mehreren Gaskraftwerken beteiligen - unter anderem in Deutschland. In Anbetracht der gestiegenen Finanzierungskosten durch die Kreditkrise sei der Zahlungsverzug im Geschäft mit der Ukraine besonders ärgerlich, hieß es deshalb in den Kreisen.

Eine Lösung ist im Streit zwischen Russland und der Ukraine noch nicht absehbar. Branchenbeobachter werfen der russischen Regierung, die Gazprom kontrolliert, vor, den Konflikt bewusst eskalieren zu wollen, um in der bevorstehenden Parlamentswahl in der Ukraine die pro russischen Kräfte zu unterstützen. Heikel ist die Auseinandersetzung zudem, weil beide Seiten zur Zeit einen neuen Liefervertrag ab 2009 verhandeln und Russland den Gaspreis, der noch immer deutlich unter dem Marktwert liegt, weiter anheben will. Westliche Partner wie BASF wurden von Gazprom jedenfalls schon vor Wochen über mögliche Lieferengpässe im Winter gewarnt.

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