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Steigende Lebensmittelpreise in FinnlandFinnen flüchten zu Lidl

In Finnland werden Lebensmittel immer teurer. Der deutsche Discounter Lidl erlebt einen Kundenansturm – und rationiert zum Teil die Verkäufe.Tim Rahmann 06.02.2013 - 06:19 Uhr

Lidl profitiert von den steigenden Lebensmittelpreisen in Finnland. Immer mehr Bürger in dem Euro-Land kaufen beim deutschen Discounter ein.

Foto: dpa

Auf den ersten Blick ist alles wie in Deutschland: Das blau-gelb-rote Lidl-Logo hat seinen festen Blick in der oberen linke Ecke des finnischen Werbeprospekts. Der Discounter wirbt mit Produkten, die auch der deutsche Kunde kennt, und über den Preisen wird in der roten Signalfarbe auf den Rabatt hingewiesen. Um 21 Prozent ist Gulasch in dieser Woche reduziert. Dennoch – und spätestens hier wird der deutsche Lidl-Kunde schlucken – kostet die Packung 4,29 Euro. Einen Schokoriegel gibt es für einen Euro und Lachs in der 1-Kilogramm-Packung kostet 9,99 Euro. Preise, mit denen der Discounter in Deutschland seine Kunden scharenweise zur Konkurrenz treiben würde. Doch in Finnland ist Lidl mit diesen Preisen mehr als konkurrenzfähig.

Platz 10: ITM Enterprises*

Umsatz: 42,9 Milliarden Euro

Food-Umsatz: 37,5 Milliarden Euro

Bekannteste Marke der französischen ITM-Gruppe sind die Intermarché-Supermärkte, von denen es europaweit mehr als 2000 gibt.

Quelle: Ranking des Handelsanalysten Planet Retail, 2011

Foto: Screenshot

Platz 9: Leclerc

Umsatz: 35,8 Milliarden Euro

Food-Umsatz: 22,8 Milliarden Euro

Die französische Kette betreibt 560 Supermärkte in Frankreich und weitere 114 weltweit. 96.000 Menschen sind bei Leclerc beschäftigt.

Foto: Screenshot

Platz 8: Aldi

Umsatz: 42,4 Milliarden Euro

Food-Umsatz: 35,8 Milliarden Euro

Die Lebensmittel-Discounter Lidl und Aldi buhlen um ihre Marktmacht in Europa. Aldi schafft es immerhin auf Platz 8 der größten europäischen Händler. Lidl liegt als Bestandteil der Schwarz-Gruppe um ein paar Ränge höher.

Foto: dpa

Platz 7: Edeka

Umsatz: 44,8 Milliarden Euro

Food-Umsatz: 37,5 Milliarden Euro

Edeka ist seit 2005 der größte Verbund im deutschen Einzelhandel. Zu der Gruppe gehören 12.000 Märkte mit über 300.000 Mitarbeitern. Tochtergesellschaften sind unter anderem SPAR und Netto-Markendiscount. Jetzt will Edeka mit kräftigen Investitionen in die Supermärkte und die Netto- Filialen der Konkurrenz weitere Marktanteile abknöpfen. Der Umsatz des Edeka-Verbundes stieg 2012 um 3,8 Prozent. Wachstumsmotor waren die selbstständigen Edeka-Händler mit einem Umsatzplus von 6,4 Prozent auf 21,3 Milliarden Euro. Netto Marken-Discount legte um 5,2 Prozent auf 11,3 Milliarden Euro zu. „Es ist uns gelungen, die Marktanteile auszubauen“, sagte der Chef der Edeka AG, Markus Mosa. Die Gesamtinvestitionen des Verbundes steigen 2013 um 200 Millionen auf 1,65 Milliarden Euro.

