Plastic Bank: Wenn aus Plastik eine Währung wird

Plastic Bank: Wenn aus Plastik eine Währung wird

von Lisa Hegemann

Plastik-Verpackungen landen im Müll, obwohl sie wertvolle Rohstoffe enthalten. Zwei Kanadier machen aus dem Abfall eine Währung.

Ob wir aus einer Colaflasche trinken, die Verpackung eines neuen Fernsehers entfernen oder einen Joghurtbecher kaufen: Kunststoffe begleiten uns im Alltag ständig. Sie halten unser Essen und Trinken frisch, sie schützen unsere technischen Geräte, sie halten uns sogar in Form von Funktionskleidung warm. Doch am Ende landet Plastik meistens im Müll – obwohl es wertvolle Rohstoffe wie Erdöl enthält.

Ein Problem, findet der Kanadier David Katz: „Die Menschen sehen Plastik als Abfall an.“ Vor über einem Jahr haben wir über sein Projekt Plastic Bank berichtet, mit dem er Plastikmüll recyceln wollte. Die Idee: Wer seinen Müll bringt, bekommt Hilfe. Das können lebenswichtige Dinge wie Nahrungsmittel sein, aber auch Kleidung oder Geschirr. Die Plastic Bank will die Menschen auch unterstützen, selbst unternehmerisch tätig zu werden. So können sie auch einen 3D-Drucker benutzen, mit dem sie selbst Gegenstände produzieren können – entweder für den Eigenbedarf oder zum Verkauf. Das Material für die gedruckten Gegenstände: recycelter Plastikmüll.

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Damit wird Plastik zur Währung, bekommt einen Wert. Vor allem für Entwicklungsländern eine Chance: Die Menschen sammeln den Plastikmüll ein und geben ihn an einer sogenannten Plastic Bank Recycling Station ab.

Mitte 2014 stellten Katz und sein Geschäftspartner Shaun Frankson ihr erstes Produkt aus recyceltem Plastik vor, das via 3D-Druck entstand, Open-Source-Anleitung zum Download inklusive. Die beiden starteten zudem ein Pilotprogramm in der peruanischen Hauptstadt Lima.

Seitdem ist viel passiert: Die beiden Sozial-Unternehmer wollen jetzt - ebenfalls in Lima - ihre ersten Recyclingstationen bauen und die Menschen vor Ort im Umgang mit 3D-Recyclingdruck schulen. Für ihr Plastik bekommen sie mittlerweile auch Waren des täglichen Bedarfs oder Bildungsangebote.

Außerdem plant die Plastic Bank eine Expansion nach Haiti. Dort können die Anwohner die Kunststoffe zusätzlich gegen einen kostenlosen Internetzugang oder das Aufladen des Handyakkus eintauschen. Je nach Region gibt es also andere Angebote, die den Menschen helfen sollen, aus der Armut herauszukommen.

Aktiv im NetzIm Internet ist die Plastic Bank ebenfalls aktiv. Man wolle nun auch Konzerne dazu bringen, recycelte Kunststoffe zu verwenden. „Wenn wir den Wert von Plastik offenbaren können, können wir es so wertvoll machen, dass es nicht mehr weggeschmissen wird“, sagt Katz.

Dazu sollen Fans der Idee Unternehmen durch soziale Netzwerke und regelmäßige Anfragen dazu bringen, das sogenannte Social Plastic in ihrer Herstellung zu benutzen, um den Verbrauch der Kunststoffe insgesamt zu verringern.

Die sozialen Netzwerke helfen dabei extrem: Auf Facebook gefällt bereits mehr als eine Million Menschen die Seite, auf der die Plastic Bank Unternehmen dazu aufruft, mit dem recycelten Plastik zu arbeiten. Menschen aus mehr als 130 Ländern haben auch eine entsprechende Petition unterzeichnet. Und jede Woche kommen Anfragen aus anderen Ländern, ob man das Projekt nicht auch bei ihnen starten könne, berichtet die Plastic Bank auf ihrer Webseite.

Erster Konzern nimmt das recycelte Plastik abDer erste große Konzern arbeitet bereits mit der Plastic Bank zusammen. Der Kosmetikhersteller Lush verkauft einige seiner Produkte in Flaschen aus recyceltem Plastik. Die Gründer hoffen, noch mehr Unternehmen zur Zusammenarbeit bewegen zu können, und setzen dabei ganz auf die Macht der Konsumenten.

Wie viel Plastik recycelt wird, ist derzeit noch Plastic-Bank-Geheimnis. Es dürfte nicht mehr als ein Tropfen auf dem berühmten heißen Stein sein: Im Schnitt gelangen jährlich acht Millionen Tonnen Plastikmüll in die Weltmeere, stellten Forscher in einer Studie fest, die Anfang 2015 im „Science“-Magazin veröffentlicht wurde. Ein Bericht des Umweltprogramms Unep kommt mit 6,4 Millionen Tonnen auf eine ähnlich hohe Zahl.

Trotzt aller Fortschritte: Auch ein Jahr später sind Katz und Frankson noch am Anfang ihrer Idee. Die beiden Gründer hoffen auf einen globalen Domino-Effekt und einen Bewusstseinswandel. Immerhin: Auch Privatkunden sollen das Filament, also den Plastikfaden für den 3D-Drucker, „sehr bald“ kaufen können.

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