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Positive PsychologieWie negative Gefühle das Gehirn vernebeln

Das allgegenwärtige Gefühl des Mangels vernebelt unser Denken und führt zu Stress. Doch es ist selbstgemacht. Wie wir solche negativen Emotionen überwinden und wieder klar sehen können, schreibt die Psychologin Ilona Bürgel in einem Gastbeitrag.Ilona Bürgel 12.05.2014 - 17:34 Uhr

Ein perfektes Anschreiben ist gar nicht so einfach

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Die globalisierte Arbeitswelt, die internationalen Verflechtungen der Konzerne, der Konkurrenzdruck: All das zusammen erhöht die Anforderungen an die Beschäftigten. Ihre Arbeitstage werden immer länger, auch an den Wochenenden sitzen sie im Büro oder zu Hause am Schreibtisch, überrollt von einer Lawine von E-Mails. In dieser Tretmühle sind viele dann ausgelaugt, überfordert, verzweifelt, kraftlos. Der Akku ist - salopp gesprochen - leer.

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Die Arbeitsbelastung führe zudem auch immer öfter zu Krankheiten, heißt es weiter. Klagten 2006 noch 43 Prozent über Rückenschmerzen waren es im vergangenen Jahr bereits 47 Prozent. Während 2006 nur 30 Prozent unter stressbedingten Kopfschmerzen litten, waren es 2012 bereits 35 Prozent. Die Anzahl der von nächtlichen Schlafstörungen geplagten Arbeitnehmern stieg von 20 auf 27 Prozent.

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Am häufigsten belastet fühlen sich die Beschäftigten - 58 Prozent - nach dem neuen "Stressreport Deutschland 2012" der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) durch Multitasking, also das Sich-Kümmern-Müssen um mehrere Aufgaben gleichzeitig.

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Jeder zweite der rund 18000 Befragten (52 Prozent) arbeitet unter starkem Termin- und Leistungsdruck. Laut BAuA hat sich der Anteil der von diesen Stressfaktoren betroffenen Beschäftigten auf dem relativ hohen Niveau des vergangenen Jahrzehnts stabilisiert. Jeder vierte (26 Prozent) lässt sogar die nötigen Ruhepausen ausfallen, weil er zu viel zu tun hat oder die Mittagspause schlicht nicht in den Arbeitsablauf passt.

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Immerhin 43 Prozent klagen aber über wachsenden Stress innerhalb der vergangenen zwei Jahre. Außerdem wird fast jeder Zweite (44 Prozent) bei der Arbeit etwa durch Telefonate und E-Mails unterbrochen, was den Stress noch erhöht.

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Insgesamt 64 Prozent der Deutschen arbeiten auch samstags, 38 Prozent an Sonn- und Feiertagen. So kommt rund die Hälfte der Vollzeitbeschäftigten auf mehr als 40 Arbeitsstunden pro Woche, rund ein Sechstel arbeitet sogar mehr als 48 Stunden. Und das ist nicht gesund: Seit Längerem weisen Wissenschaftler auf einen Zusammenhang zwischen langen Arbeitszeiten, psychischer Belastung und gesundheitlichen Beschwerden hin: Je mehr Wochenarbeitsstunden, desto anfälliger. Bei Menschen, die 48 Stunden und mehr pro Woche arbeiten, ist die Gefahr für physische und psychische Erkrankungen am höchsten.

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Neben der Dauer spielt auch der Schichtplan eine Rolle für die Gesundheit der Angestellten: Studien zeigen, dass Arbeitszeitformen mit "atypischer" Lage - also Nacht- und Schichtarbeit - in Zusammenhang mit psychischer Belastung und gesundheitlichen Beeinträchtigungen stehen. Je länger jemand in Schicht- und Nachtarbeit tätig ist, desto eher können Störungen des vegetativen Nervensystems, Schlaf- und Leistungsstörungen, Magen- und Darmprobleme sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen auftreten.

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Darüber hinaus haben lange Arbeitstage und Schichtdienste natürlich auch Einfluss auf das Privatleben: So geben 40 Prozent der Befragten an, arbeitsbedingt nur selten oder nie Rücksicht auf familiäre oder private Interessen nehmen können. Auch das ist auf Dauer nicht gesundheitsfördernd.