Foto: CLARK/obs

Platz 6: Metro

Umsatz: 47,2 Milliarden Euro

Food-Umsatz: 28 Milliarden Euro

Die deutsche Metro-AG ist die Dachgesellschaft mehrerer Groß- und Einzelhandelsunternehmen. Zu ihr gehören unter anderem die Vertriebsmarken Real, Saturn oder Galeria-Kaufhof. Bisher ist sie mit ihren Marken in 33 Ländern vertreten.

Foto: dapd

Platz 5

Umsatz: 48,7 Milliarden Euro

Food-Umsatz: 38,1 Milliarden Euro

Die Rewe-Gruppe belegte in Europa 2011 Rang fünf der größten Händel - in Deutschlands ist Rewe derzeit zweitgrößte Lebensmittelhändler. Seit Mai versucht sich Rewe in Großstädten mit "REWE to go"-Shops als Konkurrent zu Fastfood-Ketten und Bäckereien.

Foto: dapd

Platz 4: Auchan

Umsatz: 49,8 Milliarden Euro

Food-Umsatz: 31,6 Milliarden Euro

Die dritte französische Kette im Ranking der größten Händler Europas ist der französische Supermarkt-Riese Auchan. Auchan ist in zwölf Ländern aktiv und beschäftigt fast 270.000 Menschen. Der Konzern betreibt mehr als 600 sogenannte "hypermarché" und 760 normal große Supermärkte. 55 Prozent des Umsatzes macht Auchan außerhalb Frankreichs.

Foto: Screenshot

Platz 3: Tesco

Umsatz: 61,9 Milliarden Euro

Food-Umsatz: 41,4 Milliarden Euro

Tesco ist die größte Handelskette in Großbritannien und die drittgrößte in Europa. Für Tesco arbeiten mehr als 470.000 Menschen. Die Kette betreibt allein in Großbritannien mehr als 2700 Supermärkte. 2003 wurde die Kette für die effizienteste Einkaufsmöglichkeit in Europa nach Aldi und Lidl ausgezeichnet.

Foto: AP

Platz 2: Schwarz-Gruppe

Umsatz: 62,9 Milliarden Euro

Food-Umsatz: 49,8 Milliarden Euro

Bekannteste Marke der Schwarz-Unternehmensgruppe ist der Discounter Lidl. Dem Konzern gehören auch die Kaufland-Supermärkte.

Foto: AP

Platz 1: Carrefour

Umsatz: 79 Milliarden Euro

Food-Umsatz: 57 Milliarden Euro

Das 1959 gegründete französische Einzelhandelsunternehmen ist das größte Europas. International liegt Carrefour mit mehr als 9000 Filialen auf Platz zwei. Die Hälfte der Carrefour-Supermärkte betreibt der Konzern im Heimatland Frankreich. Aus Tschechien und der Slowakei hat sich der Konzern zurückgezogen und den Markt der britischen Supermarktkette Tesco im Austausch für Taiwan überlassen. Auch aus Griechenland hat sich Carrefour verabschiedet. Weitere Verkaufskandidaten könnten Filialen in der Türkei, Polen und Indonesien sein.

Foto: Reuters

„So richtig bringt das Einkaufen in Finnland keinen Spaß mehr“, sagt Esther Kreutz. Die junge Mutter, gebürtig aus Neu-Anspach bei Frankfurt, lebt seit sieben Jahren in dem Nordstaat. „Es war schon immer teuer, hier zu leben. Das Problem ist, dass die Preise immer weiter steigen. Zuletzt zu Jahresbeginn.“ Inzwischen liegen die Preise in Finnland 24,7 Prozent über dem Durchschnitt der 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. Zum Vergleich: Deutschland liegt nur winzige 3,2 Prozent über dem Durchschnitt. Bei den Lebensmitteln ist es besonders gravierend. Käse ist fast 60 Prozent teurer als in Deutschland, Schokolade und Brot sind mindestens 50 Prozent teurer.

