Akku im Anhänger: Start-up sorgt mit Hinterherzieh-Batterie für mehr Reichweite

Akku im Anhänger: Start-up sorgt mit Hinterherzieh-Batterie für mehr Reichweite

von Felix Ehrenfried

Stromerakkus sind für Langstrecken heute noch zu schwach. Ein Stuttgarter Startup hat da eine unkonventionelle Lösung.

Als Hauptargument gegen Autos mit Energieversorgung aus Batteriezellen wird gerne die begrenzte Reichweite angeführt: Bis auf das Model S von Tesla mit rund 400 Kilometer Reichweite pro Akkuladung kann kaum ein aktueller Stromer Distanzen von mehr als 100 Kilometer zurücklegen, ohne einen Zwischenstopp an der Steckdose einzulegen. Ob Elektrogolf, Renault Zoe oder BMW i3: Keines der Fahrzeuge schafft weitere Distanzen ohne Zwischenladen.

Ein Stuttgarter Startup will dem Problem der begrenzten Reichweite jetzt mit einer wenig eleganten, dafür vermutlich höchst effektiven Entwicklung Herr werden: dem Anhänger zum hinterherziehen. Das Konzept des Unternehmens Nomadic Power sieht vor, dass Elektroautos an ihre Anhängerkupplung einfach einen Akku auf zwei Rädern anhängen. Mit maximal 85 Kilowattstunden sollen so BMW i3 und Co bis zu 400 Kilometer weiter als ohne "Anhänger-Akku" kommen.

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Dabei soll es den Anhänger in drei Leistungsvarianten geben, die zwischen 100 und 400 Extra-Kilometer Reichweite bringen. Die ersten Fahrzeuge, mit denen der Anhänger kompatibel sein wird sind dabei der Leaf von Nissan, BMWs i3 und das Model X von Tesla.

Das Unternehmen plant jedoch nicht unbedingt einen Verkauf von Akkus zum Anhängen, vielmehr will Nomadic Power eine Infrastruktur aufbauen, die den problemlosen Austausch von Akkus im Anhänger ermöglichen soll. Konkret bedeutet das: Ist die Reichweite trotzt 400 Extra-Kilometer dank Akku-Anhänger immer noch nicht ausreichend, fährt der Stromer-Besitzer einfach an eine Nomadic-Station.

Dienstleistungen rund um E-AutosHier wird der alte, leere Akku gegen einen frisch geladenen Anhänger getauscht. Das soll im Optimalfall nicht länger als das Volltanken eines Benziners dauern - schon hat der Stromerfahrer wieder Saft für weitere 400 Kilometer. Damit das Konzept auch nachhaltig ist, sollen die leeren Akkus direkt über Solarpanels geladen werden.

Mit der Idee des Akkus zum Hinterherziehen hat Nomadic Power bisher viel Zuspruch erfahren: Über ein Forschungsprojekt der EU hat Nomadic Power bereits rund zwei Millionen Euro an Steuergelder erhalten, eine weitere Finanzierungsrunde mit einem Volumen von sechs Millionen Euro steht kurz vor dem Abschluss, wie das Online-Magazin Gründerszene berichtet. Das Unternehmen firmiert in Stuttgart, hat aber auch einen Sitz in Palo Alto im kalifornischen Silicon Valley. Daher steht die Markteinführung in Deutschland, aber auch im Bundesstaat Kalifornien auf dem Plan.

Auslieferung der Anhänger soll 2017 beginnen

Neben seinem Kernkonzept will Nomadic Power weitere Dienstleistungen rund um die Elektromobilität anbieten. So ist ein Pannenservice für E-Autos ebenso in Planung wie ein spezieller Ladeservice für Unternehmen und deren Kunden.

Ein Anhänger am schicken Stromer dürfte zwar für einige E-Autofahrer zwar optisch nicht gerade eine Bereicherung sein. Gleichzeitig ist das Konzept von Nomadic Power aber derart simpel wie praktikabel, dass es schnell zur Lösung für leistungsschwache Stromerakkus werden könnte - wenn die Autohersteller sich nicht sperren.

Vergangene Woche hat das Unternehmen bereits die ersten sechs "Nomads", wie die Anhänger heißen, in Produktion gegeben. Die Auslieferung soll 2017 starten.

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