Rad: Dem Fahrrad gehört die Zukunft

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Rad: Dem Fahrrad gehört die Zukunft

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Der Cycle Superhighway East-West soll London attraktiver für Radfahrer machen

von Christian Schlesiger

Europas Metropolen entdecken das Zweirad: Sie erhoffen sich mehr Lebensqualität und weniger Staus. Der Beginn einer neuen Ära in der urbanen Mobilität.

Boris Johnson liebt Großprojekte: Erst hat Londons markiger Bürgermeister erfolgreich die Olympischen Spiele ausgerichtet, jetzt plant er ein Netz von Fahrradschnellstraßen durch die britische Metropole. Im März dieses Jahres startete er den Bau der Strecken, auf denen die Londoner künftig von Süd nach Nord und Ost nach West an den notorischen Innenstadt-Staus vorbeifahren sollen – eine kleine Verkehrsrevolution.

Eine Milliarde Pfund investiert Johnson, dem Ambitionen auf das Amt des Premierministers nachgesagt werden, bis 2025. „Ich kenne viele, die nie an den Erfolg des Projekts geglaubt haben“, sagte er bei Baubeginn. „Aber es ist passiert, und London wird dadurch besser.“

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Das Signal von der Insel ist eindeutig: Dem Zweirad gehört die Zukunft der urbanen Mobilität. Zwar gilt die britische Finanzmetropole als Rad-Entwicklungsland, die nun aufholt, was sie jahrzehntelang versäumt hat. Doch London steht für einen europaweiten Trend: Kommunen entdecken Zweiräder als Vehikel, um ihre Stadt lebenswerter zu machen. Sie investieren in Schnellwege, testen grüne Wellen und verbannen Autos aus dem Zentrum. Auch deutsche Städte machen mit.

Wie die Deutschen ihre Wege zurück legen

Wie die Deutschen ihre Wege zurücklegen (zum Vergrößern bitte anklicken).

Treiber dieser Entwicklung ist ein Wertewandel. Junge Leute verzichten zunehmend auf ein eigenes Auto, fahren stattdessen Bus und Bahn. Vor allem in Großstädten gilt das Rad inzwischen als modern. Die Menschen legen immer mehr Strecken mit dem Zweirad zurück (siehe Grafik). Dessen durchschnittlicher Anteil an den täglichen Wegen beträgt bereits 13 Prozent. In besonders fortschrittlichen Städten erreicht er 20 Prozent und mehr.

Das Tempo der Radfahrer

In Kopenhagen fährt fast jeder Zweite mit dem Rad zur Arbeit, zum Shoppen oder zur Schule. Dänemarks Hauptstadt gilt als Vorbild für kluge und nachhaltige Verkehrspolitik. Seit den Sechzigerjahren folgt die Verwaltung den Ratschlägen von Stadtplanern wie Jan Gehl. Das Credo des Architektur-Professors: Eine Stadt sei lebenswert, wenn sie „nicht im Tempo des Automobils, sondern in jenem der Fußgänger und Fahrradfahrer tickt“. Wenn sich Menschen auf Plätzen und Gassen begegnen könnten. „Darin besteht schließlich die Idee einer Stadt.“

Anfangs wurden seine Thesen belächelt, heute gelten seine Ansichten als wegweisend. 1000 Kilometer Radwege führen inzwischen durch die skandinavische Metropole mit knapp 600.000 Einwohnern. Zum Vergleich: Die ähnlich große Stadt Dortmund kommt auf 630 Kilometer. Sämtliche 18 Plätze der Kopenhagener Innenstadt sind autofrei.

Der Lohn: Seit drei Jahren erobert die dänische Metropole Platz eins der lebenswertesten Städte der Welt. München schafft es als einzige deutsche Stadt mit Platz acht in die Top Ten.

Kopenhagen investiert dafür viel Geld, 2013 waren es rund zwölf Millionen Euro – doppelt so viel, wie die sechs Mal größere Stadt Berlin ausgibt. Seit 2014 etwa schlängelt sich eine 190 Meter lange Fahrradbrücke aus Stahl in rund sieben Meter Höhe über den Innenhafen. Die „Schlangenbrücke“ verkürzt die Fahrzeiten von etwa 41.000 Radlern täglich. Kosten: rund sechs Millionen Euro. Weitere sechs Brücken befinden sich im Bau oder sind geplant.

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