Preisvergleich Finnland - Deutschland
Sind die Lebensmittel in Finnland wirklich so teuer? WirtschaftsWoche Online hat die Prospekte von Discounter Lidl in Deutschland und Finnland Ende Januar/ Anfang Februar studiert und die Preise verglichen.
Drei Salami-Tiefkühlpizzen der Marke Alfredo kosten regulär im finnischen Lidl-Markt 3,99 Euro. Im Angebot gibt es das Dreierpack für 2,99. In Deutschland kosten die drei Pizzen regulär nur 2,49 Euro. In Finnland kosten sie damit 60 Prozent mehr.
In Deutschland kostet die 400-Gramm-Packung von Dulano regulär 1,99 Euro. In Finnland kostet die gleiche Packungsgröße – hier ist das Kebab-Fleisch von der Marke Marvest – normalerweise 3,49 Euro. Reduziert bietet Lidl das Fleisch auch in Finnland für 1,99 Euro an. Regulär allerdings ist das Kebab in Finnland 75 Prozent teurer.
Abgepackter Tilsiter der Marke Milbona in der 400-Gramm-Packung kostet bei Lidl in Deutschland regulär 1,89 Euro. Im Angebot gibt es den Käse 26 Prozent günstiger, also für 1,39 Euro. 100 Gramm kosten demzufolge 35 Cent.In Finnland kostet die 200-Gramm-Packung Gouda, Marke Linessa regulär 1,69 Euro. Derzeit ist der Käse im Angebot. Er ist 30 Prozent günstiger und kostet 1,19 Euro. Das sind 59,5 Cent pro 100 Gramm. Der Käse ist demnach in Finnland rund 59 Prozent teurer.
Gleiches Produkt, ungleicher Preis: Orangensaft im 1,5-Liter-Tetrapack kostet in Deutschland 0,89 Euro. In Finnland gibt es den Orangennektar derzeit im Angebot für 0,99 Euro. Regulär kostet das Tetrapack 1,39 Euro. Damit ist der Orangensaft in Finnland normalerweise 56 Prozent teurer.
Der italienische Käse aus Kuhmilch der Marke Lovilio kostet in der 125-Gramm-Packung in Deutschland regulär 0,49 Euro. In Finnland gibt es den gleichen Käse derzeit für 0,45 Euro – er ist bei Lidl im Angebot und um 43 Prozent reduziert. Normalerweise kostet der Mozzarella 0,79 Euro und damit 61 Prozent mehr als in Deutschland.

Zwei Gründe sind dafür maßgeblich, erklärt Torsten Pauly, der seit knapp zwei Jahren in Helsinki lebt und dort Repräsentant bei "Germany Trade & Invest" ist, der Bundesgesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing.  „Finnland ist ein sehr kleiner Markt. In einem flächenmäßig sehr großen Land, in dem die Spediteure weite Wege zurücklegen müssen, leben nur etwas mehr als 5,3 Millionen Menschen. Das ist eine überschaubare Zielgruppe.“ Zudem sei der Einzelhandel oligopolistisch geprägt. Es gibt nur vier große Unternehmen auf dem Lebensmittelmarkt: Die finnischen Handelskonzerne S-Gruppe, K-Gruppe und Suomen Lähikauppa und der deutsche Discounter Lidl kommen gemeinsam auf über 94 Prozent Marktanteil. „Bäckerei- oder Fleischerketten gibt es in Finnland kaum“, sagt Pauly. Selbst in Helsinki nicht. Auch Bio-Läden sind eine Rarität.

Geringer Wettbewerb in Finnland

Die großen Konzerne können so fast willkürlich die Preise festlegen. Wie in Deutschland auf dem Benzinmarkt gilt: Eine Krähe sticht der anderen kein Auge aus. „Der Wettbewerb ist sehr gering“, sagt Pauly.

Lidl profitiert vom hohen Preisniveau bei den Lebensmitteln. Ohne die Zahl der Filialen zu vergrößern, konnte der deutsche Discounter nach eigenen Angaben seinen Marktanteil von fünf auf rund sieben Prozent ausbauen. Vor allem die Rabatte des gelb-blau-roten Riesen wecken regelmäßig die Aufmerksamkeit der Kunden. Um Hamsterkäufe zu verhindern, rationiert Lidl die Ausgabe von Lebensmitteln. Unglaublich, aber wahr: Mehr als zwei Torten und zwei 500-Gramm-Packungen Kebab-Fleisch darf kein Kunde kaufen.

