Daunenjacken: Patagonia will für seine Kleidung keine Tiere mehr quälen

Daunenjacken: Patagonia will für seine Kleidung keine Tiere mehr quälen

von Sandra Lukatsch

Tierschützer werfen der Daunenindustrie Tierquälerei vor. Hersteller geraten in Erklärungsnot - und geloben Besserung.

Der Winter steht vor der Tür und es wird langsam Zeit, die dicken Jacken hervorzukramen. Viele greifen da auf ihre wohlig warme Daunenjacke zurück: Sie ist windundurchlässig und wasserfest und gilt nicht mehr nur für Rodler, Skifahrer oder Bergsportler als Must-have. Der bunte Outdoor-Look prägt längst auch das Bild in den Fußgängerzonen.

Jedes Jahr importieren Kleidungs- und Deckenhersteller etwa 10.000 Tonnen Daunen und Federn aus aller Welt – aus China, Polen, Frankreich und Ungarn. Was die wenigsten wissen: Die Daunen werden den Gänsen größtenteils vom lebendigen Leib gerupft. Der Lebendrupf (auch Pusztarupf genannt) hat eine lange Tradition in der Geflügelindustrie. Aus Sicht der Farmer ist es ein lukratives Geschäft, weil sie die Gänse vier- bis siebenmal rupfen können, anstatt nur einmal beim Schlachten.

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Tierfelle als Material für Kleidung sind schon länger verpöhnt - bei Daunen scheint den Kunden die Ethik noch egal zu sein.

Immerhin will der amerikanische Outdoor-Bekleidungshersteller Patagonia nun Licht ins Dunkel seiner flauschigen Füllung bringen. Im Jahr 2007 hat das Unternehmen erstmals seine Footprint Chronicles veröffentlicht. Mit den Chroniken geht Patagonia mit sich selbst ins Gericht und stellt die Umweltbilanz der eigenen Produkte online: CO2-Belastung, Stromverbrauch, zurückgelegte Transportkilometer. Sogar seine Zulieferbetriebe legt das Unternehmen offen.

Belogen von den ZulieferernZuletzt bemühte sich Patagonia auch um die Offenlegung seiner Daunenquellen. „Wir wollen unseren Kunden die größtmögliche Gewissheit bieten, dass die Gänse, von denen unsere Daune stammt, human behandelt wurden." Deshalb habe das Unternehmen in den letzten Jahren aktiv an kurz- und langfristigen Alternativen zu Daunen von" zwangsgefütterten oder lebend gerupften Gänsen" gearbeitet, heißt es auf der Webseite. Mit den „Ultralight Down-Produkten“ will der Hersteller seinen Kunden jetzt die lückenlose Rückverfolgung der Daunen in der Lieferkette zusichern.

Dass das gar nicht so einfach ist, zeigt ein Blick auf die Versuche von Patagonia, seine Lieferkette ethischer zu gestalten.

Im Jahr 2007 versicherte ein Zulieferer in Ungarn, dass die Daune nicht von zwangsgefütterten Gänsen stammt. Das stellte sich später allerdings als falsch heraus.

Der zweite Versuch: Im Jahr 2009 fordert Patagonia von seinen Zulieferbetrieben die Gewähr, dass die Daunen von geschlachteten Gänsen stammen.

Viel gebracht hat das nicht: Die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ beschuldigt Patagonia im Jahr 2010, Lebendrupf-Daune zu verarbeiten. Die Ermittlungen zeigen auch, dass die Gänse eines ungarischen Zulieferers immer noch zwangsgefüttert werden.

Patagonia überprüft seine Zulieferbetriebe und bestätigt, dass die Daunen von Gänsen stammen, die für die Erzeugung von Fleisch und Foie gras (Stopfleber) gehalten werden. Anzeichen für Lebendrupf gebe es zwar keine, rechtfertigt sich das Unternehmen. Um es sicher ausschließen zu können, entwickelt Patagonia dann aber doch ein Dokumentationssystem.

Erst im Jahr 2012 startet Patagonia eine unabhängige Überprüfung der Produktketten, die auch Einhaltung der Tierschutzvorschriften gewährleisten soll.

In diesem Jahr lagen erstmals die Ergebnisse der Überprüfungen vor. Sie zeigen: Es gibt keine Anzeichen für Lebendrupf oder Zwangsfütterung.

Mit schlechtem Gewissen schlafenImmerhin muss man Patagonia zugutehalten, dass sie sich als einer der wenigen Hersteller überhaupt so einen Aufwand machen. Denn in einem anderen Bereich versagen die Hersteller bisher völlig, ihre Lieferketten offenzulegen und zu überprüfen: den Bettdecken.

Stiftung Warentest nahm im März diesen Jahres die soziale und ökologische Verantwortung von elf Deckenherstellern mit Hilfe eines umfassenden CSR-Kriterienkatalogs (hier abrufbar) unter die Lupe. Darunter waren auch bekannte Marken wie Waschbär, Allnatura und Dänisches Bettenlager. Beim Test der 26 Kriterien konnte kein Anbieter belegen, dass seine Daunen nur von toten Tieren stammten. Außerdem konnte kein Unternehmen genau nachweisen, von welchen Höfen die Daunen stammen.

Nun kann man sich fragen: Warum verwenden die Hersteller nicht einfach andere Materialien und verzichten auf die Daunen?

Auch dieser Frage ging die Stiftung Warentest nach: Synthetikdecken reichen nicht an die Schlafeigenschaften von Daunen heran, so das Ergebnis. So seien Daunendecken bis zu dreimal wärmer als die besten Synthetik-Faserdecken und transportierten auch Feuchtigkeit besser.

Auch für Kleidung trifft das zu: Daunenjacken sind leichter und halten wärmer, als Isolationsjacken mit Kunstfüllung. Dafür sind Synthetikfüllungen extrem wasserabweisend, während die Daunen eher Feuchtigkeit aufnehmen.

Das Problem für die Kunden bleibt dabei aber: Eine branchenweite und herstellerübergreifende Zertifizierung von Daunen gibt es bisher nicht. So kann man Kleidung oder Bettdecken im Laden zum Beispiel nicht wie beim Demeter-Label bei Nahrungsmitteln ansehen, ob sie nachhaltig produziert wurden.

Allerdings gibt es erste Versuche, ein Tierschutz-Label für Daunen einzuführen: Als erster Hersteller der Branche hat das britische Outdoor-Unternehmen Mountain Equipment im Jahr 2009 den DownCodex ins Leben gerufen. Die unabhängige Organisation IDFL  (International Down and Feather Laboratory) vergibt das Zertifikat und führt auch nicht angemeldete Kontrollen in jeder Phase der Lieferkette durch. Nach eigenen Angaben übertreffen die Richtlinien das gültige EU-Recht.

Auf outdoorseiten.net findet sich zudem eine Liste mit Informationen über Outdoor-Marken und deren Daunenherkünfte und Rupfmethoden. Allerdings ist zu beachten, dass die meisten Informationen lediglich Selbstauskünfte der Hersteller sind.

In diesem Video beschreibt Jill Dumain, Direktorin für Umweltstrategie bei Patagonia, die Footprint Chronicles des Unternehmens:



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