Studie: Fossile Energieträger reichen noch 100 Jahre

Studie: Fossile Energieträger reichen noch 100 Jahre

von Thiemo Bräutigam

Der weltweite Energiebedarf wächst. Doch werden deshalb bald Öl, Kohle und Gas knapp? Nein, sagt eine Studie der TU-München und von Siemens.

Beinahe überall auf der Welt wächst der Hunger nach Rohstoffen, um Energie zu erzeugen - sei es nach Kohle, Öl und Gas. Für die Erderwärmung sind das keine guten Aussichten, denn eigentlich müsste der CO2-Ausstoß in den kommenden Jahren sinken. Die einzige Hoffnung vieler Mahner ob des drohenden Klimawandels war, dass die fossilen Ressourcen bald zur Neige gehen und die Menschheit auf erneuerbare Energien umsteigt.

Doch ist das, selbst bei steigenden Bevölkerungszahlen, realistisch? Glaubt man einer aktuellen Studie von Siemens und der Technischen Universität München, eher nicht. Denn in den Böden der verschiedenen Kontinente verstecken sich noch massenhaft Ressourcen. Derzeit verbrauchen die Länder der fünf Weltregionen pro Jahr nur etwas mehr als ein Prozent ihrer förderbaren, fossilen Energiereserven an Gas, Öl und Kohle. 

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Das würde bedeuten: Lassen sich wirklich alle Ressourcen auch bergen (was Vertreter der Peak-Oil-These zum Beispiel bezweifeln), gehen der Welt erst in rund 100 Jahren die fossilen Energieträger aus. Für die Politik ist das ein Dilemma: Denn bisher argumentierten die Regierenden beim Umstieg auf erneuerbare Energien wie Solar- und Windkraft oft damit, dass fossile Energieträger knapp werden. Jetzt bleibt ihnen vorerst nur noch ein Argument: Erneuerbare Energieträger sind sauberer, billiger und klimafreundlicher. Daran werden auch Projekte wie die Energiewende künftig gemessen.

In der Länderübersicht stellt sich das so dar:

NordamerikaDie Bevölkerung der nordamerikanischen Staaten wird von 465 Millionen in 2012 auf voraussichtlich 540 Millionen Einwohner bis 2030 anwachsen. Die gesicherten Energiereserven Nordamerikas belaufen sich auf 220 Milliarden Barrel Öl, zehn Billionen Kubikmeter Gas und 250 Milliarden Tonnen Kohle. Der Energiebedarf der Länder, insbesondere der USA, ist jedoch enorm. Allein im Jahr 2010 verbrauchten die USA bereits ein Prozent ihrer gesamten Reserven, was fast einem Fünftel des Weltenergiebedarfs entspricht.

SüdamerikaDie südamerikanische Bevölkerung umfasst derzeit 400 Millionen Einwohner und wird bis 2030 um weitere 50 Millionen anwachsen. Zwar sind die konventionellen Energieressourcen der Länder riesig, die Netzinfrastruktur ist jedoch besonders in Ländern wie Argentinien und Venezuela extrem instabil. Die fossilen Ressourcen belaufen sich auf 8 Billionen Kubikmeter Gas, etwa 330 Milliarden Barrel Öl und 13 Milliarden Tonnen Kohle. Der jährliche Energiebedarf verschlingt etwa ein Prozent dieser Reserven.

Europa und RusslandDie Einwohnerzahl in der Region mit dem zweitgrößten BIP der Welt und etwa 740 Millionen Einwohnern stagniert. Es wird angenommen, dass die Bevölkerungszahlen sogar zurückgehen. Inklusive der russischen Reserven verfügt die Region zwischen Gibraltar und Vladivostok über 60 Billionen Kubikmeter Gas, mehr als 140 Milliarden Barrel Öl und 305 Milliarden Tonnen Kohle. Der Großteil dieser Reserven liegt in Russland. Auch in Europa und Russland liegt der jährliche Verbrauch bei etwa einem Prozent der gesamten Reserven.

AfrikaDerzeit leben mehr als eine Milliarde Menschen auf dem afrikanischen Kontinent. Das Bevölkerungswachstum ist rasant und wird auf 1,6 Milliarden bis 2030 geschätzt. Im Vergleich mit anderen Regionen der Welt, ist der Pro-Kopf-Energieverbrauch mit 620 Kilowattstunden pro Jahr sehr gering. Das liegt auch an der mangelnden Energieversorgung in weiten Teilen des Kontinents. Trotz großer Energiereserven fehlt vielen Menschen der Zugang zu Energie. Afrika verfügt über 15 Billionen Kubikmeter Gas, 130 Milliarden Tonnen Öl und mehr als 30 Milliarden Tonnen Kohle. Der jährliche Bedarf liegt dennoch bei etwa einem Prozent dieser Energieressourcen.

Asien und der Mittlere OstenDer asiatische Kontinent, einschließlich des mittleren Ostens, ist als größter Kontinent der Erde die Heimat von mehr als der Hälfte der Weltbevölkerung. In 2010 waren es 4,3 Milliarden Einwohner. Schätzungen gehen von einem Zuwachs von 600 Millionen Menschen bis 2030 aus. Von Megacities bis hin zu gänzlich unbesiedelten Gebieten reicht dabei das Spektrum der Bevölkerungsdichte. Die natürlichen Gasvorkommen werden mit 90 Billionen Kubikmeter beziffert, die Ölreserven umfassen 850 Milliarden Barrel, das Kohlevorkommen liegt bei knapp 190 Milliarden Tonnen. China allein verbraucht schon heute etwa 20 Prozent der jährlich weltweit erzeugten Energie und alles deutet auf eine Zunahme dieses Bedarfs hin.

OzeanienOzeanien umfasst die Länder Australien, Neuseeland und die Inseln des Südpazifiks. Die Bevölkerung der Region umfasst 37 Millionen Einwohner und wird bis 2030 auf etwa 47 Millionen Einwohner wachsen. Die als gesichert geltenden Ressourcen gelten als gering. Die Gasreserven liegen bei vier Billionen Kubikmetern, das Ölvorkommen wird auf vier Milliarden Barrel geschätzt, die Kohlereserven liegen bei etwa 77 Milliarden Tonnen. Australien verbraucht den größten Anteil der Ressourcen und exportiert darüber hinaus große Mengen Kohle.

Nachtrag (17:30): Die Zahlen der Studie beruhen in erster Linie auf den Veröffentlichungen der Internationalen Energieagentur (IEA)

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