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TauchsiederEine Krankheit namens Mensch

Planet Erde leidet an homo sapiens, schreibt die Journalistin Elizabeth Kolbert in ihrem Buch. Ist der Mensch verantwortlich für das größte Artensterben seit 66 Millionen Jahren? Und falls ja: Ist das eine Katastrophe?Dieter Schnaas 14.06.2015 - 08:43 Uhr

Plastikabfall, Aussterben und Abholzung: Die Folgen des menschlichen Handelns sind nahezu auf dem gesamten Planten unübersehbar.

Foto: imago images

Man nimmt die Nachrichten vom großen Artensterben fast mit Gleichmut hin heutzutage, so sehr hat man sich an sie gewöhnt, an den warnenden Ton, an die Sprache der Sorge, an den geschäftsmäßigen Notruf. Jede dritte der 72.000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten in Deutschland ist gefährdet, mahnt das Bundesamt für Naturschutz vor drei Wochen, die Wildbiene zum Beispiel, das Rebhuhn und der Kiebitz. 82 von 451 Vogelarten in Europa stehen auf der „Roten Liste“ der bedrohten Tiere, schimpft kurz darauf die Organisation Birdlife International, darunter die Schnee-Eule, der Balearensturmtaucher und die Weidenammer.

Von einer „alarmierenden Krise“ spricht man beim Bundesamt, von „schockierenden Daten“ bei den Vogelschützern; schuld am Massensterben seien eine intensive Landwirtschaft, verengte Lebensräume und natürlich der Klimawandel. Andererseits: Sind die Flüsse nicht viel sauberer als vor 30 Jahren? Sind nicht Wolf und Luchs zurück in Deutschland? Hat nicht der Biber wieder was zu knabbern? Und wurden nicht zuletzt sogar wieder Seeadler gesichtet? Wer weiß, vielleicht ruckelt sich das Ganze ja wieder zurecht…?

Klimawandel

Der Golfstrom wird schwächer

Nichts ruckelt sich zurecht, schreibt die amerikanische Wissenschaftsjournalistin Elizabeth Kolbert in ihrem Buch „Das sechste Sterben“*, das in den Vereinigten Staaten mit dem Pulitzerpreis bedacht wurde und soeben auf Deutsch erschienen ist, im Gegenteil: Amphibien, die am meisten bedrohte Tierklasse der Erde, sterben heute 45.000 Mal schneller aus, als es die Evolution mit ihrer natürlichen Schwundrate vorsieht. Ein Drittel aller Korallen, Haie und Rochen, ein Viertel aller Säugetiere, ein Fünftel aller Reptilien und ein Sechstel aller Vögel drohen auf Nimmerwiedersehen von der Erdoberfläche zu verschwinden – und damit nicht zuletzt auch: der Mensch.

FSME
Eine der wichtigsten durch lebende Organismen übertragenen Krankheiten in Deutschland ist die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), eine virusbedingte Hirnhaut- oder Gehirnentzündung. Überträger sind Zecken. Laut RKI erkrankten im vergangenen Jahr daran rund 420 Menschen. Gegen FSME schützt eine Impfung.

Foto: dpa-dpaweb

Malaria
Die Malaria-Erreger werden durch weibliche Anopheles-Mücken übertragen. In Deutschland werden jedes Jahr mehrere hundert Fälle eingeschleppt - meist von Reiserückkehrern aus Afrika und Asien. Mit der globalen Erwärmung könnten Überträger der Erreger auch nach Europa vordringen. Größere Ausbrüche in Deutschland hält das RKI allerdings für "äußerst unwahrscheinlich" - wegen des hohen medizinischen Standards und weil entsprechende Bedingungen für die Anopheles-Mücken fehlen.

Foto: AP

Borreliose
Weit häufiger übertragen Zecken die von Bakterien verursachte Lyme-Borreliose, die Nervensysteme und Gelenke schädigen kann und an der jedes Jahr schätzungsweise bis zu 100.000 Menschen in Deutschland erkranken. Eine Schutzimpfung dagegen gibt es nicht. Früh erkannt, lässt sich die Infektion aber gut mit Antibiotika behandeln.

Foto: dpa

Hantavirus
2012 infizierten sich mehrere Touristen bei einem Besuch im Yosemite Nationalpark in Kalifornien mit Hantaviren. Zwei von von ihnen starben. In Deutschland wurden im selben Jahr 2825 Fälle bekannt. Hantaviren werden in Deutschland durch die Rötelmaus und die Brandmaus übertragen. Der Mensch infiziert sich in der Regel über eingeatmeten Staub, der Exkremente infizierter Tiere enthält, über Hautkontakt zu Exkrementen oder verseuchte Nahrungsmittel. Zu den Risikofaktoren zählen unter anderem Gartenarbeiten, Holzschlagen, Zelten und Forstarbeiten.

Foto: dpa

Dengue-Fieber
Das Virus wird von Stechmücken, vor allem in den Tropen und Subtropen übertragen. Dengue gehört bei deutschen Reiserückkehrern zu den häufigen Infektionen. 2012 wurden in Deutschland rund 600 Fälle gemeldet, 2013 noch mehr. Am häufigsten infizierten sich Menschen in Thailand, Indonesien und Indien. Aber auch in Südkroatien und Südfrankreich tauchte der Erreger schon auf. Die asiatische Tigermücke, die den Erreger übertragen kann, wurde mehrfach auch in Süddeutschland gefunden - bislang enthielt aber keine der eingeschleppten Mücken tropische Viren.