Wissenswertes über Finnland
Finnland ist zwar nur wenig kleiner als Deutschland, dafür hat das Land im Norden lediglich 5,4 Millionen Einwohner. Die Mehrheit davon wohnt im Süden des Landes und im Großraum Helsinki. Etwa 40 Prozent der Bevölkerung leben in Südfinnland, das entspricht einer Dichte von 62,6 Einwohnern pro Quadratkilometer. Im Norden des Landes, in Lappland, sind es nur 1,9 Einwohner je Quadratkilometer.
Die finnische Nationalhymne wird in mehrfacher Hinsicht geteilt: Zum einen benutzt Estland die gleiche Melodie (komponiert von Fredrik Pacius) als Nationalhymne, zum andern existiert die finnische Hymne in zwei Sprachen. Ein Großteil der Bevölkerung singt die Maamme (finnisch), während ein kleiner Teil Vårt land (schwedisch) singt. Die autonome Provinz Åland hat ihre ganz eigene Nationalhymne, das Ålänningens sång.
Wegen der schwedischen Minderheit müssen alle Gemeinden, in denen Finnisch und Schwedisch sprechende Menschen leben, Unterricht in beiden Sprachen anbieten. Die Schulpflicht gilt in Finnland wie auch in Deutschland bis zum 16. Lebensjahr. Neun Jahre lang gehen die Finnen in die peruskoulu, eine Art gemeinsame Grundschule.
In Finnland haben drei Konzerne die Macht über den Lebensmittel- und Getränkemarkt: S-Markt, K-Markt und Suomen Lähikauppa halten gemeinsam fast 90 Prozent. Ausländische Konzerne und Ketten haben es wegen des geringen Marktvolumens eher schwer. Bäckerei- oder Fleischerketten gibt es in Finnland kaum.
Die Finnen verkaufen seit jeher Holz und Papier. In den Siebzigerjahren machten diese Industriezweige über die Hälfte des finnischen Exportes aus. Dann kamen Nokia und Co. und Finnland wandelte sich von einer Agrar- zu einer Dienstleistungsgesellschaft. Doch auch heute noch stellen die finnischen Wälder den wichtigsten Rohstoff des Landes dar. Dennoch sind mittlerweile Maschinen der finnische Exportschlager (8,4 Milliarden Euro in 2010). Sie machen 16 Prozent des Exports aus. Gefolgt von Papier und Pappe mit 14 Prozent (7,3 Milliarden Euro im Jahr 2010). Außerdem ist Heavy Metal in Finnland ausgesprochen populär. Die Finnen versorgen Europas und Amerikas Metal-Fans mit Rock- und Metalbands wie Children of Bodom, Nightwish oder dem Eurovision Song Contest-Gewinner Lordi.
Namhafte Finnen sind die Regisseure Aki und Mika Kaurismäki, die Komponisten Jean Sibelius und Levi Madetoja, sowie die Rennfahrer Mika Häkkinen und Kimi Räikkönen. Der reichste Finne ist laut aktueller Forbes-Liste übrigens Antti Herlin, der es dank seiner Maschinenbau- und Servicefirma KONE Corporation auf ein Vermögen von rund zwei Milliarden Dollar gebracht hat.
Der gemeine Finne betätigt sich gern sportlich, zum Teil auch in kuriosen Disziplinen. Großer Beliebtheit erfreut sich in Finnland beispielsweise das Frauentragen. Die "Wife Carrying World Championship Games" finden in Sonkajärvi in Ostfinnland seit 1992 statt. Genauso beliebt sind Melkschemel- oder Handy-Weitwurf, Mückenklatschen und Beeren pflücken als Teamsport. Seit 2011 finden übrigens auch Weltmeisterschaften im Schlammfußball in Finnland statt.
Alkohol ist in Finnland verhältnismäßig teuer, auch wenn 2004 die Alkoholsteuer um 33 Prozent gesenkt worden ist. Auch der Verkauf ist streng reglementiert: Getränke mit mehr als 4,7 Prozent Alkoholgehalt dürfen nur in staatlichen Monopolgeschäften, den Alkoshops, verkauft werden. Wer in der Kneipe eine Flasche Bier bestellt, muss 18 Jahre alt sein und mit fünf Euro pro Flasche rechnen. Vom Trinken scheint das die Finnen aber nicht abzuhalten. Im Jahr 2005 war Alkohol die häufigste Todesursache unter Finnen im arbeitsfähigen Alter.

