Apple: Rekordgewinne reichen nicht
Rekordgewinn im Weihnachtsquartal - trotzdem liegt die Apple-Aktie am Boden.
Foto: REUTERSTrotz des Rekordgewinns von 18,4 Milliarden Dollar reagierten Anleger enttäuscht und schickten die Aktie auf Talfahrt: In Frankfurt rutschte sie zum Mittag um mehr als drei Prozent nach unten.
In den vergangenen Monaten hatte Apple an der Börse bereits rund 200 Milliarden Dollar an Wert verloren. Die Reihen der Apple-Zweifler bekommen nun ungebremst Zulauf: Die neuen Zahlen sowie die Aussagen von Apple-Chef Tim Cook gestern in Cupertino dazu konnten ihre Bedenken nicht ausräumen: Was, wenn die Wachstumsgrenze bei teuren Smartphones jetzt erreicht ist?
Platz 95: Allianz
Börsenwert: 74 Milliarden Euro
Zum Jahresende 2014 schaffte es Volkswagen noch mit 86,5 Milliarden Euro Börsenwert unter die Top100. Nach dem Abgasskandal, der bei VW zwischenzeitlich 14 Milliarden Euro an der Börse ausgelöscht hatte, schafft die Allianz es nun mit 74 Milliarden Euro auf den 95. Platz der weltweiten Top 100.
Foto: dpaPlatz 92: Deutsche Telekom
Börsenwert: 76 Milliarden Euro
Auch die Deutsche Telekom ist einer von nur sechs deutschen Konzernen unter den 100 größten Unternehmen weltweit. Die sechs sind an der Börse gemeinsam 500 Milliarden Euro wert. Zum Vergleich: Der Erstplatzierte des Rankings 2015 erreicht diesen Börsenwert ganz allein.
Foto: dpaPlatz 88: Siemens
Börsenwert: 79 Milliarden Euro
Mit General Electric liegt ein direkter Konkurrent der Münchener 2015 nahezu uneinholbar in den Top 10. Im Bild: Siemens-Vorstandsvorsitzender Joe Kaeser.
Foto: dpaPlatz 81: Daimler
Börsenwert: 83 Milliarden Euro
Daimlers Chef-Designer Gordon Wagner präsentiert ein selbstfahrendes Konzeptauto zur Tokio Motor Show.
Foto: dpaPlatz 73: SAP
Börsenwert: 90 Milliarden Euro
Laut Analyse von Ernst & Young schafften es 2015 acht Technologiekonzerne unter die 100 wertvollsten Unternehmen weltweit. Einer davon: der deutsche Softwarekonzern SAP aus Walldorf. Die SAP-Aktie erreichte Ende Oktober erstmals seit 15 Jahren ein neues Allzeithoch und konnte den bisherigen Höchstwert aus dem Jahr 2000 brechen. Seitdem hält die Aktie sich auf Rekordniveau nahe der 75 Euro-Marke.
Foto: dpaPlatz 66: Bayer
Börsenwert: 96 Milliarden Euro
Der Chemiekonzern gilt weiterhin als Deutschlands wertvollster Konzern nach Marktkapitalisierung. Im Oktober brachte Bayer seine Kunststoffsparte unter dem Namen Covestro an die Börse.
Foto: dpaPlatz 15: China Mobile
Börsenwert: 212 Milliarden Euro
Mit 825 Millionen Kunden kommt der weltgrößte Mobilfunkanbieter - natürlich - aus China. Neben China Mobile schafften es in diesem Jahr zehn weitere chinesische Unternehmen unter die 100 wertvollsten Unternehmen.
Foto: REUTERSPlatz 14: Nestlé
Börsenwert: 216 Milliarden Euro
Ein Verkaufsroboter bietet in einem Tokioter Geschäft Kaffeemaschinen von Nestlé an. Unter den 100 wertvollsten Konzernen landeten 2015 nur drei Schweizer Unternehmen. Novartis schaffte es auf Rang 16, auf Platz 14 folgt Nestlé...
Foto: REUTERSPlatz 13: Roche
Börsenwert: 217 Milliarden Euro
... und Pharmariese Roche schafft es als dritter Schweizer Konzern in die Top 15.
Foto: REUTERSPlatz 12: JP Morgan Chase
Börsenwert: 224 Milliarden Euro
US-Konzerne wie die Bank JP Morgan dominieren das Ranking der wertvollsten Unternehmen - kein anderes Land schafft es in diesem Jahr in die Top 10. Die 54 US-Unternehmen unter den 100 wertvollsten bringen es nach Daten von Ernst & Young zusammen auf eine Marktkapitalisierung von 9,7 Billionen Dollar. Das entspricht etwa dem Bruttoinlandsprodukt Chinas.