Foto: dpa

Leptospirose
Wirtstiere sind Ratten, Mäuse und andere Haus-, Nutz- und Wildtiere. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt hauptsächlich durch Kontakt mit dem Urin infizierter Tiere. Häufig zeigen sich grippeähnliche Symptome, es können aber auch lebensbedrohliche Formen mit Leber- und Nierenversagen auftreten. Im Jahr 2012 wurden in Deutschland 85 Erkrankungen bekannt.

Foto: dpa

West-Nil-Fieber
Asiatische Buschmücken, Überträger von Krankheiten wie dem West-Nil-Fieber, sind nach Angaben von Experten inzwischen auch in Süddeutschland heimisch. Auch die in Deutschland weit verbreitete Gemeine Stechmücke kann das Virus übertragen. Hierzulande sind bislang nur neun aus dem Ausland importierte Infektionen bekannt. Allerdings breitet sich das Virus immer weiter aus. Auch in Deutschland scheinen laut RKI Voraussetzungen für mögliche Ausbrüche gegeben. Infektionen wären durch Stiche von Mücken denkbar, die Kontakt zu infizierten Zugvögeln hatten. Konkrete Anhaltspunkte dafür gibt es bislang nicht.

Foto: dpa

Das Ausmaß des gegenwärtigen Massensterbens lasse sich nur mit den fünf großen Katastrophen der Erdgeschichte vergleichen, so Kolbert, etwa mit der Klimakatastrophe am Ende des Perm (vor 250 Millionen Jahren), als sich die Meere während eines geologischen Wimpernschlags von 100.000 Jahren um 10 Grad erwärmten und eine massive Konzentration von Kohlenstoff neunzig Prozent aller Spezies vernichtete. Oder mit dem Einschlag des Asteroiden, der vor 66 Millionen Jahren den Übergang von der Kreidezeit ins Tertiär markierte: Der Bolide schlug damals mit einer Geschwindigkeit von 70.000 km/h auf der Halbinsel Yucatan ein, brachte die gesamte Erdoberfläche zum Kochen und machte den Dinosauriern den Garaus.

Nun also das sechste Massensterben. Es hat im Unterschied zu den fünf anderen keine natürlichen Ursachen, so Kolbert, vollzieht sich beinahe so plötzlich wie vor 66 Millionen Jahren und verbreitet sich als eine Art Virus. Dieser Virus heißt homo sapiens.

Zahlen zur Erderwärmung
15.000 Tote
40 Milliarden
20 Grad

Das Thema ist nicht neu. Und die Pointe des Buches seit Jahren schon ein Comedy-Hit unter Umweltbewegten: „Treffen sich zwei Planeten im Weltall. Sagt der eine: ‚Hast schon mal besser ausgesehen!‘ Sagt der andere: `Ich weiß. Hab‘ homo sapiens.‘ Darauf der Erste: ‚Hatte ich auch mal. Geht vorüber.‘“ Und doch ist das Buch von Elisabeth Kolbert ein Volltreffer, ein Musterbeispiel für guten Wissenschaftsjournalismus: auf unterhaltsame Weise lehrreich, aufregend nüchtern und in seinem Beispielreichtum gnadenlos präzise.

Galapagos-Inseln

Rund 9000 verschiedene Spezies nennen die Galapagos-Inseln ihr Zuhause. Zu dem Gebiet der paradiesischen Region zählen insgesamt 40 Inseln und 19 kleine vulkanische Inseln. Allerdings ist das Ökosystem extrem gefährdet, denn der Tourismus wächst ungemein - um etwa 12 Prozent im Jahr. Die Folge: Hotels, Restaurants und immer mehr motorisierter Verkehr zerstören Wildnis und Naturschönheiten. Wie viel Zeit bleibt, um die Galapagos Inseln in ihrer Schönheit noch zu bewundern, ist schwer zu beziffern, aber der Tourismus verdrängt sie von Jahr zu Jahr mehr.

Foto: AP

Die Malediven

Weniger als hundert Jahre geben Experten den Malediven noch - dann werden die traumhaft weißen Strände der rund 1200 Inseln im Meer versunken sein. Schon heute sind die Malediven das niedrigste Land der Welt, da 80 Prozent der Inseln nicht einmal mehr einen Meter über dem Meeresspiegel liegen. Die maledivische Regierung hat deshalb bereits Maßnahmen für seine Bevölkerung eingeleitet - so hat sie 2008 damit begonnen, Grund in anderen Ländern wie etwa Indien zu kaufen, wo das Volk der Malediven siedeln soll, wenn die Inseln im Meer verschwinden. Das kleinste Land Asiens - nach Größe und Einwohnerzahl - dürfte im 22. Jahrhundert also der Vergangenheit angehören.

Foto: dpa

Venedig

Auch Venedig versinkt im Wasser und das sogar noch schneller als die Malediven: Wegen des steigenden Meeresspiegels geben Experten der italienischen Touristenmetropole noch maximal 70 Jahre. An den Überflutungen des Markusplatzes lässt sich die Entwicklung des vergangenen Jahrhunderts genau ablesen: Wurde er 1900 jährlich rund zehn Mal überflutet, so kam das im Jahr 2000 schon 60 Mal vor.

