Alternativer Wohlstandsindex: Umweltschutz und Glück sind kein Widerspruch

Alternativer Wohlstandsindex: Umweltschutz und Glück sind kein Widerspruch

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Glücklich und gesund, ohne die Umwelt stark zu belasten: Costa Ricaner führen den Happy Planet Index an.

von Daniel Anthes

Nachhaltige Entwicklung macht glücklich und gesund. Wie das im Einklang mit der Umwelt gelingt, kann man lernen – und zwar von Costa Rica.

Das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) eignet sich nicht zur Beschreibung der wirtschaftlichen Leistung einer Volkswirtschaft – das wissen wir. Genauso wenig eignet sich das BIP als Maß für das gesellschaftliche Wohlergehen einer Nation – auch das wissen wir.

Wir sollten daher schleunigst damit anfangen, alternative Wohlstandsindikatoren für die Messung der Qualität und Nachhaltigkeit unserer weltweiten Entwicklung zu verwenden. Doch worauf sollten wir achten, wollten wir angemessen bewerten, ob es uns wirklich immer besser geht? Welche Maßzahl beschreibt am umfassendsten die Entwicklung einzelner Nationen vor dem Hintergrund sozialer sowie ökologischer Faktoren?

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Der Happy Planet Index ist ein Versuch, genau das zu tun. Ein neuer Goldstandard quasi, in Form eines Wohlstandsindikators. Er soll Aufschluss darüber geben, auf welchem Pfad wir uns im Hinblick auf ein langes, glückliches und vor allem nachhaltiges Leben befinden. Bewertet werden die Länder entsprechend des empfundenen Wohlbefindens, der Lebenserwartung, der sich ergebenden Ungleichheiten innerhalb der Bevölkerung sowie dem ökologischen Fußabdruck.

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Der Happy Planet Index bewertet die Länder nach Wohlbefinden, Lebenserwartung, den Ungleichheiten innerhalb der Bevölkerung und dem ökologischen Fußabdruck. (Foto: happyplanetindex.org, zum Vergrößern klicken)

Beim Blick auf die kürzlich vorgestellten Ergebnisse der aktuellen Studie zeigt sich wiederholt ein interessantes Bild: Nicht der fortschrittliche Westen und allen voran die Skandinavier belegen die vorderen Plätze, sondern die Top 10 bestimmen ausschließlich Staaten aus Lateinamerika und dem Asien-Pazifik-Raum. Zum dritten Mal unangefochten an der Spitze: Costa Rica.

Wenige Ressourcen reichen zum Glück

In dem knapp fünf Millionen Einwohner zählenden Land leben laut einer Gallup-Umfrage nicht nur die glücklichsten Menschen der Welt. Das Land verfügt mit knapp 80 Jahren auch über eine höhere Lebenserwartung als die USA – und das mit gerade mal einem Viertel des durchschnittlichen Einkommens.

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Lateinamerika und der Asien-Pazifik-Raum schneiden beim Happy Planet Index besonders gut ab, Europa landet im Mittelfeld. (Foto: happyplanetindex.org)

Der entscheidende Faktor für die erneute Top-Platzierung: Um glücklich und gesund zu sein, brauchen die Menschen in Costa Rica nur einen Bruchteil des Ressourcenverbrauchs der westlichen Welt. Der durchschnittliche Costa Ricaner hat einen ökologischen Fußabdruck von rund 2,8 Hektar – und benötigt damit für den Erhalt seines Lebensstandards fast weniger als die Hälfte der Fläche, die ein Europäer dafür benötigt. 

Umweltschutz wird hier in der Tat großgeschrieben: Costa Rica will spätestens im Jahr 2021 das erste CO2-neutrale Land der Welt sein. Weil erneuerbare Energien gut ausgebaut sind, konnten sich die Costa Ricaner bereits im vergangenen Jahr zu 100 Prozent mit grünem Strom versorgen. Ein typischer costaricanischer Haushalt verbraucht dabei nur halb so viel Strom wie ein deutscher.

Ressourcenverbrauch Online-Rechner zeigen, wie sehr wir der Umwelt schaden

Online finden sich viele Tests, die den Einfluss des eigenen Lebensstils auf die Umwelt analysieren. Doch nicht alle berechnen das Gleiche. Wir haben sie uns angesehen.

Wie viel muten wir der Erde zu? Verschiedene Onlinetools rechnen das aus. Quelle: dpa

Der Happy Planet Index adressiert ein zentrales Dilmma unserer Zeit: Was wir messen, bestimmt, was wir tun. Und wenn wir weiterhin lediglich auf einzelne und dabei eher weniger aussagekräftige Kennzahlen wie das BIP-Wachstum schauen, werden wir auch zukünftig das Falsche tun. Wir brauchen ganzheitliche, systemische Ansätze, um Entwicklung und Zukunftsfähigkeit wirklich beurteilen zu können.

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