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Türkei"Reisenden in Istanbul und Ankara wird zu äußerster Vorsicht geraten"

Die Lage in der Türkei bleibt am Samstag angespannt Das Auswärtige Amt rät deutschen Urlaubern in Istanbul und Ankara zu besonderer Vorsicht. 16.07.2016 - 15:06 Uhr aktualisiert

Eine in eine Fahne der Türkei eingehüllte Demonstrantin steht bei einer Demonstration in der Folge eines Putschversuchs von Teilen des türkischen Militärs.

Foto: dpa

Das Auswärtige Amt hat seine Reisehinweise für die Türkei verschärft. Trotz Beruhigung der Lage werde Reisenden in Istanbul und Ankara zu "äußerster Vorsicht" geraten. Dies gelte nach dem Putschversuch gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan „bis zur vollständigen Klärung der Lage“, teilte das Amt am Samstag in Berlin mit. Vorsichtig sollten Reisende vor allem auf öffentlichen Plätzen und in Menschenansammlungen sein. Im Zweifelsfall werde geraten, in sichere Wohnungen und Hotels zurückzukehren. Aus anderen Teilen des Landes, insbesondere von der Mittelmeerküste, würden keine besonderen Ereignisse gemeldet.

Die großen deutschen Reisekonzerne holen Badeurlauber nicht zurück in die Heimat. Die Lage in den Urlaubsressorts sei ruhig und es gebe nur sehr wenige Gäste, die vorzeitig abreisen wollten, sagten Sprecher der Marktführer Thomas Cook ("Öger") und TUI am Samstag.

Da sich der Putschversuch auf die Hauptstadt Ankara und die Metropole Istanbul konzentriert habe, hätten die Gäste in den Hauptbade-Regionen Antalya und Bodrum direkt nichts davon mitbekommen, hieß es bei Thomas Cook. Abgesagt habe bislang kaum ein Gast. "Bei uns sind morgens die ersten Maschinen Richtung Türkei gestartet und die große Mehrheit der Urlauber ist geflogen." Es seien nur 70 Thomas-Cook-Urlauber in Istanbul.

Die Ereignisse des Tages im Überblick

Putschversuch in der Türkei abgewendet

Genaue Angaben zur Zahl der Deutschen in der Türkei gibt es derzeit nicht. Branchenbeobachter gehen von mehr als 100.000 Erholungssuchenden aus, wovon 40.000 auf TUI und Thomas Cook zusammen entfallen dürften.

Die großen Reisekonzerne kommen Türkei-Urlaubern entgegen. Gäste von Thomas Cook und DER Tour, die am Samstag und Sonntag abreisen, können kostenlos umbuchen oder von der Reise zurücktreten. Bei TUI und Alltours gilt das Angebot bis Montag. Charterfluggesellschaften wie TUIfly, die Cook-Tochter Condor, Sun Express und Air Berlin fliegen weiter in die Türkei. Andere Airlines wie die Lufthansa schränkten ihre Verbindungen am Samstag vorerst ein oder stoppten den Verkehr komplett wie British Airways.

Vor der Wassersportanlage an der türkischen Riviera dümpeln zwei Jetski und Motorboote im türkisblauen Wasser. Die Leere hat sich manch ein Tourist vielleicht schon mal gewünscht, der sich bei 32 Grad mitten in der Hochsaison ein Plätzchen auf der Liege neben Hunderten anderen sichern musste. Verlassene Strände sind in diesem Jahr traurige Wirklichkeit in der Türkei. Das Land kommt nicht zur Ruhe: Auf Terroranschläge folgte ein Putschversuch – und nun auch noch der Ausnahmezustand. Pralle Sonne, stahlblauer Himmel, funkelndes Meer und gewaltige Berge: Weder die perfekte Urlaubskulisse noch die günstigen Preise oder der gute Service in den Hotels am Mittelmeer können so viele Touristen nach Antalya locken wie in den vergangenen Jahren.

Foto: dpa

Es ist Mittag, die Sonne brennt, und Mehmet Tekerek (Mitte) hat noch keinen einzigen Euro verdient: „Dieses Jahr ist die reinste Katastrophe. Es sind keine Touristen da.“ Seit 15 Jahren sei er im Geschäft - aber so eine schlechte Saison habe er noch nie erlebt.

