Revolutionäre Idee: Elektroauto produziert seinen eigenen Strom

Revolutionäre Idee: Elektroauto produziert seinen eigenen Strom

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7,5 Quadratmeter Fahrzeugoberfläche sind mit Solarzellen bedeckt. Gemeinsam sollen sie ein Kilowatt Strom erzeugen. (Foto: sonomotors.com)

von Wolfgang Kempkens

Drei Münchner wollen den Automarkt aufmischen: Sie haben ein Fahrzeug erfunden, das seinen eigenen Strom erzeugen soll. Im nächsten Jahr könnte es bereits auf der Straße sein.

Ein Elektroauto, das seinen eigenen Strom produziert – was utopisch klingt, könnte bald schon über unsere Straßen fahren. Drei junge Münchner haben ein Auto erfunden, das sich selbst mit Energie versorgt. Finanziert haben sie ihr Projekt mit Crowdfunding, das ihnen auch auf den letzten Metern helfen soll. Bis 5. September läuft die Kampagne noch. Kommt die erforderliche Summe zusammen, könnten die ersten Autos bereits im Februar 2017 ausgeliefert werden.

„Sion“, der von den Sono Motors-Gründern Laurin Hahn, Navina Pernsteiner und Jona Christians erfunden wurde, ist klein: nur 4,11 Meter lang und 1,79 Meter breit. Dafür ist er über und über mit monokristallinen Solarzellen bedeckt, die auf einer Fläche von 7,5 Quadratmetern Strom erzeugen.

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Die Filterung der Luft im Auto übernehmen Moose: Das Wasser, das sie zum Wachsen brauchen, entziehen sie einfach der Luft. (Foto: sonomotors.com)

Die Spitzenleistung liegt bei gut einem Kilowatt. Das soll für eine Fahrstrecke von 30 Kilometern reichen, vorausgesetzt, das Fahrzeug hat vorher mindestens vier Stunden in der Sonne gestanden. Eine acht Millimeter dicke Schicht aus transparentem  Polycarbonat schützt die Stromerzeuger vor Witterungseinflüssen und Beschädigungen.

Mit Sonnenenergie bis zu 250 Kilometer fahren

Der Sechssitzer, der mit seinem 50-Kilowatt-Motor eine Spitzengeschwindigkeit von 140 Kilometern pro Stunde erreicht, soll in zwei Varianten gefertigt werden. Das Modell „Urban“ bekommt eine 14,4 Kilowattstunden-Batterie, hat eine Reichweite von 120 Kilometern und kostet zwischen 12.000 und 13.200 Euro.

Der gleich große „Extender“ bezieht seinen Strom aus einem 30-Kilowattstunden-Akku, schafft 250 Kilometer und kostet zwischen 16.000 und 17.600 Euro. Zu beiden Modellen kommt noch der Kaufpreis für den Akku beziehungsweise die Leasinggebühr hinzu. Wie hoch der Preis ist, ist noch nicht bekannt.

Dreisitzer für die Stadt Deutsches Konsortium entwickelt Mini-Taxi mit Wechselbatterie

Wie sieht das Auto der Zukunft aus? Für den Münchner Entwickler Paul Leibold klein, wenig und elektrisch. Mit Wechselakkus und Leichtbauweise soll es die Verkehrswende einleiten.

Das eTAXI peilt einen Einsatz in Städten an - diese Animation zeigt, wie es aussehen könnte. (Bild: ACM)

Der „Sion“ ließe sich, wenn es einen entsprechenden Vertrag mit einem Stromanbieter gibt, auch im Regelenergiemarkt etablieren. Bei Strommangel fließt Energie aus der Autobatterie ins Netz. Bei Stromüberschuss ist es umgekehrt. Die Bereitstellung von negativer und positiver Regelenergie wird finanziell gesondert honoriert.

Nutzer sollen das Auto selbst reparieren können

Eine pfiffige Lösung haben sich die Entwickler für die Filterung der Luft ausgedacht, die ins Fahrzeug strömt. Sie passiert ein Vlies aus Echter Rentierflechte (Cladonia rangiferina), einer Moosart, die die Luft reinigt. Sie bedarf keiner Pflege, weil sie das für ihr Wachstum benötigte Wasser der durchströmenden Luft entzieht.

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Auch bei der Reparatur setzen die Gründer auf moderne Mittel: Mit Hilfe der 3D-Druck-Technik sollen die Besitzer ihr Auto selbst reparieren können. (Foto: sonomotors.com)

Wartung und Reparaturen sollen bereits existierende Werkstätten übernehmen, der Aufbau von Fachbetrieben ist nicht geplant. Das Know-how findet sich in einem Anweisungskatalog und einem Erklärungsvideo. Selbst Laien soll es so möglich sein, Ersatzteile, die Sono Motors liefert, einzubauen.

Repariert werden können soll das autarke Auto aber auch noch auf eine andere Art: „Wir stellen zu jeder Komponente des Fahrzeugs die CAD-Datei kostenlos online“, so die Gründer. „So ist es dem Kunden möglich, Ersatzteile lokal per CNC-Fräse oder 3D-Drucker herstellen zu lassen.“

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