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„Ich schaffe das nicht, die Zeit reicht nicht, das kann ich mir nicht leisten, ich werde nicht genug gefördert / einbezogen / wertgeschätzt / gelobt / bestätigt." Kommen Ihnen solche Empfindungen bekannt vor? Und wenn ja, was machen sie mit Ihnen? Ich beobachte immer häufiger, dass der Gedanke, nicht genug von etwas zu haben, zu heftigem negativen Stress führt. Und dieser wiederum dazu, dass wir das Mangelgefühl noch stärker erleben. Ein sich selbst verstärkender Prozess.

Die Automatismen des Gehirns

Zunächst muss man wissen: Das Gehirn fokussiert sich auf Probleme, nicht auf Genuss. Das macht es deshalb, weil wir Teil der Natur sind. Und in der Natur geht es immer um das Überleben. Gefahren muss sich das Gehirn daher besser merken und darauf schneller reagieren als auf Freude. Das Grundprinzip unseres Gehirnes lautet daher, gefährliche - negative - Gefühle zu vermeiden und positive – sichere - Gefühle anzustreben.

Fünf Tipps zur Stressbewältigung
Sagen Sie auch mal „Nein“. Haben Sie gerade keine Kapazitäten für eine neue Aufgabe oder ein Projekt, sagen Sie frühzeitig Bescheid. Selbstverständlich gibt es Situationen, in denen Sie mit „Ja“ antworten müssen. Aber vielleicht hat ein Kollege gerade mehr Zeit oder die Aufgabe ist doch nicht ganz so dringend.
Niemand ist perfekt, stellen Sie daher keine zu hohen und unrealistischen Erwartungen an sich selbst. Damit blockieren Sie sich nur.
Identifizieren Sie die Auslöser. Jeder Mensch gerät durch andere Dinge unter Druck. Um einen Überblick zu behalten, hilft es, sich eine Liste mit seinen persönlichen Stressfaktoren anzulegen. Stört Sie zum Beispiel das ständige „Pling“ eingehender E-Mails, stellen Sie den Computer auf lautlos und bestimmen Sie einen festen Zeitraum, in dem Sie Mails beantworten.
Stress zu unterdrücken, ist auf lange Sicht keine Lösung. Früher oder später wird er wieder hochkommen. Um das zu vermeiden, sprechen Sie darüber mit einem Kollegen und beziehen Sie auch ihren Chef mit ein. Allein das Gefühl, aktiv etwas gegen den Stress zu tun, hilft bei der Bewältigung.
Machen Sie Sport – Bewegung ist eine gute Methode, um Stress entgegenzuwirken, denn durch Sport werden Glückshormone wie Dopamin ausgeschüttet.Im Alltag hilft schon ein kurzer Spaziergang zur Kantine oder morgens eine Station früher auszusteigen und den restlichen Weg zur Arbeit zu laufen. Nehmen Sie die Treppe statt den Aufzug und laufen Sie zum übernächsten Drucker statt zum nächstgelegenen.

Unsere Emotionen sind Hinweise, wie wir eine Situation bewerten, sie lösen Handlungsimpulse aus. Zum Beispiel löst Furcht den Impuls zur Flucht aus, Zorn dagegen verleitet zum Angriff. Solche negativen Emotionen schränken die Perspektive ein, positive erweitern sie (engl. broaden), öffnen das Herz und machen kreativ. Aus dieser Beobachtung hat die Psychologin Barbara Fredrickson ihre „broaden and build“ Theorie entwickelt: Der Umgang mit Emotionen und unser Verhältnis dazu sind entscheidend, denn beide, positive und negative Gefühle, haben ihre Berechtigung. Negative Gefühle sind in konkreten Situationen überlebenswichtig, positive für langfristiges Lernen.

Leider haben die negativen Emotionen nicht nur einen schlechten Einfluss auf unseren Körper, indem sie zum Beispiel die Arbeit des Immunsystems behindern und Entzündungen fördern, Heilungsprozesse verlangsamen oder dem Herzen schaden. Sie haben auch mentale Konsequenzen. Wir wiederholen das Problem innerlich immer wieder und es wird in unserer Erinnerung größer, als es in der Realität je war. Diese negativen Gedanken führen zum sogenannten „Tunnelblick“. 