„Lidl Finnland erzielt eine rege Nachfrage, etwa durch Gastronomen“, erklärt das Unternehmen gegenüber WirtschaftsWoche Online. „Weil Lidl aber alle Privatkunden und Haushalte gleichermaßen bedienen möchte, kann es dazu kommen, dass Artikel nur in begrenzter Stückzahl abgegeben werden – eine Praxis, die im finnischen Lebensmitteleinzelhandel durchaus gängig ist und von unseren Kunden akzeptiert wird.“

Das gilt für Fleisch, Tiefkühlkost und Schokolade, aber auch für Obst und Gemüse. Die Mitarbeiter an der Kasse kontrollieren die Einhaltung der Regeln – auf die im Prospekt auch hingewiesen wird. Lidl und seine Konkurrenten wollen mit der begrenzten Abgabe von Lebensmitteln nicht nur die Kunden zufrieden stellen, sondern auch Konflikte mit dem finnischen Wettbewerbsrecht verhindern. Denn wer Angebote ankündigt, muss diese auch im gesamten Aktionszeitraum gewährleisten. „Hinweise wie ,solange der Vorrat reicht‘ sind nicht zulässig“, bedauert Lidl.

Für die Kunden ist der Einkauf so oft mühsam. „Ein typisches finnisches Kaufverhalten kann ich in meinem Bekanntenkreis nicht erkennen “, sagt Esther Kreutz. Viele Familien würden am Freitag einen großen Wocheneinkauf machen, andere eher in kleinen Schüben. „Ich kaufe eher spontan ein und schaue, was gerade im Angebot ist.“

Lidl versus Aldi

Längst rufen die Bürger nach dem Staat, fordern Deregulierung und eine Entlastung bei den Preisen. Doch statt etwa die Mehrwertsteuer zu senken, erhöhte die Regierung in Helsinki die Konsumabgabe. Zum Jahresbeginn stieg sie von 23 auf 24 Prozent (Deutschland: 19 Prozent). Auf Lebensmittel gilt eine reduzierte Umsatzsteuer, doch die liegt immerhin noch bei 14 Prozent (Deutschland: sieben Prozent). Grund für die Erhöhung der Mehrwertsteuer ist die Schuldenkrise.

Die teuersten US-Marken: Rund 180 Millionen Amerikaner stürmen Jahr für Jahr die Läden des wertvollsten US-Einzelhändlers Wal-Mart. Vor allem mit Schnäppchen und Kampfpreisen macht der Warenhausgigant aus Bentonville, Arkansas, hohe Umsätze - doch die Billig-Strategie hat Folgen. Zwischen November und Januar ging der Gewinn um fast 15 Prozent auf 5,2 Milliarden Dollar zurück. Laut Interbrand ist der Konzern mit 139 Milliarden Dollar die wertvollste US-Händler-Marke.

Foto: REUTERS

Die wertvollsten Marken im asiatisch-pazifischen Raum: Mit einem Wert von 4,2 Milliarden Euro belegt Woolworths den Rang 1 - gegenüber 2011 konnte die Marke um fünf Prozent zulegen.

