Kreislaufwirtschaft: Deshalb braucht die Circular Economy mehr Start-ups

Kreislaufwirtschaft: Deshalb braucht die Circular Economy mehr Start-ups

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Die Kreislaufwirtschaft kennt keinen Müll - alles kann wieder genutzt werden. (Symbolbild.)

Brauchen wir mehr grüne Gründer? Auf jeden Fall, fordert Miriam Kehl vom Start-up-Förderer Green Alley - der Markt wäre da.

Tom Robinson ist gerade mal 29 Jahre alt und hat große Pläne: Er möchte mit seinem Start-up Adaptavate die europäische Baubranche revolutionieren. Dafür hat er "Breathaboard" entwickelt, eine 100 Prozent recycelbare Wandverkleidung, die zu größten Teilen aus Abfällen der Landwirtschaft hergestellt ist.

Mit dieser ökologischen Alternative kämpft er gegen herkömmliche Gipsplatten an, die nicht nur umwelt- sondern auch gesundheitsschädlich sind. Das Bild David gegen Goliath passt - und im Rahmen meiner Tätigkeiten für Green Alley habe ich viele Entrepreneure mit grüner Mission kennengelernt.

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So zum Beispiel auch das Team von RePack aus Finnland mit dem Ziel, der Ressourcenverschwendung im Onlinehandel ein Ende zu bereiten. RePack arbeitet daran, eine bis zu 20-mal wiederverwendbaren Versandtasche am Markt zu etablieren. Bislang fallen durch unser Online-Shopping pro Kopf und Jahr durchschnittlich mehr als 200 Kilogramm an, Tendenz steigend. RePack trifft mit seiner Idee denn Zeitgeist - auch Offline-Händler nehmen mittlerweile Geld für Kunststofftragetaschen, um den Gebrauch einzuschränken.

Ein weiteres Feld ist die Verschwendung von Nahrungsmitteln. Wie viele Produkte werfen wir weg, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten wurde? Und was passiert mit solchen Lebensmitteln in Supermärkten? Dieser Mission nimmt sich FoodLoop aus Köln an: Mit ihrer App machen sie es Verbrauchern einfacher, Produkte mit näher rückendem Mindesthaltbarkeitsdatum in Supermärkten zu finden und wollen damit der Lebensmittelverschwendung Einhalt gebieten.

Alle diese Gründer leisten mit ihren Ideen und Produkten einen Beitrag dazu, dass wir sparsamer mit Ressourcen umgehen. Dank ihnen gibt es Alternativen zu unserer "Wegwerfgesellschaft".

Awards und Auszeichnungen im Bereich der Green Economy gibt es mittlerweile einige. Für Gründer aber, die sich speziell mit den Themen Ressourcenschonung, Circular Economy oder Recycling beschäftigen, fehlte es lange an passenden Prämierungen. Die 2013 gegründete Green Alley Investment GmbH hat es sich zur Aufgabe gemacht, Gründer genau in diesem Bereich zu fördern.

Warum eigentlich Kreislaufwirtschaft

Gründen in der Kreislaufwirtschaft lohnt sich. Schon heute erzielt die Entsorgungs- und Recyclingbranche allein in Deutschland einen jährlichen Umsatz von etwa 50 Milliarden Euro und beschäftigt rund 500.000 Menschen, wie Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums belegen. Der Bereich Abfall ist keine Nische.

Da Rohstoffe weltweit knapp sind und immer teurer werden, haben Unternehmen, die heute schon Ressourcen sparen oder schonend produzieren, einen echten Wettbewerbsvorteil. Wirtschaftlich profitieren würden aber nicht nur die Firmen, sondern die Volkswirtschaften Europas insgesamt. Die Europäische Kommission, die derzeit an einem EU-Kreislaufwirtschaftspaket feilt, beziffert die jährlichen Einsparungen von Abfallvermeidung, Ökodesign, Wiederverwendung und ähnliche Maßnahmen auf 600 Mrd. Euro - das sind bis zu acht Prozent des Jahresumsatzes der Unternehmen in der EU.

Der aktuelle Entwurf einer neuen, europäischen Circular Economy Strategie 2030 sieht vor, dass 70 Prozent des europäischen Hausmülls und 80 Prozent der Verpackungen recycelt werden sollen. Um diese Ziele zu erreichen, sind hohe Investitionen und zahlreiche Innovationen notwendig – Querdenker mit guten Geschäftsideen können davon profitieren.

Klar auf der Hand liegen zudem die Umweltschutzgründe. Maßnahmen, wie sie jetzt im EU-Kreislaufwirtschaftspaket festgelegt werden, können die Treibhausgasemissionen in Europa um zwei bis vier Prozent reduzieren. Hinzu kommt, dass unser Planet den ganzen Abfall, den wir produzieren, nicht mehr verkraften kann. Auch wenn wir in Deutschland schon sehr fortschrittlich sind, was Abfalltrennung und -verwertung angeht - mit einer Recyclingquote von mehr als 80 Prozent sind die Deutschen Recycling-Vorbild - braucht es meiner Ansicht nach noch viel mehr frische Ideen, die Abfall neu denken.

Gründungshelfer stehen bereit

Trotz all dieser Potenziale mag manch Gründer sich abgehalten fühlen, in den Bereich Kreislaufwirtschaft einzusteigen. Er gilt als komplex und mit den vielen rechtlichen Vorschriften ist es schwer, den Überblick zu behalten. Die Regeln unterscheiden sich von Land zu Land. Im Entsorgungssektor sind zudem Firmen und Entscheidungsträger aktiv, die oft schon sehr lange am Markt sind. Das kann Fluch und Segen sein. Zum einen haben es Gründer mit neuen Ideen schwer, sich durchzusetzen. Zum anderen kennen die Erfahrenen den Markt wie ihre Westentasche. Doch die Synergien, die entstehen können, sind beachtlich.

Und genau hier setzen Gründerhelfer wie wir an, mit einem vielfältigen Netzwerk. Es besteht aus Experten der Kreislaufwirtschaft, der Geschäftsfeldentwicklung, der Circular Economy und vielen anderen Feldern. So können junge Gründer und erfahrene Entscheider zusammenkommen, damit sie sich austauschen und gute Ideen auch verwirklicht werden. Damit gute Ideen zu uns finden, schreiben wir jährlich den Green Alley Award für Start-ups aus. Dem Gewinner winken finanzielle und ideelle Förderung. Dafür suchen wir aber auch Start-ups, die sich große grüne Ziele gesteckt haben.

Wer also mit seiner grünen Gründungs-Idee über den Tellerrand hinausschaut und sich aufs Spielfeld der Circular Economy wagt, der kann einen Beitrag zu einem wichtigen Zukunftsthema leisten, unsere Welt sauberer und nachhaltiger machen und dabei auch noch wirtschaftlich erfolgreich sein. Wir dürfen gespannt sein, was sich in der Start-up-Szene der Circular Economy in der nächsten Zeit tut. Sicher ist, es braucht mehr gute Start-ups wie Adaptavate, RePack und FoodLoop. Sie alle waren übrigens Gewinner unseres Awards.

Miriam Kehl ist Vorstandsreferentin der Landbell AG und Associate Director bei Green Alley, ein Gründerförderer für Start-ups aus dem Umweltbereich, insbesondere für innovative Ideen im Bereich Recycling, Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft. In ihrem Gastbeitrag für WiWo Green erklärt sie, welche Chancen die Kreislaufwirtschaft für Gründer bietet.

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