
Mises' Geldtheorie
Mises widerlegte in seiner Geldtheorie die Neutralitätsthese der klassischen Quantitätstheorie. Er wies nach, dass Änderungen des Geldumlaufs nicht nur – wie die Klassiker behaupteten – die Preise, sondern auch die Umlaufgeschwindigkeit sowie das reale Produktionsvolumen beeinflussen. Zudem reagieren die Preise nicht synchron, sondern in unterschiedlichem Tempo und Ausmaß auf Änderungen der Geldmenge. Das verschiebt die Preisrelationen, beeinträchtigt die Signalfunktion der Preise und führt zu Fehlallokationen.
Mises zeigte zudem, dass Inflation nicht alle Wirtschaftssubjekte gleichermaßen trifft, sondern sich in Schüben ausbreitet, wodurch es zu Inflationsgewinnern und -verlierern kommt. Auf der Gewinnerseite stehen der Staat, seine Vertragspartner, die Beamten und die Banken. Sie erhalten das frisch gedruckte Geld als Erste und können Güter und Dienste noch zu vergleichsweise niedrigen Preisen kaufen. Auf der Verliererseite stehen die Bürger und Rentner, die das zusätzlich in Umlauf gebrachte Geld später erhalten, wenn die meisten Güterpreise schon gestiegen sind.
In seiner monetären Konjunkturtheorie verband Mises die Zinstheorie Böhm-Bawerks mit der Idee des natürlichen Zinses des schwedischen Ökonomen Knut Wicksell. Er konnte zeigen, dass eine ausufernde Kredit- und Geldschöpfung ungesunde Boom-Bust-Zyklen auslöst und am Ende das gesamte Währungssystem zerstört.
Notwendige Bereinigungsprozesse
Wenn Banken Kredite vergeben, die nicht durch Spareinlagen gedeckt sind, produzieren sie neues Geld aus dem Nichts. Das zusätzliche Kreditangebot drückt den Marktzins unter den natürlichen Zins, der durch die Zeitpräferenzrate der Marktakteure bestimmt ist. Dadurch erscheinen auch Investitionsprojekte rentabel, die es bei genauer Betrachtung gar nicht sind. Die Folge ist ein kreditfinanzierter Boom mit zahlreichen Fehlinvestitionen. Die hohe Nachfrage und die zusätzliche Geldmenge treiben die Preise für Güter und Vermögensaktiva in die Höhe.
Der Boom endet, wenn die Bürger an der Party teilhaben wollen. Dann schrauben sie ihren Konsum hoch und fahren ihre Ersparnisse zurück. Kapital wird knapp, und der Marktzins steigt, bis er der Zeitpräferenzrate entspricht. Investitionen, die zuvor noch rentabel erschienen, lohnen sich nicht mehr. Arbeitsplätze gehen verloren, die Wirtschaft stürzt ab.
Mises sieht darin den notwendigen Bereinigungsprozess, der die Wirtschaft wieder ins Gleichgewicht bringt. Die öffentliche Meinung aber verkenne die wahre Ursache der Krise und sehe „in noch mehr Geld und Kredit das einzige Heilmittel gegen das Übel, das durch die Geld- und Kreditexpansion hervorgerufen wurde“. Doch der „finale Kollaps“ sei nicht zu vermeiden. „Die Alternative ist nur, ob die Krise durch einen freiwilligen Ausstieg aus der Kreditexpansion früher kommt oder ob sie später als totale und finale Katastrophe des Währungssystems eintritt“, schreibt Mises.
Der einzige Ausweg sei, die Kreditvergabe der Banken mit einer 100-prozentigen Reservepflicht in Hartgeld (Gold) zu belegen. Mises forderte daher, das staatliche Geldmonopol abzuschaffen und freies Marktgeld zuzulassen, das von Banken und anderen privaten Institutionen ausgegeben wird. Der Wettbewerb führe dazu, dass sich das voll (durch Gold) gedeckte Geld durchsetzt.
















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Alle Kommentare lesen25.12.2012, 17:42 UhrAnonymer Benutzer:PDVler
Löblich, dass man sich endlich mal getraut hat, einen recht ausführlichen Artikel über den "letzten Ritter des Liberalismus" zu verfassen, schade nur, dass man vergessen hat, die PDV-Partei der Vernunft, zu erwähnen, die sich ja immerhin anschickt, dem Liberalismus in Deutschland, und zwar nach den Lehren Mises´, zu neuem Auftrieb zu verhelfen.
25.04.2012, 14:08 UhrAnonymer Benutzer:mad
Und warum schlägt die "unsichtbare Hand" den Schwachen ins Gesicht?
Jede Lehr ist nur so gut,wie Mensch sie umsetzt.Moral Hazard hatte in diesen Lehren zu wenig oder hat heute gar einseitige und populistische Beachtung gefunden.
22.04.2012, 10:34 UhrAnonymer Benutzer:Sebastian
"Das politische Pendant zu Rothbards radikal-libertärem Anarchokapitalismus ist in den USA die Tea-Party-Bewegung." Das ist inkorrekt. Die Tea Party ist im Kern eine konservative Partei, welche die Macht des Staates nicht reduzieren, sondern ausbauen möchte, zB im militärisch-industriellen Komplex. Das politische Pendant ist die Libertarian Party, die drittgrößte Partei der USA.