Foto: REUTERS

Europas umsatzstärkste Warenhauskette El Corte Inglés leidet gerade unter der Konsumkrise in Spanien und Portugal und muss beim Ranking gegenüber 2011 einen Markenwertverlust von satten 23 Prozent hinnehmen. Unter den spanischen Einzelhändlern ist der Konzern die Nummer 2 und kommt auf einen Markenwert von 1,82 Milliarden Dollar.

Foto: Presse

Nach den Berechnungen der Interbrand-Experten ist Target der zweitwertvollste US-Discount-Einzelhändler. Die Billigmarkt-Kette ist vor allem beliebt bei der wohlhabenden Kundschaft unter 45 und hat außerhalb von Amerika noch keine Filialen. Im nächsten Jahr plant das Unternehmen, in Kanada 220 Niederlassungen zu eröffnen. Markenwert: 23, 4 Milliarden Dollar.

Foto: REUTERS

Die teuersten deutschen Marken: In Deutschland ist Aldi die wertvollste Einzelhandelsmarke - beim Markenwert kommt der Discounter auf 3,1 Milliarden Dollar, büßt allerdings elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr ein. Aber: Aldi Nord und Aldi Süd haben trotz der Verluste einen der höchsten Markenwerte über das gesamte Ranking hinweg.

Foto: dpa

Edeka kann seinen Markenwert um acht Prozent auf 1,43 Milliarden Dollar steigern, schiebt sich auf Rang zwei vor und verdrängt damit Media Markt aus den Top 3. Der deutsche Einzelhandel ist geprägt von einer hohen Marktkonzentration. Fast 40 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes wird allein von den fünf größten Einzelhandelsunternehmen - Aldi, Metro, Edeka, Rewe und der Schwarz-Gruppe - generiert.

Foto: dpa

Rang 3: Lidl konnte den Markenwert um sensationelle 20 Prozent auf 1,41 Milliarden Dollar steigern und schließt damit zum direkten Konkurrenten Aldi auf. Damit gehört der Discounter in diesem Jahr zu den Aufsteigern der Interbrand-Studie.

Foto: ZB

Marks & Spencer (M&S): Die Lebensmittelhandelskette ist nach Tesco die zweitwertvollste Marke (6,26 Milliarden Dollar) in England. Der traditionsreiche Konzern vertreibt aber auch Bekleidung und ist der größte Textilhändler auf der Insel. Aber auch im Ausland sind die Engländer aktiv - Punkten konnte M&S vor allem zuletzt in Indien und China, wo die Kundschaft vor allem den Lieferservice schätzt. Im vergangenen Jahr hat der Großkonzern seinen Markenwert um drei Prozent gesteigert. Dabei profitiert er auch von der 2010 ins Leben gerufenen Nachhaltigkeits-Strategie "Plan A": Über einen Zeitraum von fünf Jahren sollen 55 Millionen Euro in die Entwicklung nachhaltiger neuer Produkte und -Dienstleistungen investiert werden. Das Unternehmen möchte so eine Führungsrolle unter den Einzelhändlern übernehmen.

Foto: REUTERS

Die teuersten Marken in Frankreich: Der französische Handelskonzern Carrefour ist nicht nur die wertvollste Marke im Land, sondern auch Europas größter Einzelhandelskonzern. Wegen der Schuldenkrise und der damit einhergehenden Kaufzurückhaltung auch auf dem wichtigen Heimatmarkt ist der Umsatz des Metro-Konkurrenten allerdings zuletzt geschrumpft. Auch der Markenwert des Konzerns ist um 17 Prozent auf 11 Milliarden Dollar eingebrochen. Im Januar kündigten die Franzosen an, wegen des harten Wettbewerbs in Europa die geplante Eröffnung von Großfilialen Land für Land zu überprüfen. Carrefour ist mit mehr als 9.500 Läden in 32 Ländern vertreten.

