"Dark Pools": Wie alternative Plattformen den Aktienhandel bedrohen

"Dark Pools": Wie alternative Plattformen den Aktienhandel bedrohen

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von Günter Heismann

Auf alternativen Plattformen, sogenannten "Dark Pools", handeln Banken abseits regulierter Börsen. Namen wie "Alpha X" oder "CrossFinder" klingen harmlos, aber der Handel dort hat fatale Folgen, vor allem für Anleger.

In der Unterwelt der Finanzmärkte herrscht ewige Dunkelheit. „Dark Pools“ heißen die Plattformen, auf denen Banker, Fondsmanager und Spekulanten außerhalb der regulären Börsen mit Wertpapieren handeln. Jede größere Investmentbank hat so eine Plattform, Citigroup und Deutsche Bank betreiben zwei, die Schweizer UBS sogar deren drei. An der Börse bekommt es jeder mit, wenn zum Beispiel ein großer Investor aus einer Aktie aussteigt – spätestens dann, wenn der Kurs einbricht. Informationen darüber, was in dem Dark Pool passiert, haben nur die beiden Handelspartner und die Bank. Ob diese die Informationen dann später an der regulären Börse nutzen, ist kaum kontrollierbar. Dark Pools scheuen das Scheinwerferlicht. Journalisten sind nicht erwünscht. Es gibt auch keine Börsenpolizei, die darauf achtet, dass an den privaten, unregulierten Handelsplätzen alles mit rechten Dingen zugeht.

Christoph Mast und seine rund 20 Kollegen gehen regelmäßig in dieser finsteren Welt auf die Jagd. Der Leiter des Aktienhandels bei der Fondsgesellschaft Allianz Global Investors (AGI) will für Aktienpakete die besten Preise und für den Handel die niedrigsten Gebühren – egal, von wem.

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Um sich im Börsen-Untergrund zurechtzufinden, nutzen Mast und sein Team ein ausgeklügeltes Computersystem, das wie ein Echolot Signale in die Dunkelheit sendet. „Dieser Smart Order Router findet für uns die richtigen Marktplätze – auch Dark Pools“, sagt Mast.

Welche Handelsplattformen es gibt

  • Amtliche Börsen

    Die strengsten Anforderungen erfüllen die amtlichen Börsen. Die Frankfurter Wertpapierbörse und die Regionalbörsen unterliegen der Aufsicht der jeweiligen Bundesländer. Sie müssen alle Marktteilnehmer und Wertpapiere zum Handel zulassen, die bestimmte gesetzliche Voraussetzungen erfüllen. Zudem müssen sie fortlaufend Kurse, Handelsvolumina und Daten zu Angebot und Nachfrage veröffentlichen.

  • Multilateral Trading Facilities (MTF)

    Die privatrechtlichen Multilateral Trading Facilities (MTF) sind nahezu ebenso transparent wie die amtlichen Börsen. Sie veröffentlichen ebenfalls Kurse und andere Handelsdaten. Zu den bedeutendsten gehören in Europa BATS Chi-X und Turquoise, eine Tochter der London Stock Exchange. BATS Chi-X hat sich vor Kurzem den Regularien der etablierten Börsen unterworfen.

  • Systematische Internalisierer (SI)

    Im Gegensatz zu den MTF sind die Systematischen Internalisierer (SI) fast vollkommen intransparent, daher auch der Name Dark Pools. Betrieben werden diese Handelsplätze von Banken und Brokern. Sie führen auf den Plattformen Aktienaufträge ihrer Kunden gegeneinander aus. SI wurden ursprünglich geschaffen, um große Aktienpakete kursschonend umzuschlagen.

  • Over-the-Counter-Handel (OTC)

    Weitere Plattformen sind aus dem Over-the-Counter-Handel (OTC) hervorgegangen. Ursprünglich war dies der bilaterale Handel zwischen Banken, früher als Telefonverkehr bekannt. Die Informationstechnik ermöglichte die Ausweitung der Systeme. OTC-Systeme, die Dritten offenstehen, werden ebenfalls zu den Dark Pools gerechnet.

  • Die Rolle der Finanzaufsicht

    Theoretisch muss die Finanzaufsicht BaFin alle diese Plattformen beaufsichtigen – aber nur, wenn diese ihren Sitz in Deutschland haben. Die meisten Plattformen aber sitzen in London.

Dank der digitalen Navigation können die Händler Schattenwesen ausweichen, mit denen sie lieber nichts zu tun haben: Hochfrequenzhändler, die einen Deal oft nur vortäuschen, die Gegenseite dann aber ins Leere laufen lassen. Und Handelsplätze, deren Betreiber vor allem das eigene Wohl im Auge haben, die Interessenten dann eben doch nicht immer den besten verfügbaren Preis anbieten. „Ein wenig paranoid muss man als Händler in Dark Pools schon sein“, sagt Mast.

Fondsgesellschaften wie AGI sind mitverantwortlich dafür, dass der Aktienhandel immer stärker in Dark Pools und auf andere alternative Plattformen abwandert. Bei manchen Dax-Werten wird nur noch jede dritte Aktie an den offiziellen Börsen gehandelt. Je reger eine Aktie aber gehandelt wird, um so kleiner wird die Spanne zwischen den Kursen, zu denen sie angeboten und nachgefragt wird. Die Zersplitterung der Liquidität macht den Aktienhandel teurer und lässt die Kurse heftiger schwanken. Weil auf dem offiziellen Xetra-System der Deutschen Börse immer weniger Handel stattfindet, befürchten manche börsennotierte Unternehmen schon, dass sie aus dem Dax oder dem MDax fliegen könnten. Denn neben dem Börsenwert bestimmt vor allem der Handelsumsatz auf Xetra, ob eine Aktie einen der begehrten Index-Plätze bekommt.

Ermöglicht hat den Siegeszug der alternativen Plattformen und Dark Pools die EU-Kommission. Jetzt will sie die Geister, die sie einst gerufen, am liebsten wieder einfangen – sprich: die Liberalisierung des Aktienhandels wieder zurückdrehen.

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