Brasilien: Kampf gegen Korruption und Männerherrschaft

Brasilien: Kampf gegen Korruption und Männerherrschaft

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Effizienz als weibliche Tugend: Rousseff kämpft gegen den Schlendrian

von Alexander Busch

Präsidenten Dilma Rousseff räumt seit ihrem Amtsantritt gnadenlos auf. Nun geht es zwei Konstanten der brasilianischen Politik an den Kragen: Korruption und Männerherrschaft.

Sechs Minister hat die einstige Guerillakämpferin Dilma Rousseff entlassen, seit sie zu Jahresbeginn als Staatspräsidentin die Nachfolge ihres Parteifreundes Lula da Silva angetreten hat. Bei fünf der geschassten Kabinettsmitglieder war Korruption der Entlassungsgrund.

So hatte der 81-jährige Tourismusminister Pedro Novais umgerechnet 900 Euro für Ausgaben im Stundenhotel auf Staatskosten abgerechnet – und musste zurücktreten. Ebenso Rousseffs ursprünglicher Chef des Präsidialamts, der nebenbei Millionen als Lobbyist verdient hatte.

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Ende Oktober erwischte es als bisher letztes Kabinettsmitglied den bisherigen Sportminister Orlando Silva. Der wird beschuldigt, einen Karton voller Geld als Schmiergeld erhalten zu haben – ausgerechnet von den Verantwortlichen eines staatlich geförderten Sportprogramms für Kinder aus Armenvierteln. Alles besonders peinlich, weil das Sportministerium auch für die teuren und imageträchtigen brasilianischen Großereignisse der kommenden Jahre zuständig ist: die Fußballweltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele 2016.

Präsidentin räumt gnadenlos auf

Ex-Minister Silva beteuert seine Unschuld, aber die Präsidentin räumt gnadenlos auf. Die Brasilianer fragen sich schon, welcher Minister der Nächste sein wird. Favoriten in den Medien sind derzeit der Minister für Stadtentwicklung, wegen des plötzlichen Subventionsregens auf eine Kleinstadt, in der seine Gattin als Bürgermeisterin amtiert, und der Arbeitsminister, dem vorgeworfen wird, er habe über fiktive Gewerkschaften Geld für sich und seine Partei besorgt.

Seit ihrem Amtsantritt kehrt die 63-jährige Präsidentin mit eisernem Besen und verändert die Spielregeln des politischen Systems im Land. Schon als Energieministerin und als Chefin des Präsidialamts unter ihrem Vorgänger Lula machte die fachlich den meisten Kabinettskollegen haushoch überlegene Energieexpertin und Ökonomin manchen Machopolitiker zur Schnecke – jetzt aber hat sie den Kampf gegen zwei scheinbar unerschütterliche Konstanten der brasilianischen Politik aufgenommen: Korruption und Männerherrschaft.

Gestürzte Herren werden nach Möglichkeit durch Frauen ersetzt

Dilma Rousseff wirft mit den korrupten Ministern nicht nur deren ganze Sippen heraus, bis ins zweite Glied. Sie ersetzt die gestürzten Herren außerdem nach Möglichkeit mit Frauen. Neun von insgesamt 38 Kabinettsmitgliedern sind inzwischen weiblich. Politikerinnen wie die Umweltministerin Izabella Teixeira und die neue Präsidialamtschefin Gleisi Helena Hoffmann, Nachfahrin deutscher Einwanderer, prägen das Bild der Regierung. Aber auch bei nachgeordneten Behörden, in der Justiz und in den staatseigenen Konzernen haben Frauen jetzt Priorität.

Bisher fand man kaum Frauen in den Spitzenpositionen der brasilianischen Politik und Wirtschaft. In den 100 größten Unternehmen gibt es nur vier weibliche Vorstandsvorsitzende, in den Vorständen und Aufsichtsräten finden sich insgesamt nur neun Prozent Frauen. Nach der neuesten Untersuchung des World Economic Forum rangiert Brasilien mit seiner Frauenpräsenz in der Politik auf Platz 114 unter 125 Staaten – nur in meist islamischen Staaten sind Frauen noch weniger vertreten.

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