Foto: dpa/dpaweb

Great Barrier Reef

Noch erstreckt sich eines der schönsten Korallenriffe der Welt vor der Küste Australiens über mehr als 347.00 Quadratkilometer - also eine Fläche von den Niederlanden, der Schweiz und Großbritannien zusammen. 350 verschiedene Korallen-Arten können hier bestaunt werden. Aber das einzige "Lebewesen", das vom Weltraum aus sichtbar ist und seit rund 8000 Jahren wächst, wird wegen Klimaveränderungen und Umweltverschmutzung ebenfalls wohl in weniger als hundert Jahren verschwunden sein. Experten gehen derzeit davon aus, dass schon bis 2030 60 Prozent verloren sein werden.

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Das Tote Meer

Ein Drittel ist in den vergangenen 40 Jahren verschwunden und Experten geben dem zweitsalzigsten Gewässer der Welt nur noch einige Jahrzehnte, dann könnte der See verschwunden sein. Schuld daran ist die Wasserentnahme aus dem Jordan. Der Fluss ist die Hauptwasserquelle für das Tote Meer, wird aber schon seit Jahrzehnten zur Trinkwassergewinnung und für Industrie und Landwirtschaft so intensiv genutzt, dass viel zu wenig Wasser in dem Salzsee landet. Die Folge: Das Wasserlevel sinkt von Jahr zu Jahr. In rund 50 könnte das Tote Meer deshalb also zu einer kleinen Pfütze zusammengeschrumpft oder sogar schon ganz verschwunden sein.

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Schneeparadies Alpen

Auch die Gletscher in den Alpen sind in Gefahr. Seit den 1880er Jahren haben sich die gemessenen Temperaturen dort doppelt so schnell nach oben entwickelt, wie weltweit sonst üblich. Die Folge der globalen Erwärmung: Allein in den vergangenen 30 Jahren gingen ein Fünftel der alpinen Gletscher verloren. 40 Jahre, so Expertenschätzungen, bleiben den Alpen noch, dann könnten die berühmten Gletscher und somit beliebte Skigebiete Geschichte sein.

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Madagaskar

Die viertgrößte Insel der Welt hat eine so einzigartige Flora und Fauna, dass 80 Prozent davon nirgendwo anders auf der Erde zu finden sind. Aber diese einzigartige Welt wird zerstört und könnte innerhalb der nächsten 35 Jahre verloren gehen. Schuld daran sind sowohl der Tourismus als auch Landwirtschaft und Wilderei. Schon jetzt sind nur noch 51 Millionen Quadratkilometer Wald übrig - von ehemals 310 Millionen.

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Das Kongobecken

Wunderschöner Regenwald und eine traumhafte Artenvielfalt prägt heute noch das Kongobecken. Dieses Tiefland-Becken, welches das Einzugsgebiet des Kongo-Stromes umfasst, erstreckt sich über sieben Länder Afrikas. Aber der Regenwald, Heimat etwa der berühmten Berggorillas, verschwindet - und das um rund 40.000 Quadratkilometer jedes Jahr. Deshalb geben Experten dem Kongobecken nur noch 25 Jahre - dann dürfte es quasi zerstört sein, wenn Landwirtschaft, Mienenarbeiten und Kriegswirren nicht gebremst werden.

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Glacier National Park

Ähnlich wie in den Alpen kämpft auch das Gletschergebiet im Hochgebirge der Rocky Mountains ums Überleben. Auf den 4000 Quadratkilometern Naturpark sind 260 Vogelarten und über 1100 Pflanzen heimisch. Zwischen Gebirgen und Gewässern finden sich 200 Wasserfälle und von den 712 Flüssen haben gerade einmal 131 einen Namen. Wer diese Naturschönheit noch inklusive Gletscher bewundern möchte, der sollte innerhalb der nächsten 20 Jahre in den amerikanischen Nationalpark reisen - denn danach sind sie laut Experten verschwunden.

Zum Vergleich: Waren es um 1900 noch rund 150 Gletscher, so wurden 2005 nur noch 27 gezählt. 2030 wird die Zahl wohl bei Null liegen.

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Taj Mahal

Nein, das Taj Mahal und damit eines der bekanntesten Gebäude der Welt wird nicht im eigentlichen Sinne verschwinden, aber vermutlich nicht mehr lange für die Blicke neugieriger Touristen zugänglich sein. Das 58 Meter hohe und 56 Meter breite Mausoleum im indischen Agra wurde auf einer 1000 Quadratmeter großen Marmorplattform errichtet. Bauherr war der Großmogul Shah Jahan, der die Grabesmoschee im 17. Jahrhundert im Gedenken an seine verstorbene große Liebe Mumtaz Mahal errichten ließ. 21 Jahre dauerte der Bau, an dem 20.000 Arbeiter und über 1000 Elefanten beteiligt waren und noch Jahrhunderte später ist es ein traumhafter Anblick.

Weil aber jedes Jahr zwischen 3 und 4 Millonen Touristen dorthin kommen, leidet der Prachtbau. Schon heute dürfen sich Autos und Busse nur noch auf zwei Kilometer nähern, um die Luftverschmutzung zu reduzieren. Beobachter rechnen damit, dass das keine ausreichende Lösung ist. Neben einer wiederholten Restaurierung wird wohl in Betracht gezogen, das Taj Mahal für die Öffentlichkeit zu schließen - und zwar innerhalb der nächsten fünf Jahre.