Der Tunnelblick raubt Freiheit

Unsere Wahrnehmung fokussiert sich auf all das, was zu unseren Annahmen passt, alles andere filtern wir gnadenlos heraus. Das, was wir sehen, ist ein Mini-Ausschnitt, und wir nennen ihn „Realität“. Eigentlich müssten wir „meine Realität“ sagen. Haben wir uns einmal darauf eingeschossen, dass unsere Arbeit stresst und nervt, dann wird das auch so sein, weil wir nur diese Aspekte wahrnehmen. Dieses Phänomen geht so weit, dass wir uns mit Menschen umgeben und solche als Ratgeber suchen, die uns in unserer Meinung bestärken.

Auch unsere Verhaltensentscheidungen passen zu unseren Gedanken. Ein Gedanke ist wie ein Verhaltensprogramm. Das Gehirn unterscheidet nicht, ob er gut oder schlecht für uns ist, also ob wir etwas befürchten oder „herbeisehen“. Es richtet sich kritiklos nach diesem Denken. Wenn wir zu einer Geburtstagsfeier mit dem Gedanken gehen, dass dort nur lauter Langweiler anzutreffen sind, dann werden wir uns genau zu diesen setzen und unsere Meinung bestätigt finden.

Der verengte Blick durch Mangelgefühle führt dazu, dass wir einen kleineren Entscheidungsspielraum nutzen, alte Muster wiederholen, auch wenn sich diese nicht bewährt haben. Wenn wir gut drauf sind, ist unser Gehirn dagegen kreativ und vielseitig, verschafft uns einen größeren Überblick. Wenn wir Stress haben, uns ärgern oder Sorgen machen, ist unsere Wahrnehmung eingeschränkt und nur Routinen werden genutzt. Wird der Stress größer, nimmt der Überblick immer mehr ab, das unlogische Verhalten immer mehr zu. Irgendwann verhalten wir uns wie Kinder, also weinen, schreien oder werden bockig. Ganz am Ende der Kette kommt die Erstarrung: Wir können uns dann gar nicht mehr angemessen verhalten.

Tipp 1: In kürzeren Einheiten denken

Wer kleiner denkt, schafft oft mehr. Experten raten daher, sich den Tag in 96 kleine 15-Minuten Blöcke aufzuteilen. Das heißt nicht, dass alle Tätigkeiten nur eine Viertelstunde dauern sollen, hilft aber dabei, den Tag besser zu planen. Große Aufgaben, die vorher noch erschlagend wirkten, erscheinen so auf einmal lösbar und weniger aufwendig als noch zuvor. Und plötzlich ergeben sich plötzlich kleine 15-minütige Pausen zwischen zwei Terminen, die dann effektiv genutzt werden können.

Foto: dpa

Erledigte Aufgaben abhaken

Dieser Trick stammt aus dem Bereich des Zeitmanagements und der Selbstorganisation. Selbst kleine und scheinbar ganz banale Aufgaben können Spaß machen, wenn Sie diese auf einer To-Do-Liste aufschreiben und dann Stück für Stück abhaken. Das geht am besten ganz altmodisch mit Stift und Papier. Bereits der Vorgang des Aufschreibens und dann das Gefühl beim Durchstreichen oder abhaken einer Aufgabe kann Ihre Stimmung enorm steigern.

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Tipp 3: Wartezeit als Pause willkommen heißen

Auch locker lassen schadet nicht. Nicht jede 15-minütige Pause muss aktiv genutzt werden. Im Gegenteil: Oft ist es effektiver, 15 Minuten lang einfach mal nichts zu tun, aus dem Fenster zu schauen oder einen Tee zu trinken. Denn genau diese Pausen brauchen wir als notwendige Regenerationsphasen.

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Tipp 4: Zeitmanagement

Bevor Sie einen Termin ansetzen, eine Konferenz oder ein Meeting, sollten Sie sich genau überlegen, wie viel Zeit Sie dafür einplanen wollen. Jede Einladung bei Outlook ist für eine Stunde, auch wenn viele Themen oft in 20 Minuten bei einem Kaffee hätten besprochen werden können. Natürlich braucht es Koordination, sobald externe Personen oder mehr als zwei bis drei Personen beteiligt sind. Aber wenn nicht jeder Teilnehmer 80 Prozent seiner Woche mit einstündigen Meetings blockiert hat, finden sich auch einfacher kurze Zeitfenster.

