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Ernährung: Tiere müssen Industriemüll fressen

von Susanne Donner

Nicht nur Lebensmittel werden teurer – auch das Futter. Die Folgen sind fatal: Rinder, Schweine und Hühner müssen zunehmend Abfall schlucken, der in Unternehmen anfällt. Das gefährdet nicht nur die Tiere, es bedroht auch unsere Gesundheit.

Schweine Quelle: AP
Schweine im Mastbetrieb. Quelle: AP

Das rote Backsteingebäude hebt sich weithin sichtbar von den umliegenden Feldern und Wiesen ab. Hier, auf dem Bauernhof, keine 40 Minuten mit dem Auto von der Berliner Innenstadt entfernt, halten Lothar Feldbinder und seine Söhne Thorsten und Carsten 140 Rinder und ein paar Hühner. Die Feldbinders verkaufen Milch, Eier und Fleisch. Es kommt einer Idylle gleich: Friedlich kauend stehen die braunweißen Kühe im Stall. Ihr Futter sieht aus wie Heu und riecht auch so.

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Erst bei näherem Hinsehen sind zwischen den Halmen braune Stäbchen zu erkennen. M 183, ein sogenanntes Milchleistungsfutter sei das, sagt Thorsten Feldbinder. M 183 gebe den Tieren Kraft, und kräftige Tiere geben mehr Milch. M 183 bestehe aus frischem Getreide vom Acker. Glaubt er.

Fiese Abfälle

Doch die Stäbchen sind weder frisch noch vom Acker. Sie sind ein Mix aus Abfällen von Getreidemühlen, Zuckerfabriken, Schokoladenmanufakturen und der Sonnenblumenölproduktion, teilt der Hersteller Fürstenwalder-Futtermittel-Getreide-Landhandel mit. Vom Feld stammen nur 24,6 Prozent der Kraftmahlzeit. Und das ist noch harmlos.

Mehr als die Hälfte des industriell erzeugten Tierfutters besteht mittlerweile aus teils problematischen Abfällen: Fischhäute, Kaffeesatz und Industriefette – all diese Nebenprodukte würden über Tiermägen „veredelt“, sagt Futtermittelexperte Walter Staudacher von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG). Genau diese Veredelung wird nun zu einer verlässlichen Quelle für immer neue Lebensmittelskandale. Denn das Futter aus Müll enthält oft Schadstoffe wie Pestizide, Nervengifte wie Dioxin, krebsverdächtiges Acrylamid und giftiges Methanol – alles Stoffe, die nachweislich auch der menschlichen Gesundheit schaden.

Der Dioxinskandal zur Jahreswende und die aktuelle Ehec-Angst – daran zweifelt kaum ein Experte – sind daher erst eine Art Vorspiel für das, was in den nächsten Jahren kommen kann: „Es herrscht extremer Preisdruck. Die Zutaten werden möglichst billig eingekauft“, sagt Frank Mörsberger, Futtermittelexperte vom Kieler Lebensmittellabor Agrolab, „auch wenn sie den branchenspezifischen Qualitätsanforderungen nicht gerecht werden.“ Nach dem Skandal ist vor dem Skandal.

All das wird von den steigenden Weltmarktpreisen für Grundnahrungsmittel noch beschleunigt. Allein die Kosten für Getreide haben sich seit 2010 verdoppelt. Und so versuchen Hersteller, das Korn immer öfter durch Abfälle zu ersetzen: Der Anteil von Getreide im Futter wird laut Schätzungen des Deutschen Verbands Tiernahrung dieses Jahr von 48 Prozent auf unter 45 Prozent sinken. Damit wird laut dem Verband immerhin eine halbe Million Tonnen Getreide eingespart.

56 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 22.06.2011, 13:03 UhrAnonymer Benutzer: Querdenker22

    Jeder bekommt, was er verdient!

  • 22.06.2011, 12:21 UhrAnonymer Benutzer: Vagin

    Das ist echt furchtbar, die armen Menschen tun mir so leid. Aber sie sind ja keine Lebewesen, sondern nur Fleisch. Also echt krank die ganze Sache.
    Deshalb lebe ich vagin, und diese perverse industrie wird an mir keinen cent verdienen.

  • 22.06.2011, 01:29 UhrAnonymer Benutzer: Bio der Bauer

    Wir essen das das wir uns leisten wollen.
    Der Deutsch gibt etwa 13% seines Einkommens für Lebensmittel aus. Vor 40 Jahren waren es ca. 50%, und dann jammerd jeder "wie teuer das Leben ist und das wir es uns nicht mehr leisten können", aber die wöchentliche Tankfüllung für die Wochenendspritztour ist ohne nörgeln drinnen. Lebensmittel sind einfach zu billig! Ansonsten würde sich niemals die Frage stellen ob etwas im Tank landet! Aber wie oben erwähnt wird ja beim Tanken nicht gejammert, also wäre jeder verrückt der noch Lebensmittel produziert um sich dann auch noch beschimpfen zu lassen. Also alles ab in den Tank.

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