Skurriler Antrieb: Kann ein Auto wirklich nur mit Luft fahren?

Skurriler Antrieb: Kann ein Auto wirklich nur mit Luft fahren?

von Jürgen Klöckner

Tom Olson braucht 100.000 Dollar für eine verrückte Idee: Er will aus Autos Windkraftwerke machen.

Der Klimawandel ruft großartige Tüftler mit großartigen Ideen auf den Plan. Oder Tom Olson und sein S2 Powertrain System. Der Amerikaner ist jenseits der 60 und sagt über sich selbst, dass er schon eine Karriere als Ingenieur hinter sich hat. Gerade versucht er, über die Crowdfunding-Plattform Indiegogo Geldgeber zu gewinnen. Seine Idee: Ein Antrieb für Elektroautos, der nur einen Treibstoff benötigt: Luft.

Er macht dabei aber beinahe alles falsch, was man falsch machen kann - Tom Olsons Powertrain System ist ein schönes Beispiel einer grünen Idee, die gedacht, aber vermutlich niemals realisiert wird.

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In einem wackligen Video steht er vor einer Garage im eisigen Milwaukee (USA), sie ist auch das Labor seines Ein-Mann-Startups F2 Power Technologies LLC. Darin tüftelt er an dem neuen Antrieb für Autos. Jahrelang habe er bei seinen früheren Jobs Windturbinen entworfen und irgendwann begonnen, auch das Auto als eine Windturbine zu sehen.

Olson möchte kleine Turbinen im Kühlergrill verbauen, die alleine durch den Fahrtwind Strom für den Motor erzeugen können. Er glaubt, dass ein Elektromotor so nie wieder an die Steckdose muss. Langfristig will er seinen Antrieb in alle Autos auf diesem Planeten verbauen - würde ihm das tatsächlich gelingen, könnte er den Rest seines Lebens in einem goldenen Haus mit einem Raketenauto verbringen.

Möglicherweise glaubt aber nicht mal Tom Olson, dass daraus etwas wird.

Warten auf 100.000 DollarDas beginnt schon damit, dass Olson 100.000 Dollar braucht. Davon hat er bislang 20 Dollar zusammen, einem anonymen Investor sei Dank. Das könnte im Zweifel auch Olson Bruder sein. Dessen SUV nämlich will der Tüftler als erstes Auto überhaupt mit dem neuen Antrieb ausstatten.

Die 100.000 Dollar Marke wird er in den verbleibenden zwei Wochen nur mit der Gunst hunderter, vielleicht tausender Geldgeber knacken. Jeden muss er überzeugen, im Idealfall mit einer tollen Idee, die mit einer tollen Anzeige über soziale Medien toll verkauft wird.

Grob gesagt fehlt es aber Olson bislang an allen drei Erfolgsfaktoren.

Auf Facebook wurde Olsons Idee null Mal geteilt. Die Anzeige: Sie ist nicht beeindruckend, sondern belustigend. Ganz oben steht sein wackliges Video, darunter stellt er als Maskottchen seines Startups seinen hässlich frisierten Hund vor, der einem Löwen ähnlich sehen soll. Und die Anzeige schließt er mit einem Foto seines Enkels, dem er eine lebenswertere Zukunft mit seiner Erfindung bereiten will.

Und die Idee? Ist physikalisch fragwürdig. Alleine die Turbine würde den Luftwiderstand des Autos soweit erhöhen, dass die zusätzliche Energie einfach verfliegen würde. "Unter Berücksichtigung des Wirkungsgrads eines solchen Systems erscheint die im Video genannte elektrische Leistung von 60 kW sehr unrealistisch", sagt Jan Becker vom Institut für Stromrichtertechnik und Elektrische Antriebe der RWTH Aachen. Was Olson in seiner Garage bauen will, sei ein Perpetuum Mobile, das bekanntlich nicht existieren kann, so Becker. Schade eigentlich.

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