Frage der Woche: Wie umweltfreundlich sind Elektroautos wirklich?

Frage der Woche: Wie umweltfreundlich sind Elektroautos wirklich?

von Felix Ehrenfried

Elektroautos werden von Politik und Industrie als Klimaschutz-Könige angepriesen. Doch stimmt das?

In unserer Rubrik „Frage der Woche“ gehen wir regelmäßig einer spannenden Frage nach. Heute geht es darum, wie umweltfreundlich Elektroautos wirklich sind. Haben Sie auch eine Frage? Dann schreiben Sie uns an die Adresse green@wiwo.de.

Sie werden als die Heilsbringer für das Klima von Wirtschaft und Politik angepriesen. Autos, die statt Zylinder und Zündkerze Elektromotor und Akkublocks unter der Haube haben. Denn Elektroautos stoßen im täglichen Betrieb keinerlei Treibhausgase, wie CO2, aus. Auch Feinstaub, den der Benziner bei jeder Fahrt in die Umwelt bläst, ist mit einem Stromer passé. Damit ist das Elektroauto die optimale Variante zum Wagen mit Ottomotor, um die Umwelt zu schonen.

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Aber ist das Elektroauto wirklich so umweltfreundlich, wie Politik und Autohersteller behaupten? Schließlich muss der Strom für Elektrofahrzeuge ja auch erzeugt werden. Hierzulande kommt der Saft für die Stromer noch in weiten Teilen aus Kohle- oder Gaskraftwerken. Immerhin liegt der Anteil der Erneuerbaren am Strommix derzeit schon über zwanzig Prozent. Hinzu kommt, dass die Herstellung der Wagen aufwendig ist. Insbesondere die Akkus brauchen viel Energie bei der Herstellung.

Das Institut für Energie- und Umweltforschung (IFEU) in Heidelberg hat in einer Studie untersucht, wie klimaschädlich Elektroautos sind. Die Experten haben mit der Studie UMBReLA versucht, die gesamte Klimabilanz der Stromer aufzuschlüsseln: von der Produktion bis hin zum Energiebedarf der Wagen und wo dieser herkommt.

Im direkten Vergleich: Diesel schlägt StromDas verblüffende Ergebniss der Untersuchung: "Batterie-elektrische Pkw haben über den Lebensweg bei Nutzung des deutschen Strommix eine ähnliche Klimabilanz wie konventionelle Pkw." Das liegt an zwei Faktoren.

1. Den größten Klimaschaden richtet mit 64 Prozent die Bereitstellung von Energie zur Ladung der Fahrzeuge an. Solange diese in Deutschland aus vornehmlich nicht regenerativen Quellen gewonnen wird, sieht es auch um die Klimabilanz der Stromer wenig rosig aus.

2. Der weitere wesentliche Klimaschädling ist der Energieaufwand zur Herstellung der Batterie, der 30 Prozent der gesamten Klimabilanz des Stromers ausmacht. Denn oftmals müssen die Akkus während der gesamten Nutzungsdauer mindestens einmal ausgetausch werden, was den Energiebedarf weiter in die Höhe schnellen lässt.

So liegt der Stromer bei normaler Nutzung mit seiner Klimaschädlichkeit leicht unter Autos mit Benzinmotor aber über Wagen, die mit Diesel betrieben werden. Das Interessante dabei: Diese Rechnung gilt unabhängig von der Wagengröße. Soll heißen, dass im Extremfall auch ein bulliger SUV mit Dieselmotor einen großen Stromer in Sachen Klimafreundlichkeit schlägt.

Stadtnutzung und gewerblicher Einsatz bei E-Cars sinnvollDennoch gibt es zwei Gebiete, auf denen der Elektrowagen die Umwelt weniger belastet als die konventionelle Konkurrenz mit Verbrennungsmotor: Stadtnutzung und der gewerbliche Einsatz.

Da im Stadtverkehr der Vebrauch bei Ottomotoren aufgrund von häufigem Stop'n'Go höher als außerhalb liegt, kann ein Stromer hier den Vorteil eines relativ gleichbleibenden Verbrauchs ausspielen. Nachteil bei dieser Nutzung allerdings: Im Stadtverkehr gehen die Experten von einer geringeren Laufleistung aus, sodass sich die Kosten für die Batterie auf eine geringere Nutzungsdistanz verteilen und damit je Kilometer höher liegen. Das Ergebnis: Nutzt man den Stromer privat in der Stadt, ist er in etwa so klimaschädlich wie ein Dieselmotor und 17 Prozent weniger schädlich als ein Wagen mit Benzin als Treibstoff.