Foto: dpa

Dabei ist Konyaalti einer der bekanntesten Strände in Antalya. Normalerweise tummeln sich hier Urlauber aus Russland, Deutschland und anderen Ländern Europas. Doch dieses Jahr steckt der Tourismus in der Türkei in einer schweren Krise. Im Bezirk Belek protestierten laut Medienberichten erst kürzlich Gewerbetreibende, weil sie wegen der Flaute ihre Mieten und Kredite nicht mehr zahlen können.

Foto: dpa

Schon Ende des vergangenen Jahres blieben Besucher aus Russland weg, nachdem Präsident Wladimir Putin wegen des Abschusses eines Kampfflugzeuges Sanktionen gegen die Türkei beschlossen hatte. Damals hofften die Unternehmer, bis zum Sommer die eingebrochenen Zahlen mit Urlaubern aus Europa auszugleichen.

Foto: dpa

Die Konsequenz dieser Unsicherheit lässt sich an der Statistik ablesen. Laut dem türkischen Tourismus-Ministerium ist die Zahl der Besucher, die im Mai im Vergleich zum Vorjahresmonat ins Land kamen, um knapp 22,9 Prozent gesunken. Betrachtet man die Region Antalya, wo die Menschen hauptsächlich vom Tourismus leben, sind die Zahlen noch dramatischer.

Foto: dpa

Türkische Medien berichten unter Berufung auf Angaben des Flughafens in Antalya, in den ersten zwei Juni-Wochen seien rund 59 Prozent weniger Besucher angekommen - 45 Prozent weniger Deutsche, fast keine Russen.

Foto: REUTERS

Der weltgrößte Reisekonzern Tui schätzt derweil, dass er in diesem Jahr mit einer Million Urlaubern nur rund halb so viele Gäste in die Türkei bringt wie 2015. Die Buchungen liegen bis jetzt 40 Prozent niedriger als im Vorjahr, nur das Last-Minute-Geschäft birgt noch Hoffnung.

Foto: dpa

Tui-Chef Fritz Joussen erwartet, dass manch türkischer Hotelier den Umsatzeinbruch nicht über längere Zeit aushält - und verkaufen muss. Für Hotel-Investoren könnte es dann richtige Schnäppchen geben, vermutet er.

Foto: dpa

Im Ferienort Side, rund 60 Kilometer östlich von Antalya, ist es am Strand etwas lebendiger - glaubt man den Einheimischen, ist es jedoch totenstill im Vergleich zum Vorjahr. Hier machen vor allem Deutsche Urlaub. Junge, braun gebrannte Männer versuchen, die vorbeischlendernden Touristen auf Deutsch in ihr Restaurant zu locken, die Fußball Europameisterschaft wird im ZDF übertragen, und im Garten seines Reisebüros mit dem Spitznamen „Klein Aldi“ verkauft Reiseführer Hajo Hayati Simsek Orangensaft.

Foto: dpa

Schuld an der Misere ist der Meinung des Wassersportbetreibers Tekerek nach eine falsche Politik. „Ständig explodiert irgendetwas, und die Außenbeziehungen sind auch schlecht. Dann das Theater wegen der Armenien-Resolution, das hat ein schlechtes Image verursacht.“ Ähnlich klagen viele in der Region. Händler verkaufen nichts, Hotels werden ihre Zimmer nicht los und müssen mit den Preisen runter. Die Schuldzuweisungen sind immer dieselben: schlechte Außenpolitik, Terrorismus und ein schlechtes Image durch den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan - aber auch durch die Darstellungen der Medien.

Foto: dpa

Die Forderung an die islamisch-konservative AKP-Regierung ist deutlich: „Sie müssen ihre Beziehungen zu anderen Ländern verbessern, und sie müssen die Tourismus-Industrie stützen.“

Foto: AP

Für die Tourismuskonzerne steht in der Türkei in der wichtigen Sommersaison geschäftlich viel auf dem Spiel. Trotz des Buchungseinbruchs um bis zu 50 Prozent nach den Anschlägen zu Jahresbeginn ist das Land laut Deutschem Reiseverband noch das drittbeliebteste Urlaubsziel. Voriges Jahr besuchten es rund 5,6 Millionen Bundesbürger. In den ersten fünf Monaten 2016 zog es nach Angaben des türkischen Fremdenverkehrsamts ein Viertel weniger Deutsche ins Land.

Die lange gehegte Hoffnung der Reisebranche, dass die Türkei mit niedrigen Übernachtungspreisen zumindest im Last-Minute-Geschäft wieder mehr Urlauber anlockt, hat sich seit dem Anschlag auf den Istanbuler Flughafen Ende Juni in Luft aufgelöst.

rtr, dpa
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