Foto: AP

Versauernde Meere, Korallenskelette und die Entwaldung der Tropen, Iridiumschicht, Aragonitsättigung und Impakthypothese, der Überlebenskampf von Seepocken, Riesenalks und Stummelfußfröschen – aus allen Gegenden der Erde und Himmelrichtungen der Wissenschaft trägt Kolbert faszinierende Fakten zusammen, setzt sie in Beziehung zueinander und verdichtet sie mit texthandwerklicher Sicherheit zu einer großen Erzählung.

Was bleibt von der selbsternannten Krone der Schöpfung?

Im Zentrum dieser Erzählung steht das so genannte „Anthropozän“, in dem der Mensch nicht erscheint (Max-Frisch-Leser wissen: das war im Holozän), sondern seine geologischen Spuren hinterlassen haben wird: „Selbst ein mäßig kompetenter Stratigraf“, so Kolbert, werde in hundert Millionen Jahren erkennen können, „dass in dem Zeitraum, der für uns Gegenwart ist, etwas Außergewöhnliches passiert ist…, obwohl alles, was wir für große Werke des Menschen halten – Bibliotheken, Museen, Städte, Fabriken - zu einer Sedimentschicht verdichtet sein wird, die kaum dicker sein wird als ein Zigarettenpapierchen.“

Insgesamt betrug das Abfallaufkommen im letzten Jahr in Deutschland rund 343 Millionen Tonnen, 36,7 Millionen Tonnen davon waren Hausabfälle. Das entspricht also 456 Kilogramm Müll pro Einwohner. Seit dem Jahr 2002 ist das Abfallaufkommen zwar leicht gesunken, jedoch wird laut Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit immer noch zu viel Abfall erzeugt. Immerhin: 14 Prozent der Rohstoffe, die die deutsche Wirtschaft einsetzt, werden mittlerweile aus Abfällen gewonnen; entsprechend werden der Abbau von Rohstoffen und die damit verbundenen Umweltbelastungen reduziert.

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Grund ist die am 8. Mai 1991 beschlossene Verpackungsverordnung, die den Grundstein für die Mülltrennung in Deutschland legte. Von den 456 Kilogramm Müll pro Nase und Jahr sind 164 Kilogramm Restmüll, 113 Kilo Biomüll, und 148 Kilogramm getrennte Wertstoffe, also Papier und Pappe (72 Kilogramm), Glas (24 Kilogramm) und Holz (14 Kilogramm). Pro Einwohner fielen zusätzlich rund 30 Kilogramm Sperrmüll an.

Quelle: Statista

Foto: dpa

Die Mülltrennung nutzt aber nicht nur der Umwelt und liefert billige Rohstoffe, sie schafft auch Arbeitsplätze: Fast 200.000 Beschäftigte arbeiten in rund 3.000 Abfallentsorgungs- oder Verarbeitungsbetrieben. Sie machen einen Umsatz von rund 40 Milliarden Euro jährlich.

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Anders als in vielen anderen Ländern landen unsere Abfälle eher selten auf Deponien zum Verrotten. Zuvor müssen sie in irgendeiner Art und Weise verwertet werden. Hausmülldeponien beispielsweise dürfen seit Mitte 2005 nur noch vorbehandelte Abfälle aufnehmen, bei denen organische Bestandteile nahezu völlig entfernt sind. Anders sieht es beispielsweise in Bulgarien, Rumänien, Griechenland oder Polen aus, wo mehr als 70 Prozent der Abfälle auf Deponien landen.

Foto: dpa

Ein großer Teil der Abfälle in Deutschland, nämlich 35 Prozent, werden deshalb in Müllverbrennungsanlagen verbrannt. Die Überreste landen dann auf der Deponie. Die Energie, die bei der Verbrennung entsteht, wird vielfach zur Erzeugung von Strom oder zum Heizen verwendet. Wir heizen also mit unserem Müll.

Foto: ZB

Immerhin 18 Prozent unserer Abfälle kompostieren wir.

Foto: dpa

47 Prozent der kommunalen Abfälle werden recycelt - damit ist Deutschland der Wiederverwertungskönig innerhalb der 28 EU-Staaten. In keinem anderen Land wird ein so großer Anteil der kommunalen Abfälle noch einmal verwendet.

Foto: AP

So unglaublich es klingt, es gibt auch noch einen blühenden Schwarzmarkt für unseren Müll. In schwarzen Lastwagen mit dem weißen Symbol für Abfalltransporte wird wertvoller Schrott - meist Altmetall - durch ganz Europa kutschiert. "Was mit ihrem Müll passiert, interessiert viele Erzeuger nicht“, sagt Kriminalhauptkommissar Norbert Schmitz vom Landeskriminalamt (LKA) Rheinland-Pfalz bei einer Abfalltransportkontrolle an der A 3. Entsorgungsvorschriften würden teilweise bewusst umgangen, um Kosten zu sparen. Mit Kontrollen will das Bundesamt für Güterverkehr in Zusammenarbeit mit der Polizei und dem LKA den Schmuggel und die illegale Beseitigung des Mülls eindämmen.

Foto: dpa

Grenzüberschreitende Abfalltransporte finden insbesondere zwischen Nachbarstaaten statt. Müll werde vor allem aus dem grenznahen Raum ausgeführt, etwa aus Nordrhein-Westfalen oder Rheinland-Pfalz nach Frankreich, Belgien oder in die Niederlande, sagt Joachim Wuttke vom Umweltbundesamt. 2012 seien rund 1,8 Millionen Tonnen notifizierungspflichtige Abfälle aus Deutschland exportiert und knapp 5,9 Millionen Tonnen importiert worden.