Foto: REUTERS

Die Nummer zwei in Frankreich: Die Supermarktkette Auchan (im Bild Werbung für eine Moskauer Filiale) kommt auf einen Markenwert von 3,2 Milliarden Dollar und konnte 2011 gut zehn Prozent beim Wert zulegen. Auchan hat bereits im Jahr 2000 das "Drive"-Konzept entwickelt. Dabei bestellt der Kunde per Internet seine Ware und holt sie dann selbst mit dem Auto im Supermarkt oder einem Depot ab. Der Clou: Bei diesem Konzept nimmt der Kunde dem Händler den Transport der Ware auf den letzten Kilometern ab. Auchan war der erste Händler, der in seinen Läden eine Abteilung "Self Discount" einführte. Dabei packt der Kunde losen Kaffee, Reis oder Nudeln selbst in Tüten.

Foto: REUTERS

Die teuersten Marken in Spanien: Spanien hat der Welt durchaus einiges zu bieten. Nicht nur iberischer Schinken, Olivenöl oder Manchego-Käse, auch die zum großen Teil in Spanien entworfenen und produzierten Textilkreationen von Zara werden international geschätzt. Das Ranking im Heimatland führt das Textilunternehmen mit einem Wert von über 8 Milliarden Dollar als Nummer 1 an - dabei hat der Konzern beim Markenwert gegenüber 2011 um acht Prozent zugelegt.

Foto: REUTERS

Die teuersten UK-Marken: England ist Tesco-Land. Bei dem wertvollsten Einzelhändler (Markenwert 11 Milliarden Dollar) der Nation kaufen die Menschen, weil es billig ist und wer auf der Insel einen Supermarkt sucht, wird im Zweifel immer einen Tesco finden. Die Marke hat im vergangenen Jahr ihren Wert um neun Prozent gesteigert und ist weltweit die viertgrößte Handelskette hinter Walmart, Carrefour, und Metro.

Foto: REUTERS

Rang 2 belegt der japanische Casualwear-Filialist Uniqlo - der Konzern kommt auf einen Markenwert von 2,95 Milliarden Dollar und hat gegenüber 2011 um 13 Prozent an Wert gewonnen. In der Modeszene bekannt wurde Uniqlo durch eine Zusammenarbeit mit Jil Sander, die 2009 für großes Aufsehen sorgte. Japans boomende Modekette will demnächst auch den deutschen Markt erobern und Ketten wie H&M, Mango oder Zara den Kampf ansagen.

Foto: dapd

Finnland fordert, dass in der Währungsgemeinschaft die Haushalte konsolidiert werden – und will mit gutem Beispiel voran gehen. Die Maastricht-Kriterien sollen auch weiter eingehalten werden. In diesem Jahr geht die Regierung von einem Haushaltsdefizit von 1,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus.

Das Problem ist: Die große Mehrheit der Euro-Länder ist nicht annähernd so diszipliniert wie die sparsamen Finnen. Zudem stockt anders als in Finnland fast überall im Euro-Raum die Wirtschaft. Die Europäische Zentralbank reagierte und flutet die Märkte mit billigem Geld. Das hilft dem schwachen Süden, kann aber in den stabilen Ländern zu mehr Inflation führen. So in Finnland. Die Teuerungsrate lag im vergangenen Jahr durchschnittlich bei 2,72 Prozent – und damit deutlich über dem Richtwert der EZB von 2,0 Prozent.