Foto: REUTERSPlatz 11: Industrial and Commercial Bank of China (ICBC)
Börsenwert: 225 Milliarden Euro
Wertvollster chinesischer Konzern im Ranking ist ICBC. Um das schrumpfende Wachstum auf dem Heimatmarkt auszugleichen, startet ICBC seine Expansion in anderen Ländern: Mit dem Mischkonzern Tata als neuem Kunden soll vor allem das Südostasien-Geschäft anziehen.
Foto: REUTERSPlatz 10: Wells Fargo
Börsenwert: 255 Milliarden Euro
Die US-Bank Wells Fargo macht in den letzten Tagen Schlagzeilen, weil sie von der Commerzbank verklagt wird: Wells Fargo sei laut Klageschrift mit verantwortlich für Verluste in Höhe von 100 Millionen Dollar bei der Commerzbank, schreibt die "LA Times". Neben Wells Fargo richtet sich die Klage der Commerzbank noch gegen drei andere Banken, die für Verluste mit hypothekenbesicherten Wertpapieren aus der Finanzkrise 2008 aufkommen sollen.
Foto: REUTERSPlatz 9: Johnson & Johnson
Börsenwert: 262 Milliarden Euro
Um den Kontakt zur Weltspitze der wertvollsten Konzerne nicht zu verlieren, kooperiert der Pharma- und Konsumgüterhersteller jetzt mit Google. Die Firmentochter Ethicon hat sich mit Googles Tochter Verily zusammengeschlossen, um Medizinroboter zu entwickeln.
Foto: APPlatz 8: General Electric
Börsenwert: 265 Milliarden Euro
GE ist ein Börsenriese aus den Anfängen des Jahrtausends. 2005 und 2006 galt GE noch als wertvollstes Unternehmen weltweit - 2015 muss Platz 8 genügen.
Foto: dpaPlatz 7: Facebook
Börsenwert: 271 Milliarden Euro
Es war ein erfolgreiches Jahr für die großen Tech-Konzerne aus den USA. Auch Facebook schaffte ein Kursplus von 50 Prozent seit Jahresanfang. Konkurrent Twitter dürfte dagegen längst abgehängt sein - die Aktien des Kurznachrichtendienstes verloren seit ihrem Hoch im April fast 60 Prozent.
Foto: APPlatz 6: Amazon
Börsenwert: 283 Milliarden Euro
Der Konzern gilt als großer Gewinner 2015: Amazon konnte den Börsenwert im Vergleich zu Vorjahr mehr als verdoppeln. Keines der Top-50-Unternehmen konnte da mithalten. 2015 trug vor allem die Sparte Cloud Computing enorm zum Wachstum bei Amazon bei, über die der Versandriese Speicherplatz an Kunden vertreibt.
Foto: dpaPlatz 5: Exxon Mobil
Börsenwert: 301 Milliarden Euro
2009 führte Exxon Mobil noch die Rangliste der wertvollsten Unternehmen weltweit an. Ab 2011 musste sich der Konzern mit dem zweiten Platz genügen und fiel hinter Apple zurück. Jetzt rutschte Exxon gar von seinem dritten Platz im vergangenen Jahr auf Rang fünf ab.
Foto: APPlatz 4: Berkshire Hathaway
Börsenwert: 301 Milliarden Dollar
Nach einer Analyse der Berater von Ernst & Young stammen aus der Finanzbranche die meisten der 300 wertvollsten Unternehmen weltweit - nämlich 79. Warren Buffett steht mit seiner Holding Berkshire Hathaway an der Spitze dieser Konzerne.
Foto: REUTERSPlatz 3: Microsoft
Börsenwert: 405 Milliarden Dollar
Technologiekonzerne dominieren die Top 3 der Rangliste. Microsoft-Chef Satya Nadella konnte Kritiker im Herbst mit dem neuen Premium-Laptop Surface Book überzeugen, das jetzt Apple Konkurrenz machen soll. Anleger freute es, seit August gewann die Microsoft-Aktie ein Drittel an Wert.
Foto: APPlatz 2: Alphabet (Google)
Börsenwert: 474 Milliarden Euro
Seit Jahren arbeitet sich Google in der Liste der wertvollsten Unternehmen stetig nach oben. Weil die Aktie in diesem Jahr um 60 Prozent zulegte, ging es für den Konzern mit neuem Namen Alphabet erstmals auf Platz zwei.
