Entsalzung: Solarröhre soll Kaliforniens Dürre lindern

Entsalzung: Solarröhre soll Kaliforniens Dürre lindern

von Tobias Finger

"The Pipe" könnte dank ausgeklügelter Technik bis zu 4,5 Milliarden Liter Trinkwasser liefern. Funktionieren soll das durch ein elektromagnetisches Feld.

Seit 2011 leidet der US-Bundesstaat Kalifornien unter einer gravierenden Trockenphase. Der Dezember desselben Jahres markiert den Zeitpunkt, seit dem permanent eine mindestens mittelschwere Dürre in dem Westküsten-Staat herrscht.

Auch ein wiedererstarkter El Nino brachte nur Teilen Kaliforniens den ersehnten Regen. Dementsprechend gibt es immer neue Ansätze, die Wasserknappheit zu reduzieren.

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Einer kommt vom kanadischen Ingenieurskollektiv Khalili and Associates. Mit „The Pipe“ geht das in Vancouver ansässige Unternehmen neue Wege und kombiniert verschiedene Techniken miteinander. In der Bucht vor Santa Monica soll das kunstvolle „Rohr“ mit Photovoltaik-Panels eine angeschlossene, elektromagnetische Entsalzungsanlage betreiben.

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Alle Bilder sind Beiträge für die 2016 Land Art Generator Initiative design competition for Santa Monica. Bilder: Abdolaziz Khalili, Puya Kalili, Laleh Javaheri, Iman Khalili, Kathy Kiany (Khalili Engineers)

Die Anlage erklärt das Team in seiner Projektbeschreibung so: „97 Prozent des Salzwassers sind pures Wasser und nur drei Prozent sind gelöste Feststoffe. Alle gelösten Stoffe werden im Wasser ionisiert und können deshalb mit Elektromagnetismus kontrolliert werden.“

Elektromagnetische Filterung nutze ein isoliertes elektromagnetisches Feld, das auf die Leitungen wirke und damit Salz und Unreinheiten vom Wasser trenne. „Der Prozess ist schnell und energieeffizient“, heißt es.

Oben Solaranlage, unten Heilbad

Während das neugenerierte Trinkwasser in den Kreislauf der Stadt eingespeist wird, landet die Sole mit 12 Prozent Salzgehalt in dem Becken im Inneren der Röhrenkonstruktion – und soll als Heilbad genutzt werden.

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Vor Santa Monica könnte "The Pipe" so aussehen.

Die Röhre aus quadratischen Solarpanels sieht nicht nur gut aus, sondern soll laut den Verantwortlichen bis zu 10.000 Megawattstunden pro Jahr liefern und 4,5 Milliarden Liter Trinkwasser generieren: „Was herauskommt, sind zwei Produkte: pures, trinkbares Wasser, das in den Haupt-Wasserkreislauf der Stadt geleitet wird, und klares Wasser mit 12 Prozent Salzgehalt“, so die Erfinder.

Entsalzung Wasser und Strom aus der Glaskugel

Kann die Solartechnologie die Wasserprobleme der Welt lösen? Eine Glaskugel zeigt, dass dies möglich ist - ob sie aber wirklich gebaut wird, ist noch offen.

"The Clear Orb" von Jaesik Lim, Ahyoung Lee, Jaeyeol Kim und Taegu Lim. (A submission to the 2016 Land Art Generator Initiative design competition for Santa Monica)

Der Entwurf ist ein Beitrag zur diesjährigen „Land Art Generator Initiative“ (LAGI): Der Designwettbewerb sammelt innovative und kunstvolle Ideen für eine nachhaltige Energie-Infrastruktur. Damit wollen die Initiatoren zeigen, dass wir als Reaktion auf den zunehmenden Bedarf an Strom und Wasser keinesfalls die Landschaften verschandeln müssen.

Kalifornien droht extreme Wasserknappheit

Gerade im Süden Kaliforniens, wo Santa Monica liegt, herrscht nach wie vor eine „außergewöhnliche Dürre“. Als Elizabeth Monoian und ihr Ehemann Rob Ferry LAGI im Jahr 2008 gründeten, konnten sie das natürlich nicht vorhersehen. Viel mehr wollten sie Anreize dafür setzen, Kunstprojekte und erneuerbare Energien zu verbinden.

„Heutzutage sind Energie und Wasser mehr verbunden als jemals zuvor“, heißt es auf der Wettbewerbs-Homepage. „Weil Kalifornien in den nächsten Jahren extreme Wasserknappheiten erwartet, wird sich der Energiebedarf für die Wasserproduktion und –leitungen erhöhen.“

„The Pipe“ bietet einen vielversprechenden Ansatz, um genau diese Probleme zu bekämpfen. Den Kunstaspekt dürfte die außergewöhnliche Architektur zudem ebenfalls erfüllen. Dabei sollte man das Projekt keinesfalls als Universallösung ansehen – vielmehr ist es ein Beispiel dafür, wie eine Vielzahl verschiedener Kleinanlagen die Versorgung auf der Makroebene stemmen könnte.

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