Foto: dpa

„Bei der Entsorgung kann es um bis zu fünfstellige Summen für die Erzeuger gehen“, sagt Kriminalhauptkommissar Norbert Schmitz. Deshalb ist der Beamte des Landeskriminalamtes (LKA) Rheinland-Pfalz gemeinsam mit Polizeikollegen auf der A 3 im Einsatz. Sie suchen Müll, der illegal entsorgt oder geschmuggelt wird.

Foto: dpa

Außergewöhnlich an diesem Satz ist zunächst einmal der Gedanke, der ihm zugrunde liegt: Nur eine Spezies, die anmaßend genug ist, sich für die Krone der Schöpfung zu halten, kann auch auf die vermessene Idee verfallen, sie könne in die Annalen der Geologie eingehen. Was also ist wirklich dran an der Theorie des Anthropozän? Was genau ist das Außergewöhnliche, mit dem der Mensch in der erdzeitlichen Millisekunde der vergangenen 200 Jahre angeblich nachhaltig in planetarische Prozesse eingreift? Und ist dieses Außergewöhnliche wirklich so außergewöhnlich, wenn man bedenkt, dass 99 Prozent aller Arten, die je auf der Erde in den Genuss von Sonnenlicht und Sauerstoff kamen, längst ausgestorben sind?

Evolutionäres Hintergrundsterben

Elisabeth Kolbert beantwortet diese Fragen nicht mit dem bebenden Ton eines Bestseller-Apokalyptikers. Sondern sie dekonstruiert alle Einwände, Schritt für Schritt, mit analytischer Schärfe und rhetorischem Schliff, in einer Art wissenschaftlichem Indizienprozess, den sie gegen das Virus des modernen Wirtschaftsmenschen führt.

Santorin

Santorin, in klassisch-griechischer Zeit Thera genannt, ist eine seit Jahrtausenden bewohnte Vulkaninsel in der Ägäis. Ihre Form erhielt die Insel vor etwa 3500 Jahren, als eine Explosion des Vulkans die heutige, durchbrochene Ringstruktur mit steilen, bis zu 300 Meter hohen Kraterinnenwänden hinterließ. Mit ihrem reizvollen Gegensatz zwischen dem dunklen Vulkangestein und den weiß gekalkten Häusern ist Santorin zu einem der wichtigsten Tourismusziele des Mittelmeerraums geworden.

Foto: © eoVision, Digitalglobe, 2014, distributed by e-GEOS

Nildelta

Durch Drainagen wurde seit den 1980er Jahren ein großer Teil des ursprünglichen Brackwassersees Bahra al-Manzala im nordöstlichen Bereich des Nildeltas trocken gelegt und ging dadurch für die Fischerei verloren. Die Ernteerfolge auf den neu gewonnenen Flächen blieben jedoch bislang wegen des salzigen Bodens hinter den Erwartungen zurück. In unmittelbarer Nähe zur Stadt Damiette wird mit alten Methoden auch Salz gewonnen.

Foto: © eoVision, Digitalglobe, 2014, distributed by e-GEOS

Manhattan

Mit der charakteristischen Skyline des zentralen Stadtteils Manhattan ist New York City der Prototyp der modernen Großstadt. An der Südspitze Manhattans liegen die Piers, von denen aus Fähren die Insel mit New Jersey und anderen Nachbarstädten verbinden und die an die Rolle New Yorks als Tor nach Amerika verweisen, über das Millionen Immigranten in die USA gelangten.

Foto: © eoVision, Digitalglobe, 2014, distributed by e-GEOS

Lena-Delta

Das sibirische Lena-Delta ist mit 45.000 Quadratkilometern Fläche eines der größten Flussdeltas der Erde. Von der Lena und ihren Zuflüssen aus dem zentralasiatischen Raum abtransportiertes Material, etwa 15 Millionen Tonnen im Jahr, wird hier wegen der in der Ebene langsamer werdenden Strömung abgelagert und zwingt den Fluss ständig dazu, neue Wege zum Meer zu suchen. Dabei bilden sich zahlreiche Flussläufe, die den Rand des Deltas fächerförmig in das Polarmeer schieben. Als typische Tundrenlandschaft ist das Delta zudem von unzähligen Seen übersät, die sich im Wechsel zwischen Frost und Auftauen bilden.

Foto: © eoVision, USGS, 2014

Grönland

Auf fast 80° nördlicher Breite gelegen ist der Nioghalvfjerdsfjorden-Gletscher im Nordosten Grönlands nur etwa 1100 Kilometer vom Nordpol entfernt. Der einst vom Gletscher geformte Fjord ist heute mit Wasser gefüllt, auf dem das Eis des Gletschers schwimmt. Im Sommer bildet Schmelzwasser auf der Gletscheroberfläche ein System kleiner Seen und Bäche, die sich in das Eis graben und auf dem weißen Untergrund des Eises in blauen Schattierungen leuchten.

Foto: © eoVision, Digitalglobe, 2014, distributed by e-GEOS

Galápagos

Etwa 1000 Kilometer vor der Küste Ecuadors liegen die vulkanischen Galápagos-Inseln. Ihre isolierte Lage im Äquatorbereich des Pazifiks führte zur Ausbildung einer sehr eigenen Tier- und Pflanzenwelt, mit der bereits Charles Darwin die Entwicklung der Evolutionstheorie untermauerte. Riesenschildkröten und die Meeresechsen, die auf der Suche nach Algen bis zu neun Meter tief im Ozean tauchen, gehören zu den bekannten Beispielen der speziellen Tierwelt der Galápagos-Inseln.

