March for Science: Revolte statt Elfenbeinturm

March for Science: Revolte statt Elfenbeinturm

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Es ist nicht das erste Mal, dass Wissenschaftler gegen Donald Trump auf die Straße gehen. Mitte Februar demonstrierten etwa Forscher in Boston.

von Thomas Kuhn

Forscher rufen zu einer der größten Demonstrationen aller Zeiten auf – gegen die Abkehr von faktenbasiertem Wissen und Denken. Doch der weltweite March for Science ist umstritten.

George Daley, Dekan der Harvard Medical School, gilt in der Stammzellenforschung als Mann für die unlösbaren Fälle. Vergangenes Jahr erst einigten sich unter seiner Leitung Dutzende Experten auf ethische Standards für die weltweite Forschung an Stammzellen. Daley befriedete dabei einen über Jahre schwelenden Streit zwischen Politik und Wissenschaft. Auch deshalb schauen seine Kollegen immer dann auf den Wissenschaftler, wenn diese zwei Welten besonders hart aufeinanderprallen. In diesen Tagen ist es wieder so weit. „Da zieht ein Sturm auf“, warnte der Biologe und Mediziner jüngst in einem Interview. Die USA seien „auf dem Weg zurück zu einem Denken wie vor der Aufklärung in die Tage von Aderlass und Wunderheilung“.

Daley und große Teile der US-Wissenschaftsgemeinde sind alarmiert, dass Diskussionen immer seltener auf Basis von Fakten geführt werden.

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Fast täglich verbreiten US-Präsident Donald Trump und seine Entourage Halbwahrheiten oder schlicht Erfundenes als „alternative Fakten“. Trump, so die Angst vieler Wissenschaftler, könnte wissenschaftliche Arbeit und offenen Diskurs einer politischen Zensur unterwerfen.

Gegen „alternative Fakten“ Forscher machen Front gegen Trump

Nun sammeln sich Forscher zum Protest gegen die Trump-Regierung. Sie machen Front gegen eine Beschränkung der US-Wissenschaft. Auch in Deutschland wächst die Sorge um das weltoffene Klima für die US-Forschung.

Alternative Fakten: Forscher machen Front gegen Trump Quelle: dpa

Zehntausende Aktivisten organisieren deshalb die größte Wissenschaftsdemo, die Washington je gesehen hat. Am 22. April wollen sie mit dem „March for Science“ der überprüfbaren Wahrheit Gehör verschaffen.

Forschungsförderung als politisches Druckmittel

Anlass zur Sorge gibt es reichlich: So hat der US-Präsident erste Links auf Studien zum Klimawandel, den er anzweifelt, sofort nach Amtsantritt von Regierungswebseiten tilgen lassen. Wissenschafts-Aktivisten hatten sie aus Sorge um den Verlust der Daten auf andere Server kopiert und zum Teil außerhalb der USA gesichert.

Donald Trumps trotzige Abrechnung Alternative Fakten aus einer alternativen Welt

US-Präsident Donald Trump arbeitet bereits an seiner eigenen Dolchstoß-Legende - für den Fall, dass er scheitert. Der Schuldige ist bereits gefunden: Die Presse, die nicht über seine Erfolge schreibt. Ein Kommentar.

Während der Pressekonferenz in Washington wetterte US-Präsident Donald Trump wieder einmal gegen die Medien. Quelle: AP

Viele - Wissenschaftler, genauso wie forschende Unternehmen - befürchten zudem, dass die Regierung missliebige Forschungsfelder austrocknet.

Größter Geldgeber in der medizinischen Forschung etwa ist die Gesundheitsbehörde NIH mit rund 32 Milliarden Dollar jährlich der weltgrößte öffentliche Geldgeber für biomedizinische Forschung überhaupt. Geld für Studien zur Abtreibungsberatung bei am Zika-Virus erkrankten Schwangeren hat Trump schon gekappt. Mediziner sehen das als Entgegenkommen an die konservativen Abtreibungsgegner in der Republikanischen Partei - und fürchten weitere politisch motivierte Einschnitte.

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