Flüchtlingskrise: Der Türkei-Deal lässt die Preise für Schleuser sinken

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Flüchtlingskrise: Der Türkei-Deal lässt die Preise für Schleuser sinken

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Schleuser: Omar bringt Syrer, Iraker, Afghanen und andere Migranten von der Türkei nach Griechenland.

von Philipp Mattheis

Omar bringt Flüchtlinge von der Türkei nach Griechenland. Das Abkommen mit der EU hat sich schon vor Inkrafttreten auf sein Geschäft ausgewirkt.

Die ersten Stunden nach Sonnenuntergang waren für Omar in den letzten zwei Jahren die anstrengendsten. Da holte er die Syrer, Afghanen, Iraker, und manchmal auch Schwarzafrikaner in den Parks von Istanbul ab. Der bärtige Mann mit den müden Augen führte sie zu einer Unterkunft, wo sie die Nacht verbrachten. Früh am nächsten Morgen übernahm dann ein Kollege mit einem Mini-Bus die menschliche Fracht und brachte sie nach Izmir an die Küste. Die Männer, Frauen und Kinder wurden in ein Schlauchboot gesetzt und auf einer der griechischen Inseln abgesetzt. 600 bis 800 Euro kostete dieser Trip zuletzt.

Zehn Prozent des Verkaufspreis gingen an Omar, der Rest ging an seine Bosse. "Kurden und Türken stehen an der Spitze der Organisationen", sagt er. Sie seien zum Teil schon seit den Achtzigern im Geschäft. "Syrer wie ich sind eher kleine Fische."

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Omar verdiente trotzdem gut damit: Zwischen 5000 und 8000 Euro im Monat. Der Istanbuler Stadtteil Aksaray lebte direkt oder indirekt von den Flüchtlingen: Schwimmwesten, Hotelzimmer, syrisches Essen. Das arabisch geprägte Viertel im europäischen Teil der Stadt war bislang die wichtigste Zwischenstation für Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Europa. Jetzt ist es ruhig dort geworden.

Reaktionen zu möglichen Grenzschließungen

  • Außenhandelsverband BGA

    Anton Börner, Präsident des Außenhandelsverband BGA, warnt im "Tagesspiegel" vor Grenzschließungen. Rund 70 Prozent des deutschen Außenhandels würden innerhalb Europas abgewickelt. "Vor diesem Hintergrund werden sich die Kosten alleine für die internationalen Straßentransporte um circa drei Milliarden Euro verteuern."

  • DIHK

    "Durch Staus und Wartezeiten, zusätzliche Bürokratie oder zum Beispiel die Umstellung von Just-in-time-Lieferung auf deutlich teurere Lagerhaltung können sich die Kosten für die deutsche Wirtschaft schnell auf zehn Milliarden Euro pro Jahr summieren", mahnt DIHK-Geschäftsführer Martin Wansleben.

  • Alexander Graf Lambsdorff

    Der Vize-Präsident des Europaparlaments, Alexander Graf Lambsdorff (FDP), sagte der "Rheinischen Post": „Die Schließung der deutschen Grenzen wäre ein Debakel für die Flüchtlinge, für die Wirtschaft, aber auch für Millionen Pendler und Urlauber.“

  • Katarina Barley

    "Verstärkte Kontrollen ist was anderes, aber eine komplette Schließung ist absolut illusorisch. Und man sollte den Leuten da keine Scheinlösungen anbieten“, sagte SPD-Generalsekretärin Katarina Barley im Deutschlandfunk. 

  • Armin Laschet

    "Wenn die Grenzen geschlossen würden, ist Schengen gefährdet. Das hat ebenfalls große Auswirkungen auf Deutschland, auf Arbeitsplätze in Deutschland", sagte der nordrhein-westfälische CDU-Landesvorsitzende Armin Laschet.

Vor drei Wochen haben Omar und seine Kollegen ihr Büro in Istanbul geschlossen. Vorerst. Das Abkommen der Europäischen Union mit der Türkei hat für Aufregung in der Schleuser-Szene gesorgt.

Ab 4. April soll die Türkei illegal nach Griechenland einreisende Flüchtlinge zurücknehmen. Für jeden wiederaufgenommenen Flüchtling will Brüssel im Gegenzug einen Syrer legal in die EU einreisen lassen. Kann das klappen?

Omar ist skeptisch. "Im Moment warten alle ab", sagt er.

Vor der Rückführung Flüchtlinge brechen aus Auffanglager aus

Dramatische Szenen in Griechenland. Flüchtlinge in den Auffanglagern liefern sich heftige Auseinandersetzungen. Auf der Insel Chios durchbrechen Hunderte einen Maschendrahtzaun.

Vor der erwarteten Zustimmung Griechenlands zum Flüchtlingspakt der EU mit der Türkei ist es erneut zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Migranten gekommen. Quelle: dpa

Das bedeutet nicht, dass es im Moment keine illegalen Einreisen nach Europa gibt. Etwas über 25.000 Flüchtlinge kamen im März in Griechenland an. Das sind noch immer drei Mal so viele wie im selben Monat vor einem Jahr. Allerdings sind die Zahlen im Vergleich zu den Vormonaten stark gesunken. Im Januar kamen noch 67.000 Menschen in Griechenland an.

Nur hat sich die Preisstruktur verändert. Die Preise für Überfahrten sind auf 500 Euro und weniger gesunken. "Schleuderpreise", sagt Omar. "Manche Kollegen versuchen noch, die Dümmsten und Verzweifelten zu überreden, überzusetzen."

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