Seltene Erden: Ungeahnte Schätze auf Deutschlands Müllhalden

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Seltene Erden: Ungeahnte Schätze auf Deutschlands Müllhalden

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Vom Hausmüll auf die Abfallhalde: Rohstoffe wie Kupfer, Eisen oder Seltene Erden. Über Jahre und Jahrzehnte haben sich diese Schätze angesammelt und sollen jetzt wiederverwertet werden.

Rohstoffe wie Kupfer oder Aluminium aber auch Seltene Erden schlummern unter gewöhnlichem Abfall. Schon bald könnten sie wieder viel wert sein – aber nicht so viel wie vergessene Schätze bei uns zu Hause.

Der weltweite Hunger nach Rohstoffen wird weiter steigen, prognostizieren Experten, und erwarten ebenfalls steigende Preise für die dringend benötigten Edelmetalle und Seltenen Erden. Diese Rohstoffe liegen in Deutschland einfach so herum, ungenutzt und vergessen: auf der Müllkippe. Vom Hausmüll gelangten diese Metalle und hochwertige Kunststoffe über Jahrzehnte umgehend auf die Müllhalden - und werden jetzt umso interessanter für Wirtschafts- und Entsorgungsunternehmen. Der Run auf die Unmengen an Kupfer, Aluminium oder Eisen hat begonnen.

Denn die Suche danach geht bereits jetzt los – auch in Deutschland. Abfall- und Ressourcenwissenschaftler wie der Gießener Professor Stefan Gäth nehmen Müllkippen überall in Europa genau unter die Lupe. „Mehrere Teams haben in den vergangenen Jahren fünf deutsche Deponien auf ihren Wertgehalt untersucht. In ganz Europa sind es etwa 20 Mülldeponien.“, so Stefan Gäth. Zunächst einmal sollen die Rohstoffe aufgespürt werden, anschließend entscheiden Deponien und Unternehmen dann ob, und wenn ja wann, sich eine Rückgewinnung wirtschaftlich lohnen würde. Denn schon die Untersuchungsprojekte sind nicht ganz billig: Je nach Deponie und Projekt schwanken die Kosten zwischen 50.000 und einer halben Million Euro.

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Rund 8000 Tonnen Müll hat das Entsorgungsunternehmen Tönsmeier auf einer Deponie im Kreis Minden-Lübbecke eingesammelt und untersucht, um zu klären, ob und wie sich daraus Wertstoffe gewinnen lassen können. Aber trotz des Verbots von offenen, also „unsortierten“, Müllhalden aus dem Jahr 2005 ist die moderne, hochsensible Untersuchungstechnik angesichts der Vermischung und Verdichtung des Abfalls häufig machtlos. Und das sind teilweise die Deponien selber schuld, denn eine korrekte Mülltrennung kostet. „Viele Aufbereitungsanlagen sind allenfalls bedingt dazu geeignet, die unbehandelten Abfälle in der gewünschten Qualität und Genauigkeit zu trennen“, sagt Michael Krüger, Leiter Forschung und Entwicklung bei Tönsmeier.

Dabei würde sich der Aufwand vermutlich lohnen. Stefan Gäth von der Uni Gießen glaubt, dass die Mengen an Eisen, Kupfer und Aluminium auf deutschen Mülldeponien ausreichen könnten, um den Bedarf des ganzen Landes ein oder zwei Jahre lang zu decken. Seiner Meinung nach könnte sich das Einsammeln und Wiederverwerten Metalle, seltenen Erden und Kunststoffe in etwa zehn bis 20 Jahren rechnen – sobald der Rohstoffpreis hoch genug ist. Ganz zu schweigen von dem ökologischen Profit, da auch die Umwelt von der Wiederverwendungsmaßnahme profitieren dürfte.

Im Laufe der verschiedenen Untersuchungen sind auch interessante Erkenntnisse über die regionalen Unterschiede der deutschen Müllkippen aufgedeckt worden. So werden die Wissenschaftler auf der Suche nach kostbaren Stoffen auf „westdeutschen“ Deponien ehr fündig als in Bundesländern wie Sachsen oder Brandenburg. In den Schichten des Abfalls lässt sich nämlich immer noch die Politik des vergangenen Jahrhunderts lesen: Die unterschiedlichen Konsumverhalten der Bundesrepublik und der DDR werden deutlich und der ausgeprägtere Recycling-Gedanke der DDR ist leicht erkennbar. Als besonders lukrativ gelten daher Müllkippen im Westen Deutschlands, auf denen in erster Linie Hausmüll lagert, da Hausmüll eine vergleichsweise hohe Konzentration an Wertstoffen aufweist.

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Aber so aufwendig und gewinnversprechend das Aufspüren und Sichten der Abfälle aber auch ist - noch schwerer zugänglich sind die Schätze, die bei vielen Verbrauchern zu Hause schlummern: alte Handys.

Experte Stefan Gäth beispielsweise schätzt, dass alleine in Deutschland bisher rund 200 bis 300 Millionen ausrangierte Handys in den Schubladen ihrer Besitzer lagern. Diese enthalten unter anderem Gold, Silber und Seltene Erdenmetalle – wahre Schätze auf der Mülldeponie. In der Regel kommen diese Edelmetalle aber nicht in den Wiederverwertungskreislauf, da die Besitzer selbst alte Handys lieber aufbewahren als wegwerfen.

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