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Tipp 5: Bus- und Bahnfahrten effektiv nutzen

Schon auf dem Weg ins Büro lässt sich Zeit sinnvoll nutzen. Viele Leute sind auf dem Bahnsteig, in Bussen oder Bahnen permanent mit ihrem Handy beschäftigt. Der Grund: Wer unterwegs E-Mails und Social-Media Kanäle checkt und kurz beantwortet, muss das im Laufe des Tages nicht mehr machen. Auch im Zug geht das prima, dort gibt es oft sogar Laptop-Arbeitsplätz und Steckdosen. Auch während der Wartezeiten, bis der Zug kommt, können Sie Dinge auf ihrer To-Do Liste abhaken.

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Tipp 6: Selbstbeobachtung

Achten Sie auf sich und Ihre Art zu arbeiten. Denn jeder Mensch ist anders. Während der eine ein Morgenmensch ist, der schon nach dem Frühstück viel erledigen kann, dann stehen sie früh auf und reservieren Sie sich eine störungsfreie Zeit, in der Sie in Ruhe arbeiten. Sind Sie ein Morgenmuffel und erst ab mittags so richtig warmgelaufen, dann starten Sie lieber gemütlich in den Tag. Teilen Sie sich Ihren Tag ein, so wie es Ihnen am effektivsten erscheint.

Foto: dpa/dpaweb

Tipp 7: Zeitinseln schaffen

Wenn Sie Ihren Tag in 15-Minuten-Blöcke aufgeteilt haben und feststellen, dass Sie komplett ausgebucht sind, schaffen Sie sich bewusst kleine Zeitinseln. Regenerationsphasen fördern die Konzentration und ein kleiner Power-Nap oder ein fünfminütiger Spaziergang fördern die Leistungsfähigkeit.

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Tipp 8: Wartezeit nutzen

Auch Wartezeiten, an der Supermarktkasse oder beim Bäcker, können effektiv genutzt werden. Viele telefonieren in der Warteschlange oder verschicken schonmal eine SMS. So können kleine Aufgaben erledigt werden, die sonst im Laufe des Tages auf Sie zukämen.

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Tipp 9: Die kleinen Dinge zuerst

Häufig sind es die kleinen Dinge, die wir lange vor uns herschieben. Ein Brief, eine E-Mail oder ein unangenehmes Telefonat. Das führt dazu, dass wir den Kopf nicht richtig frei haben. Freie Zeitblöcke am Vormittag sollten Sie daher nutzen, um die kleinen Dinge zu erledigen. Dann haben Sie den Kopf frei und können sich größeren Aufgaben widmen.  

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Tipp 10: Prioritäten setzen

Wer sich zu viel vornimmt, ist leicht überfordert. Ein Fünf-Punkte-Plan kann dabei helfen, alles zu schaffen, was Sie im Laufe des Tages erledigen wollen. Die Idee: Schreiben Sie sich abends oder früh am Morgen fünf konkrete Punkte in den Kalender, die Sie erledigen wollen. Sobald Sie eine Aufgabe erledigt haben, können Sie einen Haken auf der To-Do Liste setzen. Das fühlt sich gut an und strukturiert außerdem Ihren Tag.   

Foto: dpa-tmn

Schon seit Montag Nachmittag sehnen wir das Wochenende herbei, um all das zu erledigen, wozu wir unter der Woche einfach keine Zeit haben: Wir müssen den Keller aufräumen, die Steuererklärung machen, die Wohnung putzen, mit den Kindern in den Zoo gehen, die Schwiegereltern besuchen, Zeit mit dem Partner verbringen und uns mit unseren besten Freunden treffen. Dabei merken wir oft gar nicht, dass wir den Alltagsstress aus dem Büro gegen Freizeitstress tauschen und wundern uns dann, warum wir nicht erholt sind und montags wie gerädert aufstehen.