Nutzt man den Wagen wiederum gewerblich, also wenn man viel fährt, schlägt der Stromer seine Verbrennerkonkurrenz. Hier zählt vor allem, dass der Strom bei einem hohen Verbrauch weniger klimaschädlich als Benzin oder Diesel ist.

Ein Optimum erreicht der Stromer, wenn er gewerblich in der Stadt genutzt wird, zum Beispiel als E-Taxi. Dann schlägt er ab rund 100 000 Kilometer Laufleistung auch den Wagen mit Dieselmotor.

Batterien sind die Umweltsau im StromerDoch an diese Rechnung glauben nicht alle: Der amerikanische Autor Ozzie Zehner erklärt in seinem Aufsatz Unclean at Any Speed (zu deutsch: Unsauber bei jeder Geschwindigkeit) sogar, dass Elektroautos aktuell wesentlich schädlicher für das Klima und die Menschen sind, als Varianten mit Verbrennungsmotor. Dies läge vor allem am Produktionsprozess. In einem Stromer stecken seltene Metalle und Erden, die aufwendig abgebaut werden müssen. Das ist energieintensiv und belastet Umwelt und die Arbeiter in den Abbaugebieten.

Und auch das Recycling der Fahrzeuge nach deren Nutzung ist mit immensen Kosten verbunden. Werden die Stromer unsachgerecht entsorgt, entstehen Umweltbelastungen durch den Austritt von giftigen Flüssigkeiten. Zehner erklärt allerdings auch, dass die Stromerindustrie noch am Anfang steht und dementsprechend Verbesserungen in der Produktion kommen werden.

Ausbau Erneuerbarer macht E-Auto grünerDamit sind die Elektroautos in der heutigen Situation gar nicht so toll für das Klima, wie häufig propagiert. Ändert sich der Energiemix hierzulande, könnte die Klimabilanz jedoch schon bedeutend besser aussehen. "Bei Nutzung zusätzlicher erneuerbarer Energie haben Elektrofahrzeuge in ihrer Klimawirkung deutliche Vorteile gegenüber konventionellen Fahrzeugen", heißt es in der Studie des IFEU.

Der Mobilitätsexperte Peter Kasten vom Freiburger Öko-Insitut hat mit seinen Kollegen unterschiedliche Zukunftszenarien entwickelt und ausgerechnet, wie sie sich auf die Klimabilanz der Stromer auswirken. "Klimaverträgliche Elektromobilität braucht zusätzliche Anlagen für grünen Strom", erklären die Experten. Wenn nämlich der Verkauf von Stromern forciert wird, gleichzeitig aber nicht mehr Strom aus erneuerbaren Quellen zur Verfügung steht "kann es sein, dass das Elektroauto nachts Strom tankt, der in einem Kohlekraftwerk erzeugt wird", so Kasten.

Kohlekraftwerke sind relativ flexibel einsetzbar und schnell vom Energieversorger hochgefahren, sollte zusätzlicher Strom gebraucht werden. Stöpseln abends also viele Deutsche ihre Stromer an, reicht die grüne Energie nicht mehr und Kohle wird hinzugezogen. Dass das nicht wirklich klimafreundlich ist, liegt auf der Hand.

Mit intelligentem Laden Geld verdienenDaher ist neben mehr regenerativem Strom auch ein intelligentes Lademanagament notwendig, so die Forderung der Experten. Dieses erkennt, wenn Stromüberschüsse vorhanden sind, weil beispielsweise die Sonne stark scheint und viel Wind die Offshoreanlagen rotieren lässt. Dann wird das Auto geladen.

Das wäre dann wirklich klimafreundlich und schafft sogar finanzielle Anreize. Da Energieversorger bei zu viel Strom im Netz diesen verschenken oder sogar für deren Abnahme bezahlen müssen, damit das Netz nicht zusammen bricht, ist es denkbar, die Autobatterie hier als Speichermöglichkeit einzusetzen. Der Wagen lädt sich zu Zeiten, in denen man Geld für die Stromabnahme aufgrund von Überkapazitäten im Netz bekommt.

"Dann steige ich morgens in den Wagen und sehe: Heute Nacht habe ich damit fünf Euro verdient und das Auto ist aufgeladen", schwärmt ein Experte von The Mobility House, einem Dienstleister in der Stromerbranche.

Auf lange Sicht ist das Elektroauto also eine klimafreundliche Alternative zum Verbrennungsmotor. Bis es seine Vorteile in Sachen Umweltschutz allerdings ausspielen kann, muss noch einiges getan werden. Der Ausbau erneuerbarer Energien, umfangreiche Forschung in Batterietechnik und Lademanagement und ein bewusster Einsatz der Fahrzeuge sind dabei entscheidend, damit die elektrische Fortbewegung umweltfreundlicher wird.

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