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Müllexporte nach MalaysiaTonnenweise deutscher Plastikmüll auf illegalen Deponien

Das Bundesumweltministerium übt massive Kritik an illegalen Müll-Exporten aus Deutschland nach Asien. Diese gelten statistisch zwar als recycelt, werden dort aber nicht ordnungsgemäß verarbeitet.Jacqueline Goebel 15.02.2019 - 06:00 Uhr

Tausende Tonnen Altplastik aus Deutschland landen illegal auf Deponien im Ausland, obwohl sie offiziell recycelt wurden. Wie kann das sein?

Foto: Ahmad Yusni für WirtschaftsWoche

„Das ist ein Missstand, unter Umständen auch kriminell, da muss man dagegen vorgehen“, sagte Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium. Hintergrund sind große Umweltprobleme, die in Ländern wie Malaysia durch illegale Mülldeponien entstehen.

Recherchen der WirtschaftsWoche und des ZDF-Magazins „Frontal 21“ zeigen, dass auch deutsche Plastikabfälle nach Malaysia exportiert und dort nicht ordnungsgemäß verarbeitet werden. Auf illegalen Müllkippen vor Ort fanden Reporter tonnenweise Plastikmüll von Haushalten und Gewerben aus Deutschland. Auch die Umweltorganisation Greenpeace hatte über Missstände in Malaysia berichtet.

Der Export von deutschem Plastikmüll ist nur dann erlaubt, wenn diese Abfälle im Ausland verwertet werden. Deshalb zählen diese exportierten Mengen in den deutschen Statistiken automatisch als recycelt und gehen damit in die Recyclingquote ein. „Wenn etwas, was abgelagert wird, in die deutschen Recyclingquoten eingeht, dann ist es schlicht und einfach falsch“, erklärte Staatssekretär Flasbarth. Es sei „wünschenswerter, wenn das Recycling möglichst ortsnah stattfindet“. Der Anteil der in Europa recycelten Abfälle solle gestärkt werden.

Müllmafia

Wie Plastikmüll von Aldi & Co. in Asien landet

von Jacqueline Goebel und Henryk Hielscher

Auf einer Müllkippe in Malaysia fanden WirtschaftsWoche und Frontal21 auch Verpackungen, wie sie die Supermarktketten Aldi und Edeka verwenden. Dabei handelte es sich unter anderem um Gemüsenetze und Verpackungsfolien, die schon während der Herstellung aussortiert und entsorgt worden waren. Man arbeite ausschließlich „mit zertifizierten Entsorgungs- und Recyclingbetrieben“ zusammen, erklärte Edeka auf Anfrage. „Leider können wir auf Basis der uns vorliegenden Informationen den Sachverhalt aktuell nicht konkreter nachvollziehen.“

Aldi erklärte, dass bei dem Konzern und seinen Lieferanten „sämtliche Folien in Deutschland der thermischen Verwertung zugeführt“ werden. „Insofern ist für uns derzeit leider nicht nachvollziehbar, über welche Wege die Folien nach Malaysia gelangt sein könnten.“ Das Umweltministerium will nun die Zusammenarbeit mit den malaysischen Behörden verbessern.

Dieser Berg aus Müll hat die 30.000-Einwohner-Stadt Jenjarom bekannt gemacht, in Malaysia und weit darüber hinaus. Neben einer Palmölplantage haben Unbekannte Tonnen über Tonnen von Plastik aufgeschüttet. Auf den zwei Hektar Land stapeln sich die Kunststoffabfälle Meter hoch. Hier fanden Journalisten der WirtschaftsWoche Verpackungen für Pizza-Käse, Kochschinken, Süßigkeiten, sogar schwäbische Maultaschen aus Deutschland. Auch jede Menge französische oder amerikanische Spezialitäten sind auf diesem Berg zu finden.

Plastik fürs Paradies: Wie Plastikmüll von Aldi & Co. in Asien landet, können Sie hier lesen.

Foto: Ahmad Yusni für WirtschaftsWoche

In der Fabrik nebenan gab es vor wenigen Wochen ein großes Feuer. Die Schmuggler haben versucht, ihre Spuren zu verwischen, vermuten die Anwohner. Die illegalen Recycler in der Gegend verbrennen regelmäßig ihre Reste, vor allem nachts. Dabei kann der Rauch giftig sein.

Foto: Ahmad Yusni für WirtschaftsWoche

Die Behörden versuchen, die illegalen Fabriken dicht zu machen. Über 100 Razzien hat das Umweltministerium angekündigt. Nicht nur wegen des Rauchs. Die Fabriken nutzen auch keine Wasser- oder Luftfilter. Chemikalien und Dreck geraten deshalb in die Umwelt.

Foto: Jacqueline Goebel für WirtschaftsWoche

Eine Plane soll vor neugierigen Blicken schützen. Reihen von Säcken stapeln sich dahinter, das meiste randvoll mit Plastik. Es handelt sich um Gewerbeabfälle: Produktionsrückstände, Randschnitte, Fehlchargen. Auf den Säcken sind japanische, türkische und auch deutsche Schriftzüge zu lesen.

Foto: Jacqueline Goebel für WirtschaftsWoche

Eine Polizistin steht vor Ballen mit Gehäusen von alten Fernsehern und anderen Elektrogeräten. Die Maschinen werden in Europa zerlegt, dann werden die billigen Plastikreste ins Ausland gekarrt. So ist es seit Jahrzehnten. Früher gingen Lieferungen wie diese vor allem nach China. Doch vor einem Jahr hat China einen Importstopp erlassen, die Grenzen sind dicht. Nun schlägt dieser Müll auf einmal in Malaysia auf. Und auch die chinesischen Kriminellen, sagen manche.

Foto: Jacqueline Goebel für WirtschaftsWoche

In winzigen Wohncontainern hausten die Arbeiter auf dem Gelände der illegalen Fabrik. Auch sie waren wahrscheinlich illegal hier, vermuten die Ermittler. Oft kommen Arbeiter aus Indonesien oder Bangladesch. Tag und Nacht nahmen sie den Schrott auseinander, und das für 900 Ringgit im Monat – nicht mal 200 Euro.

Foto: Jacqueline Goebel für WirtschaftsWoche

Pua Lay Peng ist in Jenjarom aufgewachsen. Sie will ihre Heimatstadt schützen. Deshalb gründeten sie und ihre Nachbarn die Kuala Langat Environmental Protection Association. Mit Rollern und einer Drohne erkundschafteten sie die Gegend. Sie fanden mehr und mehr Fabriken und Deponien. Im November machte die Organisation mit der Hilfe von Greenpeace öffentlich, was in ihrer Heimat geschah.

Plastik fürs Paradies: Wie Plastikmüll von Aldi & Co. in Asien landet, können Sie hier lesen.

Foto: Ahmad Yusni für WirtschaftsWoche

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