Der richtige Umgang mit Finnen
Smalltalk ist in Finnland eher unüblich, wichtig ist es, auf den Punkt zu kommen. Bei Gesprächen geht es ruhig bis reserviert zu. Redeflüsse sind, wie auch Unterbrechungen des Gegenübers, eher unhöflich. Wer das Eis brechen möchte, sollte auf gemeinsames Essen oder Saunagänge setzen und nicht versuchen, das Gegenüber mit flapsigen Sprüchen oder Monologen für sich zu begeistern.
Auch auf Höflichkeitsfloskeln wird nicht allzu viel Wert gelegt. Wer in der Kneipe einfach nur "Olut" - also "Bier" - sagt und sich das "bitte" spart, macht nichts falsch. Dafür wird das Wort Kiitos (danke) sehr häufig verwendet. Beim Beispiel Bier bestellen hieße es in diesem Fall "olut kiitos". Wer von Geschäftspartnern zum Essen oder nur zu einem Spaziergang eingeladen wird, sollte sich auf jeden Fall dafür bedanken.
Händeschütteln ist erlaubt, im privaten Rahmen aber eher unüblich. Bei einer geschäftlichen Begrüßung gehört es dazu, beim Händeschütteln Vor- und Nachnamen zu nennen. Im finnischen gibt es zwar eine Entsprechung für die Anredeform "Sie", im Normalfall duzt man sich aber. Briefe beginnen meistens mit Hei, also Hallo.Wer zum Geschäftspartner oder Kollegen nach Hause eingeladen wird, sollte an ein kleines Geschenk denken. Blumen und Wein sind in Ordnung, zu protzig sollte es nicht werden. Unangemeldet sollte man bei Finnen - weder privat noch dienstlich - aber nie vor der Tür stehen. Auch nicht mit Gastgeschenken.
Bei geschäftlichen Treffen sind Visitenkarten dringend notwendig. Unternehmen, die international tätig sind, haben diese in der Regel auch in Englisch. Für das Überreichen gibt es keine festen Regeln. Wer seinem Gegenüber weiteres Infomaterial über das eigene Unternehmen zukommen lassen möchte, sollte darauf achten, dass die Inhalte kurz und präzise sind. Geschwafel kommt nicht gut an.
Da Smalltalk in Finnland nicht sonderlich verbreitet ist, überlässt man am besten dem Gegenüber die Wahl der Themen. Für Unterhaltungen jenseits des Geschäftsabschlusses ist es von Vorteil, sich ein wenig mit finnischer Geschichte oder finnischen Prominenten auszukennen. Das erleichtert die Themenwahl. Kritik an Finnland, der dortigen Politik oder Gespräche über Arbeit und Geld sind dagegen eher ungeeignet.
Beim Thema Kleiderordnung gilt ähnlich wie in Deutschland: Männer machen mit Anzug und Krawatte nichts falsch, Frauen sollten Hosenanzug, Kostüm oder Kleid tragen. Jeans und T-Shirt gehören genauso wenig zum Businessoutfit wie in Deutschland. Sollte ein bestimmter Dresscode gefordert sein, wird man auf der Einladung darauf hingewiesen.

„Das Preisniveau in Finnland ist schon erheblich“, sagt Pauly. Für Entlastung sollen nun die Unternehmen sorgen. Wie im Jahr 2012 sollen auch in diesem Jahr die Löhne steigen. Bis zu 3,3 Prozent könnten die Angestellten am Ende des Monats mehr im Portemonnaie haben. Auch die Beschäftigung soll steigen (+0,3 Prozent).

Das wiederum könnte den deutschen Discountern in die Karten spielen. „Natürlich böten sich vor diesem Hintergrund auch Chancen für weitere deutsche Unternehmen in Finnland“, sagt Pauly. Die Margen seien attraktiv und würden es auch weiter bleiben.

Einziges Problem: Die Finnen kaufen gerne finnische Produkte. "Die Menschen hier sind sehr heimatbewusst mit Blick auf die Lebensmittel und kaufen lieber 'finnische' als 'deutsche' Milch", weiß Esther Krenz.

Das musste auch Lidl lernen. Der Discounter, seit 2002 in Finnland, hat erst an Attraktivität gewonnen, nachdem der Anteil finnischer Produkte erhöht wurde.  Inzwischen aber brummt das Geschäft, die Zahl der Filialen – aktuell betreibt Lidl 140 Geschäfte in Finnland – soll steigen, heißt es auf Nachfrage aus der Konzernzentrale in Neckarslum. „Wir erachten den finnischen Markt als sehr attraktiv und sind bestrebt, unser Engagement in der Zukunft auszubauen."

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