Foto: © eoVision, Digitalglobe, 2014, distributed by e-GEOS

Lake Carnegie

Inmitten des trockenen Westaustraliens liegt der Carnegie-See in einer abflusslosen Senke. Meist ist die Fläche von schlammigem Marschland bedeckt, nur während Perioden intensiven Regens füllt sich der See mit Wasser, wobei die helle Färbung deutlich anzeigt, wie seicht das Wasser ist. In diesen Perioden erblüht auch die Wüste ringsum für kurze Zeit.

Foto: © eoVision, USGS, 2014

Canyonland

Oberhalb des Lake Powells verläuft der Colorado River durch den Canyonlands Nationalpark. Sehr deutlich lässt sich an den steilen Wänden der Schlucht die Abfolge der Sedimentschichten verfolgen, durch die sich der Fluss hindurchgearbeitet hat. Bei den Schleifen der "Loops" ist die Erosion so weit fortgeschritten, dass bereits zu erahnen ist, wie in einigen Jahrtausenden das Flussbett verlaufen wird.

Foto: © eoVision, Digitalglobe, 2014, distributed by e-GEOS

Buccaneer Archipelago

Alte, rundgeschliffene Felsformationen bilden die Küstenlandschaften des nordwestaustralischen Kimberley mit ihren zahlreichen vorgelagerten Inseln. Die flachen Buchten sind deutlich vom Wechsel der hier stark ausgeprägten Gezeiten geformt und bieten mit ihren Mangrovenwäldern Lebensraum für viele Tierarten. Fern von größeren Städten ist in dieser schwer erreichbaren Region der Einfluss des Menschen sehr gering.

Foto: © eoVision, Digitalglobe, 2014, distributed by e-GEOS

Blue Hole

Die Karibikküste vor Belize ist von Korallenriffen und Atollen gesäumt. Inmitten eines dieser Atolle, des Lighthouse Reefs, liegt das Great Blue Hole, das sich durch seine dunkle Farbe gut von der Umgebung abhebt. Das fast kreisrunde Loch mit etwa 300 Metern Durchmesser ist das Ergebnis von Erosionskräften - aus dem Kalkfels des Untergrundes wurde eine Höhle ausgewaschen, die später vom Meer geflutet wurde. Nach dem Einsturz der Höhlendecke blieb das Great Blue Hole, welches fast 125 Meter in die Tiefe reicht und längst ein beliebtes Ziel von Tauchern geworden ist.

Foto: © eoVision, Digitalglobe, 2014, distributed by e-GEOS

WASSER – Entdeckung des Blauen Planeten

Autoren: Markus Eisl, Gerald Mansberger, Paul Schreilechner

Ein Buch der Partner eoVision, Frederking & Thaler und GEO

Erschienen bei Frederking & Thaler

ISBN 978-3-95416-135-6

Foto: Frederking & Thaler

Der Riesenalk zum Beispiel, eine Art Urpinguin, der sich bis zu seiner Entdeckung vermutlich in millionenfacher Auflage von Norwegen bis Italien aufhielt, war für den Menschen als Nahrungsmittel, Fischköder und Matratzenfüllung so ergiebig, dass seine Bestände sich im Laufe des 18. Jahrhunderts drastisch reduzierten. Und weil seine Bälge und Eier unter Adligen damals noch dazu als Trophäen die Runde machten, kann Kolbert uns minutiös nachweisen, dass das letzte Riesenalk-Pärchen im Juni 1844 auf einer kleinen, zur Island gehörenden Insel namens Eldey von drei namentlich bekannten Männern erwürgt wurde.

Die Kollateralschäden der Globalisierung

Eine anekdotische Geschichte, gewiss. Aber wenn man bedenkt, dass sich das natürliche, evolutionäre „Hintergrundaussterben“ in einem viel langsameren Tempo vollzieht - alle 700 Jahre zum Beispiel trifft es eines von insgesamt 5500 Säugetieren -, ist man doch ein wenig geschockt über das Schulterzucken, bei dem man sich soeben ertappt hat.

Zumal das von Menschen absichtsvoll angezettelte Artensterben harmlos ist im Vergleich zu den Kollateralschäden der Globalisierung. In Mittelamerika zum Beispiel meuchelt der aus Europa oder Afrika eingeschleppte Chytridpilz den Panama-Stummelfußfrosch dahin, während die nicht-indigene braune Baumnatter auf Guam alle Singvögel verschlingt - um nur zwei Beispiele von Hunderten zu nennen.

Der Kampf gegen die Plastiktüten
Warum will die EU den Verbrauch von Plastiktüten drücken?
Wie viele Tüten werden pro Jahr genutzt?
Mögliche Maßnahmen
Was halten Umweltschützer davon?
Was sagt die Plastikindustrie?


Der Grund dafür ist denkbar einfach: Als der homogene Urkontinent Pangäa auseinanderbrach, nahmen die Arten auf den veschiedenen Kontinenten je ihre eigenen Entwicklungswege. Heute sorgt die interkontinentale Vernetzung durch den Menschen dafür, dass die Biodiversität sich wieder entdifferenziert. Eine Erde, ein Kontinent - Pangäa reloaded.