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Um dem vorzubeugen, sollten wir zunächst unsere Arbeit dort lassen, wo sie hingehört: im Büro. Damit sie uns nicht ins Wochenende verfolgt, kann es helfen, den Schreibtisch vor Feierabend aufzuräumen und einen groben Fahrplan für die kommende Woche zu erstellen. Ab dann heißt es: Diensthandy aus.

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Auch der Heimweg muss am Freitag nicht stressen, wenn wir es nicht zulassen. Lesen Sie im Zug oder dem Bus ein Buch, das Ihnen gefällt oder nehmen Sie sich ein Hörbuch mit ins Auto, das Ihnen den unvermeidlichen Stau versüßt.

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Jetzt ist es trotzdem wieder 19 Uhr geworden, bis wir Freitagabend zuhause sind. Und eigentlich wollen wir nur noch auf die Couch und die Füße hochlegen. Das ist auch in Ordnung, schließlich liegen noch zwei volle Tage vor uns. Trotzdem sollten wir einmal kurz in uns hineinhorchen, wie wir diese freie Zeit verbringen wollen und was uns nach der stressigen Woche besonders gut tut.

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Um richtig runter zu kommen, kann ein Ritual für den Freitagabend nicht schaden: Ein entspannendes Bad, ein ausgiebiger Spaziergang oder ein Restaurantbesuch können helfen, um dem Kopf zu signalisieren, dass die Arbeit ab jetzt nicht mehr oberste Priorität hat.

Foto: ZB

Um sich Stress zu ersparen, sollten Sie Ihren Wocheneinkauf außerdem nicht unbedingt auf den Samstag legen, da treffen Sie nämlich die ganze Stadt im Supermarkt. Kartoffeln, Putzmittel und Obst können Sie auch in einer langen Mittagspause oder donnerstags nach Feierabend besorgen.

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Gleiches gilt auch für den Hausputz. Staub saugen oder wischen können Sie auch unter der Woche. Wer sich das volle Putzprogramm fürs Wochenende aufhebt, muss sich nicht wundern, wenn er seine gesamte Freizeit mit dem Besen in der Hand verbringt.

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Außerdem sollten Sie versuchen, nicht auf zu vielen Hochzeiten zu tanzen. Sie werden weder sich noch Ihren Freunden gerecht, wenn Sie von Freizeittermin zu Freizeittermin hechten. Entscheiden Sie sich, worauf Sie Lust haben: Kneipenbummel mit den Freunden, Kino oder die Cocktailparty in der neuen Bar.

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Manche Aufgaben lassen sich leider nicht verschieben oder absagen. Aber warum nicht das notwendige Gassi gehen mit dem Hund zu einem ausgiebigen Waldspaziergang mit der Familie machen? Bewegung an der frischen Luft tut gut und macht den Kopf frei.

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Mindestens genauso gut für das persönliche Wohlbefinden - wenn auch nicht für die körperliche Fitness - ist ein gemütlicher Sonntag auf dem Sofa mit der Familie oder guten Freunden. Ab und an sollte nämlich auch süßes Nichtstun erlaubt sein, statt andauernder Aktivität.

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Sendhil Mullainathan, ein Ökonom aus Harvard, und Eldar Shafir, ein Psychologe aus Princeton, haben Knappheit beschrieben als Gefühl, weniger von etwas zu haben, als wir zu brauchen meinen. Hier liegen Problem und Lösung also genau beieinander. Denn es geht - jenseits von Kriegen und Katastrophen - in der Regel nicht um einen objektiven Mangel, sondern um subjektiv erlebten. Das heißt, wir haben eine Situation subjektiv entsprechend negativ bewertet.

Wenn sich unsere Bedürfnisse mit unseren Lebensumständen immer weiter nach oben schrauben, werden wir also immer Mangel erleben - solange uns diese Mechanismen nicht bewusst sind. In gewisser Weise schaffen wir uns unseren Mangel also selbst, weil es keine objektiven Maßstäbe für subjektive Bedürfnisse gibt.

Wenn wir uns auf Diät setzen, denken und reden wir nur noch über Essen. Vermissen wir einen Partner, sehen wir überall Verliebte und können an nichts anderes denken, als dass wir allein sind. Die Gefahr dieses Unbehagens ist also immer da: einen Mangel zu empfinden und das Denken automatisch auf die unerfüllten Bedürfnisse auszurichten. Ein besonderes Phänomen ist der erlebte Zeitmangel.

