Autounfall: Schadenabwicklung mit der App

Autounfall: Schadenabwicklung mit der App

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Spielkind: Fingierte Rechnungen entlarvt Gründer Witte blitzschnell am Computer

von Franz W. Rother

ControlExpert entwickelt Apps, mit denen Versicherungen die Schadenregulierung nach Autounfällen weitgehend automatisieren können.

Es ist ein Unfall, wie er täglich Hunderte Male auf regennassen Straßen passiert: Ein Auto rutscht beim Bremsen von der Fahrbahn. Ergebnis: Der Stoßfänger vorn ist eingedellt und zerkratzt.

Glücklicherweise hat der Fahrer eine Vollkasko-Versicherung abgeschlossen, die auch bei selbst verschuldeten Unfällen für die Schäden am Auto aufkommt. Und so sieht man den Crashpiloten nach einigen Schreckminuten mit einem Smartphone in der Hand filmend um seinen ramponierten Wagen herumlaufen.

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Kurz darauf erfährt der Autofahrer über sein Mobiltelefon nicht nur, dass die Reparatur 1931,48 Euro kosten wird. Er erhält auch einen Link zu einer Fachwerkstatt, die den Schaden zu diesem Betrag reparieren würde. Alternativ kann sich der Versicherte die Schadenssumme innerhalb von 48 Stunden auf sein Girokonto überweisen lassen. Er muss dann auf seinem Handy das blaue Feld mit der Aufschrift „Auszahlung veranlassen“ antippen.

Möglich macht die schnelle, volldigitale Abwicklung des Unfallschadens eine App, die ControlExpert aus Langenfeld bei Düsseldorf entwickelt hat und die seit Kurzem große Kfz-Versicherer wie Allianz, DEVK oder Württembergische zur Schadensregulierung einsetzen. „Früher lag die Bearbeitungszeit eines solchen Schadens bei drei bis vier Wochen – unsere App reduziert sie auf zwei bis vier Stunden“, sagt Gerhard Witte.

Der Ingenieur hat ControlExpert 2002 gegründet und mit Partner Kai Siersleben einen weltweit agierenden Dienstleister für digitale Schadensbearbeitung und Kostenprüfung bei Autoversicherern, Flottenbetreibern und Leasinggesellschaften geformt. 2015 erwirtschaftete das Unternehmen mit 300 Mitarbeitern mehr als 30 Millionen Euro Erlös und einen Nachsteuergewinn von deutlich über einer Million Euro.

Witte („Ich bin ein Spielkind“) hat die Chancen, die sich für seinen Berufsstand durch Elektronifizierung und Digitalisierung ergeben, schon als selbstständiger Kfz-Sachverständiger in den Achtzigerjahren erkannt und genutzt: Um Unfallhergänge schneller als seine Wettbewerber rekonstruieren zu können, schrieb er für seinen Apple-Rechner ein „Great Automatic Gutachten Manager“ getauftes Computerprogramm. Damit ließen sich Luftbilder vom Unfallort, die er von seinem kleinen Privathubschrauber aus schoss, systematisch auswerten: „Ein Gutachten war damit nach spätestens zwei Tagen fertig.“ Später entwickelte er ein Programm, mit dem sich für die staatliche Abwrackprämie blitzschnell der exakte Wert von Altfahrzeugen ermitteln ließ. Ein anderes half bei der Analyse von Glasschäden an Pkws – es wurde zum Nukleus von ControlExpert.

Denn Witte hatte eine Marktlücke entdeckt: Täglich flattern den Kasko-Versicherungen in Deutschland allein 4000 Rechnungen über Glasreparaturen ins Haus – nach Stein- oder Vogelschlag, aber auch nach mutwilliger Zerstörung. Alle zu überprüfen überfordert die Versicherer, zumal sie der Wettbewerbs- und Kostendruck zwingt, Personal abzubauen und Prozesse zu straffen.

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