Fast 270.000 Tonnen Plastikmüll treiben einer neuen Studie zufolge auf den Ozeanen der Erde. Das sei so viel Abfall, wie nicht einmal in 38 500 Müllwagen passen würde, schätzt eine am Mittwoch in dem Fachjournal „Plos One“ veröffentlichte Studie. Es handele sich dabei um mehr als fünf Billionen Einzelteile, heißt es in der Untersuchung. Um zu den Zahlen zu kommen, hatten Forscher zu See mit einem Maschennetz kleine Abfallteilchen gesammelt. Beobachter auf Booten zählten größere Gegenstände auf dem Wasser. Mit Computermodellen wurde für nicht untersuchte Gebiete hochgerechnet, wie viel Müll auch dort schwimmt. Die Studie bezieht sich lediglich auf Plastikabfall an der Wasseroberfläche. Wieviel Material auf dem Meeresboden liegt, erforschten die Wissenschaftler nicht.

Foto: NOAA/PIFSC

Foto: Presse

Im Meer vor Griechenland treiben Plastiksäcke. Das Bild stammt aus dem Jahr 2008.

Foto: Gavin Parson/Marine Photobank

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Plastikmüll als Habitat für Meeresbewohner im Pazifik.

Foto: Lindsey Hoshaw

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Angeschwemmter Plastikmüll vor der Küste von Tromsø in Norwegen.

Foto: Bo Eide

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Angeschwemmter Plastikmüll vor der Küste von Kanapou in den USA.

Foto: NOAA/Marine Debris Program

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Vor der Küste von Hawaii sind etliche Netze angeschwemmt worden.

Foto: Chris Pincetich/Marine Photobank

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Kein seltener Bild: Eine Robbe hat sich in einem Treibnetz verfangen, USA, 2009.

Foto: Kanna Jones/Marine Photobank

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Abfallverschmutzung im Mündungsgebiet bei Santos, São Paulo, Brasilien.

Foto: William Rodriguez Schepis, Instituto EcoFaxina/Marine Photobank

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Plastikmüll am Strand mitten im Nordpazifik (Papahanaumokuakea Marine National Monument).

Foto: Paulo Maurin/NOAA

Foto: Presse

Plastikmüll am Strand, Thailand, 2011.

Foto: Kanyarat Kosavisutte/Green Fins Association/Marine Photobank

Foto: Presse

Schwemmgut aus Hawaii, zusammengestellt vom Museum für Gestaltung Zürich.

Foto: ZHdK

Foto: Presse

Nach der Neueinrichtung der Dauerausstellung Design richtet das MKG nun den Fokus auf die Folgen der Design- und Wegwerfgesellschaft, des Massenkonsums und der vermeintlich endlosen Verfügbarkeit der Dinge. Das MKG zeigt als erste Station die internationale Wanderausstellung „Endstation Meer? Das Plastikmüll Projekt“ des Museums für Gestaltung Zürich, die im Anschluss in weiteren Stationen zu sehen ist. Das Projekt und die Tournee werden finanziert von der Drosos Stiftung.

Foto: Michaela Hille

Foto: Presse

Interessant daran ist unter anderem, dass dieser Vorgang Darwins Theorie der natürlichen Zuchtwahl und evolutionären Vervollkommnung außer Kraft setzen kann: Spezies etwa, so Kolbert, die an die Lebensbedingungen in Australien oder Asien besonders gut angepasst sind, sind besonders wahrscheinliche Globalisierungsverlierer.

Eindrücklich schildert Kolbert die Folgen der Industriellen Revolution und der explodierenden Kohlendioxid-Emissionen. Dazu nimmt sie den Leser mit auf ihre Reisen, unter anderem ins schottische Hochland, zum australischen Great Barrier Reef, in die Tropenwälder von Peru und Brasilien. Kolbert trifft Botaniker, Ornithologen, Entomolgen (Insektenforscher), Herpetologen (Reptilienforscher), Pflanzenpathologen und Stratigrafen (Erdschichtenforscher).

Wie viel Müll jährlich recycelt wird
2.392.000 Tonnen Glas
5.462.000 Tonnen Verpackungen
8.098.000 Tonnen Papier
9.249.000 Tonnen Biomüll
13.989.000 Tonnen Restmüll
2.398.000 Tonnen Sperrmüll

Sie schildert, wie Baumarten in Folge des Klimawandels die Anden hinauf wandern (bis die Gipfel erreicht sind und es nichts mehr zum Hinaufwandern gibt), wie die allmähliche Versauerung der Meere kalkbildende Foraminiferen und Korallen daran hindert, sich zu gewaltigen Skeletten zu verbrüdern und wie die Fragmentierung von Lebensräumen, etwa durch Rodungen, das Artensterben in den Tropen beschleunigt, weil zum Beispiel Wanderameisen ausreichend Platz brauchen, aber nicht mehr vorfinden und aussterben - Wanderameisen, auf deren Begleitung sich einige Vögel spezialisiert haben, von deren Kot sich wiederum Schmetterlinge ernähren usw.

Am 14. April 2015 liefert ein Roboter erstmals Bilder aus dem tiefsten Inneren eines der Unglücksreaktoren in der Atomruine Fukushima. Nach Angaben des Atombetreibers Tepco sind im Sicherheitsbehälter des zerstörten Reaktors Nummer 1 nahe einer Öffnung zum Tiefgeschoss keine größeren Hindernisse gesichtet worden.

Foto: dpa

Dass der Roboter problemlos hineinkommen konnte, gilt als positives Zeichen für die weitere Suche nach den geschmolzenen Brennstäben. Die von dem Roboter gemessene Strahlendosis erreichte bis zu 9,7 Sievert pro Stunde. Ein Mensch würde bei einer solchen Strahlung innerhalb einer Stunde sterben.