Mit Multitasking ablenken

Manchmal hilft alles nichts: Einige Arbeitsaufgaben können so öde sein, dass selbst die Aussicht auf eine Belohnung nicht motiviert. Aber auch dann können Sie sich austricksen, indem Sie durch Multitasking langweilige Arbeit mit etwas Schönerem verbinden. Das funktioniert vor allem bei Aufgaben, die zwar zeitintensiv sind, aber nicht allzu viel Konzentration erfordern. Schaffen Sie sich selber Anreize, indem Sie mit Ihrem Laptop in ein schönes Café mit WLAN-Empfang gehen und dort arbeiten, oder Ihre Lieblings-Fernsehsendung schauen, während Sie Ihr E-Mail-Postfach aufräumen. Oder legen Sie eine neue CD auf, während Sie Aktenordner sortieren.

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Aufgaben eliminieren

Denken Sie anschließend über alle Möglichkeiten nach, die Sie entlasten könnten – auch die scheinbar unantastbaren: etwa halbtags arbeiten und auf Geld verzichten. Den hilfsbedürftigen Eltern einen Umzug vorschlagen, anstatt jedes Wochenende Hunderte Kilometer in die Heimat zu fahren. Oder einen Entspannungsurlaub im nahen Allgäu planen statt eines dreiwöchigen Stresstrips nach Asien.

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Nein sagen

Anerkennung und Lob sind wichtig, aber Sie können es nicht jedem recht machen. Trauen Sie sich, nein zu sagen. Oftmals ist Ihr Gegenüber weniger enttäuscht, als Sie befürchten. Sie müssen mit Ihrer Entscheidung zufrieden sein.

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Gewissen beruhigen

Sie sind nicht immer verantwortlich, auch wenn Sie sich so fühlen: Früher hätte Sie Ihr Vorgesetzter im Urlaub gar nicht erreicht. Heute müssen Sie entscheiden, ob Ihr Chef den unzufriedenen Kunden selbst besänftigen soll oder Sie Ihre Familie am Strand warten lassen. Vollzeithausfrauen haben Zeit, einen Kuchen fürs Schulfest zu backen, berufstätige Eltern können einen beim Bäcker kaufen – ohne schlechtes Gewissen.

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Termine blocken

So unumstößlich wie Ihre Geschäftstermine müssen auch Ihre eingeplanten Ruhepausen sein. Schreiben Sie sie sich ruhig in den Kalender – auch als Signal an übereifrige Kollegen.

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Technik abschalten

Schalten Sie nach Feierabend und im Urlaub E-Mail-Aktualisierung und Diensthandy aus. Nachrichten, von denen Sie nichts wissen, belasten Sie nicht. Wichtig: Kommunizieren Sie im Vorfeld deutlich intern wie gegenüber Geschäftspartnern und Kunden, wann Sie nicht erreichbar sind. Benennen Sie Ansprechpartner für dringende Fälle.

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E-Mails abarbeiten

Nach dem Urlaub warten Hunderte E-Mails in Ihrem Postfach. Diese ungesehen zu löschen ist rechtlich problematisch. Wichtig beim Abarbeiten: Jede E-Mail, die Sie öffnen, sollten Sie sofort bearbeiten. Sonst fassen Sie manche Nachricht mehrfach an. Das kostet Zeit.

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Frequenz reduzieren

Nach jedem Blick ins Postfach brauchen Sie nachweislich einige Minuten, bis Sie sich wieder auf die unterbrochene Arbeit konzentrieren können. Deaktivieren Sie Ihre automatische E-Mail-Benachrichtigung, arbeiten Sie Ihre E-Mail-Korrespondenz möglichst nachmittags am Stück ab, und nutzen Sie die produktivste Zeit am Vormittag für Wichtigeres.

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Erledigte Aufgaben abhaken

Dieser Trick stammt aus dem Bereich des Zeitmanagements und der Selbstorganisation. Selbst kleine und scheinbar ganz banale Aufgaben können Spaß machen, wenn Sie diese auf einer To-Do-Liste aufschreiben und dann Stück für Stück abhaken. Das geht am besten ganz altmodisch mit Stift und Papier. Bereits der Vorgang des Aufschreibens und dann das Gefühl beim Durchstreichen oder abhaken einer Aufgabe kann Ihre Stimmung enorm steigern.