Foto: APPlatz 1: Apple
Börsenwert: 549 Milliarden Euro
Neueröffnung eines Apple-Ladens in Chengdu, China. Schon seit 2011 ist kein Unternehmen der Welt an der Börse höher bewertet als der Technologieriese Apple.
Foto: REUTERSDenn Apple ist wie kein anderer Konzern abhängig vom Erfolg seiner teuren Smartphones (iPhone).
Von dem, je nach Modell, rund 700 bis zu 1100 Euro teuren Handy hängen mehr als zwei Drittel des Umsatzes und gut drei Viertel des Apple-Gewinns ab. Ein neuer Kassenschlager, der das iPhone als Umsatz- und Gewinnmaschine auf absehbare Zeit ersetzen oder wenigstens unterstützen könnte, ist nirgendwo in Sicht.
Zwar ist der Dienstagnacht verkündete Quartalsgewinn von 18,4 Milliarden Dollar ein neuer Bestwert. Doch Anleger bangen vor einer weniger glänzenden Zukunft.
Erstmals verkaufte Apple zwischen Oktober und Dezember nicht nennenswert mehr iPhones als im Quartal davor. Für das bereits laufende Quartal erwarten die meisten Analysten gar zum ersten Mal seit der Erfindung des iPhones einen leichten Rückgang.
Das iPhone büßt offenbar weltweit an Strahlkraft ein. Im vergangenen Quartal verkauften die Kalifornier gerade mal 74,8 Millionen Stück davon, das sind nur 300.000 mehr als im Vergleichsquartal des Vorjahres: de facto Nullwachstum. Das räumte auch Cook gestern Abend ein: Im kommenden Quartal rechne man zum ersten Mal in der Firmengeschichte mit einem leichten Rückgang der iPhone-Verkäufe.
Auch der Umsatz blieb mit 75,9 Milliarden Dollar klar unter den Erwartungen der Anleger und Analysten. Der Gewinn je Aktie konnte dagegen mit 3,28 Dollar die Erwartungen der Börse einigermaßen erfüllen.
Doch es sind die mittel- und langfristigen Aussichten, die Anleger in Scharen auf die Verkäuferseite bei der Aktie laufen ließen: „Was, wenn der Weltmarkt für 1000 Dollar teure Smartphones allmählich gesättigt ist?“, formuliert Analyst Timothy Arcuri von der Investmentbank Cowen & Co in San Francisco die Hauptsorge.
Ein Ersatz für die Gewinnmaschine ist nirgendwo in Sicht. Ein Kandidat wäre jedoch das Apple-Auto.
In seinem Buch "Genial Einfach" berichtet Hartmut Esslinger von seiner Zusammenarbeit mit Steve Jobs und wie dieser das Potential des Designs erkannte. Das Buch zeigt hunderte Skizzen und Bilder von den Ursprüngen der Designs. Im Folgenden eine kleine Übersicht.
Hier im Bild: Der Charme von 1982 spricht aus dieser Macintosh-Studie, die aus Faserstoffplatten gebaut wurde.
© Hartmut Esslinger & frog team
Diese Studie zeigt das MacBook 1, wie die Designer es sich 1982 vorstellten. Es erscheint aus heutiger Sicht als ein ziemlich dicker Brummer - im Vergleich zu anderen tragbaren Computern der Achtziger ist es aber schon ein zartes Pflänzchen.
© Hartmut Esslinger & frog team
Foto: PresseWaren Computer damals meist in einem Grau-Beige-Ton gehalten, entstand ab 1982 in der Zusammenarbeit zwischen Jobs und Esslinger das neue, moderne Farb- und Designkonzept "Snow White" (der englische Name des Märchens "Schneewittchen").
© Hartmut Esslinger & frog team
Foto: PresseDer Entwurf des Apple IIc von 1983 erinnert noch stark an eine Schreibmaschine. Bei diesem Modell wurde erstmals das neue Weiß eingesetzt. Das sollte den Computer kompatibler für Wohnräume machen.
© Hartmut Esslinger & frog team
Foto: PresseSchlanker kommt da schon dieser Entwurf des Macintosh SE von 1983/84 daher. Die Vision eines modernen Keyboards und der Maus zur Eingabe.