Foto: dpa

Die Temperatur lag den Angaben nach zwischen 17,8 und 20,2 Grad. Nachdem das Gelände - insbesondere mithilfe des Kameraroboters - erkundet ist, hoffen Tepco und die japanische Regierung, 2020 mit der Bergung des Brennstoffs beginnen zu können.

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Sonnenaufgang am 11. März 2015 in Tomioka in der Präfektur Fukushima: Auch vier Jahre nach der Reaktorkatastrophe sind die Aufräumarbeiten nicht beendet.

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Ein zerstörtes Sturmflutsperrwerk in Namie. Das Unglück, bei dem ein Erdbeben einen Tsunami auslöste und in der Folge im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi drei Kernschmelzen stattfanden, kostete insgesamt fast 19.000 Menschen das Leben und verwüstete die Region Fukushima.

Foto: dpa

In der Kumamachi-Grundschule in Okuma liegen noch die Wörterbücher auf den Schultischen.

Foto: REUTERS

In Namie, fünf Kilometer nördlich des zerstörten Atomkraftwerks Fukushima Daiichi, legen Mitarbeiter der Post Blumen an ihrem ehemaligen Arbeitsplatz nieder.

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Durch eine zerbrochene Fensterscheibe sind die Reste des Atomkraftwerks zu erkennen.

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Die Reste der ehemaligen Nuklearanlage aus der Luft.

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Aufräumarbeiten in Namie im Februar 2015: Unmengen von Schrott bedecken den Boden.

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In einem Bambuswald wird die oberste Bodenschicht abgetragen und in Plastiksäcke verpackt: Die radioaktive Verstrahlung des Landstrichs soll so reduziert werden.

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In den schwarzen Plastiksäcken befinden sich radioaktiv verstrahlte Erde, Blätter und Trümmerteile. Der radioaktive Abfall soll im Gebiet der Stadt Tamioka zwischengelagert werden. Anwohner sind darüber besorgt, dass diese Zwischenlagerung nicht vorübergehend sein wird, sondern die insgesamt 30 Millionen Tonnen strahlenden Mülls auch nach der angekündigten Zeitspanne von 30 Jahren etwa auf verlassenen Reisfeldern, Parkplätzen und sogar in Hinterhöfen von Anwohnern lagern werden.

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Was Kolberts Buch besonders lesenswert macht: Sie kann sich nicht entscheiden, ob und wenn ja: welche Schlussfolgerungen sie ziehen soll. Der Leser ist hin- und hergerissen zwischen so manchen Endzeitsätzen der Forscher und atemberaubenden Zahlen (Der Mensch hat den PH-Wert der Ozeane in 50 Jahren auf einen Wert gedrückt, wie ihn die Erde seit 50 Millionen Jahren nicht mehr gesehen hat) einerseits - und andererseits dem merkwürdig beruhigenden Gefühl, dass der Mensch für die Erde sein muss, was die Fliege für die Kuh ist: ein mäßig lästiges, restlos bedeutungsloses Gezücht.

Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos

Was zum Beispiel soll man von der erdgeschichtlich einmaligen Explosion der Artenvielfalt nach dem Meteoriteneinschlag vor 66 Millionen Jahren halten? Die Dinosaurier hat’s damals hart getroffen, sicher. Dafür waren die Säugetiere die großen Gewinner. Überspitzt gesagt: Ohne den Meteoriten gäbe es heute keine Menschen, die sich über das Artensterben Gedanken machen könnten. Oder in den Worten von Elizabeth Kolbert: Allein dem Kometentreffer ist zu verdanken, dass ihr formidables Werk „von einem behaarten statt von einem schuppigen Zweibeiner“ verfasst wurde.

Am Ende schnurrt das Buch auf eine simple, vielleicht auch naive Botschaft zusammen: Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Der Mensch hat die Natur, die Artenvielfalt und sich selbst in Gefahr gebracht - nun ist es an ihm, sich wieder aus der Bredouille zu befreien.

Im Abschluss-Kapitel schildert Kolbert, wie Sumatra-Nashörner gepflegt und Hawaii-Krähen am Bauch massiert werden, um ihnen Ejakulat abzugewinnen. Das ist dann vielleicht doch ein bisschen zu viel des Guten. Was soll’s.

Es wird Leser geben, denen das Buch nicht streng und stringent genug ist, denen der Mix aus anekdotischer Reportage und leicht verständlicher Wissenschaftsprosa nicht gefällt. Man kann auch die fehlende Arbeit am Begriff bemängeln: Beim sechsten Sterben handelt es sich selbstverständlich nicht um eine Katastrophe, sondern im Gegenteil: um ein verantwortetes Massensterben. Aber das ist Mäkelei auf hohem Niveau. Haben wir nicht neben allem auch noch gelernt, wie die Theorien des Massensterbens und der Evolution, des Aktualismus und des Transformismus in die Welt kamen - als das Ergebnis eines wissenschaftlichen Kräftemessens im 19. Jahrhundert, an dem so schillernde Figuren wie Jean Cuvier, Jean-Baptiste Lamarck, Charles Lyell und Charles Darwin beteiligt waren? Ja, das haben wir. Und können schließen: Allein dafür lohnt sich die Lektüre.

*Elizabeth Kolbert, Das 6. Sterben, Wie der Mensch Naturgeschichte schreibt, Suhrkamp, 24,95 Euro (e-book 21,99 Euro)

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