Beda Bolzenius : "Handy auf Rädern"

InterviewBeda Bolzenius : "Handy auf Rädern"

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Zukunftsorientiert: Johnson Controls-Chef Beda Bolzenius setzte auf Touchscreens im Auto.

von Andreas Menn

Der Chef der Autosparte beim Mischkonzern Johnson Controls über neue Cockpits, das Interieur von Leichtbauwagen und die erstaunliche Wirkung von blauem Licht im Fahrzeug.

Bolzenius, 55, leitet seit 2006 die Autosparte des US-Mischkonzerns Johnson Controls. Die Amerikaner sind weltgrößter Lieferant für Autositze und produzieren unter anderem Elektronik-Cockpits und integrierte Innenausstattungen. Im Jahr 2011 machte die Autosparte 20 Milliarden Dollar Umsatz.

WirtschaftsWoche: Herr Bolzenius, der moderne Mensch hat sich ans Internet-Handy mit Touchscreen gewöhnt und sitzt im Auto-Cockpit offline vor dutzenden Schaltern. Hat die Branche einen Trend verschlafen?

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Beda Bolzenius: Ich bin eher erstaunt, wie schnell sich die Autoindustrie dem Thema zugewandt hat. In Showrooms überwiegen schon die Bedienelemente, die vom Smartphone geprägt sind. In der Fahrzeuggeneration ab dem Jahr 2014 werden Internet-Zugänge, große Touchscreens und Bedienkonzepte mit Apps auch in kleinen Fahrzeugen Standard sein. Das Auto wird sozusagen zum Handy auf Rädern.

Wie verändert sich das Autofahren durch das mobile Internet?

Die Verbindung zwischen Fahrzeug, Heim und Büro wird viel dichter. Per App im Auto werden wir den Kalender checken, die Garage schließen oder daheim die Rollläden herunterlassen. Aber das ist nur der Anfang: Fahrerassistenzsysteme, die unter anderem mit Kameras ständig unseren Blick verfolgen, erkennen bald, ob wir müde sind oder abgelenkt, und warnen uns rechtzeitig.

Wie soll ich mich denn noch auf die Straße konzentrieren, wenn ich gleichzeitig meine Termine nachschlage?

Wir haben ein eigenes Designstudio in Michigan, in dem wir testen, wie sich Informationen an den Fahrer weitergeben lassen, ohne ihn vom Verkehrsgeschehen abzulenken. Es hat sich gezeigt, dass Touchscreens trotz einfacher Bedienung in vielen Situationen nicht das richtige Instrument sind: Der Blickwechsel von der Straße zum Bildschirm senkt die Aufmerksamkeit des Autofahrers enorm.

Welche Lösung schlagen Sie vor?

Sprachsteuerung wird künftig viele Aufgaben im Cockpit übernehmen. Dabei dürfen die Befehle nicht zu kompliziert sein, auch das lenkt ab. Wir setzen darum stark auf sogenannte Head-up-Displays.
Das sind durchsichtige Bildschirme vor der Windschutzscheibe, auf die wir etwa das Fahrtempo oder Routenhinweise projizieren. Die Informationen erscheinen damit im Blickfeld des Fahrers. Das steigert die Fahrsicherheit enorm.

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