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Pausen zulassen

Ein Termin ist geplatzt? Super! Gönnen Sie sich eine Verschnaufpause, und versuchen Sie, die freigewordene Zeit nicht mit neuen Aufgaben vollzustopfen.

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Verpflichtungen auslagern

Klar, Sie können Ihren Computer selbst formatieren, den Haushalt alleine schmeißen und auch noch die Winterreifen wechseln. Wer es sich leisten kann, sollte solche Aufgaben aber an Fachleute auslagern. Vor allem wenn Sie diese Pflichten nur widerwillig erfüllen, sollten Sie, ohne zu zögern, in mehr Freizeit investieren.

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Zeitmangel ist selbst gemacht

Wir haben heute genau so viel Zeit wie früher. 24 Stunden, jeden Tag. Doch immer wieder glauben wir, dass wir nicht genug Zeit hätten, um all das zu tun, was wir tun wollen. Wir packen immer mehr in unseren Tag, und zwar nicht nur bei der Arbeit, sondern auch im Privatleben. Wir wollen überall dabei sein, nichts verpassen, stets dazugehören. Deshalb ist es so schwer, Nein zu sagen und sich zu beschränken. Hinzu kommt, dass wir viele Dinge unaufmerksam und routiniert tun. Dadurch konzentrieren wir uns nicht darauf und deshalb sind wir ungenau, machen Fehler. Die müssen wir später ausbügeln, was wiederum Zeit kostet. Genau dort können wir ansetzen.

Wenn wir den Tag bereits mit dem Gefühl beginnen, dass nicht genug Zeit vorhanden ist, werden wir viel Zeit verlieren, eben weil wir uns mit diesem Gedanken befassen. Bereits der Gedanke an die Zeitknappheit führt zu unangenehmen Gefühlen und dieser negative Stress schränkt unsere Leistungsfähigkeit ein. Wir schaffen dann tatsächlich nicht, was wir uns vorgenommen haben, springen von einer Aufgabe zur anderen, bringen nichts zu Ende und am nächsten Tag geht der gleiche Kreislauf weiter.

Denken Sie in Möglichkeiten!
Positive Gefühle stärken Gesundheit und Leistungsfähigkeit und erweitern die Perspektive. Ihre Bewertung einer Situation können Sie sofort ändern.

Sorgen Sie gut für sich!
Wenn es Ihnen gut geht, können Sie die Kapazitäten Ihres Denkhirns voll nutzen, Sie sind konzentriert, aufmerksam, kreativ und produktiv. Für Ihr Wohlbefinden sind Sie selbst zuständig und können viel dafür tun. Fokussieren Sie auf die guten und schönen Dinge im Leben, sie gleichen im Verhältnis drei zu eins die negativen aus. Auf ein Mal Ärgern brauchen Sie also drei Mal Freude.

Halten Sie Maß!
Wie viel wir uns auch anstrengen, wir können es nicht mehr schaffen, allen Anforderungen gerecht zu werden, weil es zu viele und zu hohe in allen Bereichen sind. Geben Sie sich die Erlaubnis zu dieser Erkenntnis, damit Sie Ihre Maßstäbe relativieren können.

Entmüllen Sie!
… Ihren Kopf von falschen Erwartungen und Bewertungen – wenn Joggen Ihnen keinen Spaß macht, dann geben Sie es endlich auf und tun Sie etwas anderes.

… Ihr Leben von Zeitfressern und schlechten Beispielen – wenn Sie Freunde haben, deren Maßstäbe Ihnen ständig Druck machen, wird es Zeit für neue Freunde.

Entwickeln Sie geistige Disziplin!

Sie bestimmen, was Sie wie oft und wie lange denken. Manchmal scheinen uns die Gedanken im Griff zu haben, aber nur, wenn wir es ihnen erlauben. Also halten Sie sich fern von schlechten Nachrichten, Klatsch und Tratsch. Stoppen Sie Grübeln und Ärgern, indem Sie sich dafür zum Beispiel ein Zeitlimit setzen.

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