Riesenzeppelin: Fliegender Wal bringt komplette Häuser zum Zielort

Riesenzeppelin: Fliegender Wal bringt komplette Häuser zum Zielort

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Umsiedeln per Zeppelin soll künftig problemlos möglich sein. (Foto: Skeleton Technologies)

von Wolfgang Kempkens

In Frankreich arbeiten Entwickler an einem Zeppelin, der Lasten bis zu 60 Tonnen transportieren kann. Der Jungfernflug des Luftschiffs ist für 2019 geplant.

Riesenzeppeline erleben eine Renaissance. Nachdem bekannt geworden war, dass in den USA und in Großbritannien Luftschiffe für den Schwertransport entwickelt werden, gesellte sich jetzt das französische Unternehmen Flying Whales (fliegende Wale) hinzu.

Dessen Transporter mit dem Codenamen LCA60T soll Lasten bis zu 60 Tonnen mit einer Geschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde befördern können. Die konkurrierenden, ebenfalls noch in der Entwicklung befindlichen Zeppeline schaffen 20 beziehungsweise 10 Tonnen.

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Das französische Luftschiff ist ein Projekt im Rahmen des staatlichen Programms „Nouvelle France Industrielle“, das unter anderem die Entwicklung von Transportmitteln der Zukunft fördert. Beteiligt ist auch der chinesische Flugzeugbauer Avic. LCA60T soll 140 bis 150 Meter lang werden. Der erste Start ist für 2019 geplant.

Angetrieben wird es von Elektromotoren, die ihren Strom aus Dieselgeneratoren beziehen. Da diese ständig mit optimaler Drehzahl laufen, verbrauchen sie wenig Sprit. Das reduziert den Energieverbrauch zusätzlich. Über den Daumen gepeilt benötigen Luftschiffe allenfalls zehn Prozent des Treibstoffs, den Lasthubschrauber konsumieren würden, die die gleichen Lasten schleppen.

Riesiger Laderaum unter dem Zeppelin

Unter dem Luftschiff befindet sich ein Laderaum mit gigantischen Maßen. Er ist 75 Meter lang und jeweils acht Meter breit und hoch. Die Fracht wird mit elektrisch betriebenen Winden angehoben und im Laderaum verstaut, während das Luftschiff darüber schwebt. Besonders sperrige Güter werden schwebend zum Zielort gefahren.

Den zusätzlich benötigten Strom liefern Superkondensatoren (Supercaps) des estländischen Unternehmens Skeleton Technologies. Es hat mit wissenschaftlicher Unterstützung aus Australien Hochleistungs-Stromspeicher auf der Basis von Graphen entwickelt. Gerade haben die Esten vier Millionen Euro an frischem Kapital von KIC InnoEnergy erhalten, einem europäischen Wagnisfinanzierer, der sich auf neue Energien spezialisiert hat.

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Bis zu 150 Luftschiffe sollen in den nächsten Jahren in Frankreich und China gebaut werden. (Foto: Skeleton Technologies)

„Wir entwickeln LCA60T speziell, um große Mengen Holz aus unzugänglichem Gelände abzutransportieren“, sagt Sébastian Bougon, CEO von Flying Whales. Das Luftschiff könne auch komplette Windgeneratoren auf Berge schleppen oder Fertighäuser und große Flugzeugteile transportieren. Es könnte auch Hilfsgüter in Regionen bringen, in denen beispielsweise Nahrungsmittel benötigt werden, die aber wegen fehlender Straßen nicht von Lastwagen erreicht werden können.

Bis zu 150 Luftschiffe sollen gebaut werden

Bougon ist sicher, dass das Luftschiff konkurrenzfähig ist. Der weltweit größte Lasthubschrauber, der in Russland gebaut wird und 18 Tonnen tragen kann, habe Betriebskosten von einer Million Euro pro Tag. LCA60T komme auf gerade mal 50.000 Euro. Geplant ist, bis zu 150 Luftschiffe in Frankreich und China zu bauen. Zwei sollen im Jahr 2020 fertiggestellt werden, fünf im darauffolgenden und so weiter, bis zu einer Jahresproduktion von 24.

Nicht ganz so optimistisch, was die Produktionsquote angeht, war Carl-Heinrich von Gablenz. 1996 gründete er in Brandenburg das Unternehmen CargoLifter. Er wollte ein 260 Meter langes Luftschiff bauen, das stolze 160 Tonnen transportieren sollte. Über ein Modell im Maßstab eins zu acht kam er nicht hinaus. 2002 musste er Insolvenz anmelden. In der gigantischen Produktionshalle befindet sich heute der Freizeitpark Tropical Islands.

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