© Hartmut Esslinger & frog team, Foto: Dietmar Henneka
Foto: PresseMobiltelefone waren in den Achtzigerjahren noch halbe Telefonzellen. Wie unpraktisch, dachte sich schon damals das Apple-Design-Team - und entwarf 1983 etwa diese frühe Version eines Klapp-Handys.
© Hartmut Esslinger & frog team
Foto: PresseEine frühe Vision eines Tablet-Macs. Dieses Design stammt von 1982. Die Bedienung sollte über einen großen, klobigen Eingabestift funktionieren.
© Hartmut Esslinger & frog team
Foto: Presse1984: Eine Weiterentwicklung der MacBook-Idee und des Tablet-Designs. Diese MacBook-Studie hatte einen integrierten Touchscreen.
© Hartmut Esslinger & frog team, Foto: Rick English
Foto: Presse1985 macht dieser Entwurf eines "Baby Mac" schon was her. Tastatur und Maus sind farblich abgestimmt.
© Hartmut Esslinger & frog team, Foto: Victor Goico
Foto: PresseHartmut Esslinger: Genial Einfach – Die frühen Design-Jahre von Apple
296 Seiten, 400 Abbildungen in Farbe
€ 29,80 [D] | ISBN 978-3-89790-408-8 | Arnoldsche Art Publishers
Foto: PresseDoch Gerüchte, wonach es bei der Entwicklung marktreifer selbstfahrender Elektroautos immer wieder herbe Rückschläge gibt, reißen nicht ab. Das Tablet iPad, mit großen Hoffnungen gestartet, hat sich als zu schwach erwiesen, um ein zweites Standbein zu werden; ebenso kleinere Produkte wie die Apple-Watch.
Sie verkaufen sich ordentlich, können aber Schwächen beim iPhone nicht kompensieren. Apples Dienste, wie Music und Pay, sind ebenfalls kein Ersatz für das darbende Brot- und Buttergeschäft. Sie bringen bestenfalls einstellige Milliardenumsätze und dienen ohnehin mehr der Kundenbindung: Mit möglichst vielen bequemen Apple-eigenen Apps sollen Kunden dazu gebracht werden, auch das nächste teure iPhone zu bestellen und nicht etwa ein Modell der Konkurrenz.
Diese Rechnung dürfte zwar weiter aufgehen; Apples größtes Asset ist die im Vergleich zu anderen Handyherstellern extrem loyale Kundenbasis. „Die große Frage ist, ob diese Basis weiter wachsen kann“, sagt Analyst Alex Gauna von JP Morgan Securities in San Francisco. Apple-Chef Cook war am Dienstagabend sichtlich bemüht, Zuversicht in dieser Hinsicht zu verbreiten.
Wichtigster Markt ist inzwischen China; dort gehe man durch eine „vorübergehende konjunkturelle Schwäche“, so Cook, die Apple, ebenso wie alle anderen westlichen Hersteller treffe. Die Abwertung der chinesischen Währung der vergangenen Wochen macht die iPhones zudem teuer im Vergleich zu den Geräten der chinesischen Handyhersteller.
Cook gab sich jedoch überzeugt, dass sich das China-Geschäft im laufenden Jahr stabilisieren werde. Die Mittelschicht des Landes wachse nach wie vor und eine bessere Netzabdeckung mit dem modernen Mobilfunkstandard G4 mache teure leistungsfähige Smartphones wie das iPhone wieder attraktiver, so Cook.
Anleger sollten die Aktie nun aber im Auge behalten; dass Apple in absehbarer Zeit einen katastrophalen Gewinneinbruch erleidet, ist ebenso extrem unwahrscheinlich wie eine Rückkehr zu hohem zweistelligen Wachstum.
Irgendwann 2016 wird auch der Verkaufsdruck auf der Apple-Aktie nachlassen und schließlich zum Erliegen kommen. Zieht man die immensen Cash-Bestände Apples vom Börsenwert ab, nähert sich das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Kalifornier basierend auf den Gewinn-Schätzungen für das laufende Jahr inzwischen der 7. Bei allen Zukunftssorgen: das ist zu billig.
Allerdings fehlt noch die letzte Runde des Apple-Ausverkaufs. Zu viele große Fonds zögern noch mit Verkäufen; bisher sind im Wesentlichen kurzfristig orientierte Anleger wie Hedgefonds ausgestiegen. Auf rund 80 Dollar könnte die Aktie bei anhaltend schlechten Nachrichten durchaus noch fallen. Spätestens dann dürfte Apple aber wertorientierte Anleger anlocken.