Test in 69 Städten: So dreckig ist unser Trinkwasser

Test in 69 Städten: So dreckig ist unser Trinkwasser

von Roman TyborskiQuelle:Öko-Test

Metalle, Pestizide und Antibiotika: Die Zeitschrift Öko-Test hat im Trinkwasser mehr Schadstoffe gefunden als gedacht. Wie gefährlich viele Verunreinigungen sind, ist unklar. Wo das Wasser besonders stark belastet ist.

Wasser aus dem Wasserhahn sieht klar und sauber aus, doch laut der Öko-Test ist es genau das nicht. Bei der stichprobenhaften Entnahme des Trinkwassers in 69 deutschen Städten wurden in vielen Proben Rückstände von Gadolinium gefunden, das als Kontrastmittel in der Magnetresonanztomografie (MRT) angewendet wird. Doch nicht nur dieses Metall tummelt sich im deutschen Trinkwasser. Oft wird das Wasser auch durch Pestizide und Antibiotika belastet. Besonders betroffen sind Städte an Rhein und Ruhr aber auch in Nürnberg, Münster und Fürth wurden die Tester fündig.

Wo das Trinkwasser am stärksten belastet ist

  • Duisburg

    Anbieter: Stadtwerke Duisburg
    Herkunft: Grundwasser, Uferfiltrat (Rhein)
    Untersuchung auf Arzneimittelrückstände (laut Versorger): ja
    Gadoliniumbelastung: gering

  • Essen

    Anbieter: Stadtwerke Essen
    Herkunft: Uferfiltrat (Ruhr)
    Untersuchung auf Arzneimittelrückstände: ja
    Gadoliniumbelastung: erhöht

  • Fürth

    Anbieter: Infra Fürth
    Herkunft: Grundwasser
    Untersuchung auf Arzneimittelrückstände: nein
    Gadoliniumbelastung: erhöht

  • Dortmund

    Anbieter: Wasserwerke Westfalen
    Herkunft: künstliche Grundwasseranreicherung, Uferfiltrat (Ruhr)
    Untersuchung auf Arzneimittelrückstände: ja
    Gadoliniumbelastung: erhöht

  • Bochum

    Anbieter: Stadtwerke Bochum
    Herkunft: Grundwasser, Uferfiltrat
    Untersuchung auf Arzneimittelrückstände: ja
    Gadoliniumbelastung: erhöht

  • Berlin (Tegel)

    Anbieter: Berliner Wasserbetriebe
    Herkunft: Grundwasser
    Untersuchung auf Arzneimittelrückstände: k.A.
    Gadoliniumbelastung: erhöht

  • Münster

    Anbieter: Stadtwerke Münster
    Herkunft: Grundwasser
    Untersuchung auf Arzneimittelrückstände: nicht regelmäßig
    Gadoliniumbelastung: erhöht

  • Bonn

    Anbieter: Wahnbachtalsperrenverband
    Herkunft: Wahnbachtalsperre, Grundwasser
    Untersuchung auf Arzneimittelrückstände: ja
    Gadoliniumbelastung: leicht erhöht

Krankenhäuser haben an der Trinkwasserbelastung in Deutschland allerdings nur eine Teilschuld. Auch das Verbraucherverhalten verursacht Verunreinigungen. So sollen laut Dagmar Vohburger von der Deutschen Krankenhausgesellschaft rund 80 Prozent Arzneimittelrückstände im Abwasser von den privaten Haushalten stammen, in denen abgelaufene Medikamente oft über die Toilette und den Ausguss entsorgt werden. Dieses Entsorgungsverhalten stellt die Kläranlagen im Land vor enormen Herausforderungen, die kaum zu bewältigen sind. Denn konzeptionsbedingt sind Medikamente nur schwer abzubauen. So müssen die Mittel auf dem Wirkungsweg im menschlichen Körper zunächst der Magensäure und anschließend den Verdauungsenzymen widerstehen.

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Welche Folgen die Belastung des Trinkwassers für die Menschen und die Umwelt haben, ist schwer abzuschätzen. Studien zu diesem Thema sind rar. Klar ist, dass die unmittelbaren therapeutischen Effekte auf den Menschen nach dem Genuss von Trinkwasser nahe Null sind. Der Grund: Die Konzentrationen von Medikamenten und Kontrastmittelrückständen im Trinkwasser sind allgemein sehr niedrig. Doch die langfristigen Folgen sind nahezu unerforscht. Auch die Kombinationswirkung verschiedener Stoffe im Wasser werfen Fragen auf.


Wasserwerke stecken in einem Dilemma

Von Seiten der Wissenschaftler handelt es sich bei der Trinkwasserbelastung in Deutschland allerdings nicht um ein ernsthaftes toxikologisches Problem. Gerd Hamscher vom Institut für Lebensmittelchemie und -biotechnologie der Universität Gießen spricht vielmehr von hygienischen Problemen der deutschen Wasserversorger und nimmt sie gleichzeitig in Schutz. Denn auch mithilfe modernster Filtertechnologie ließen sich die Rückstände im Wasser nicht vollständig entfernen. Deswegen bleibt vielen Wasserwerken nichts weiter übrig, als sich am gesundheitlichen Orientierungswert (GOW) der Trinkwasser-Verordnung zu halten. Dieser Grenzwert gilt auch für das MRT-Kontrastmittel Gadolinium, auf das Öko-Test hin im Trinkwasser getestet hat.

Diese Mineralwassersorten empfiehlt Stiftung Warentest

  • Sechs von zehn Mineralwassern

    Geschmacklich gut, ohne Nachweis oberirdischer Verunreinigungen, verlässlich gekennzeichnet und für Immunschwäche gut geeignet – das schaffen im Test von Stiftung Warentest nur sechs der 30 Medium-Mineralwasser.

    Quelle: Stiftung Warentest

  • So wurde getestet

    30 natürliche Mineralwässer mit mittlerem Kohlensäuregehalt – „Medium“ genannt –, davon 13 Hersteller- und 17 Eigenmarken des Handels, 27 in PET- und drei in Glasflaschen.

  • Frische Brise

    Quelle und Quellort laut Deklaration: Mariusquelle, Aspach

    Preis pro Liter / pro Flasche: 0,24 / 0,24 Euro

    Testkommentar: Hoher Mineralstoffgehalt, wenig Natrium, sehr viel Kalzium, viel Magnesium und sehr viel Sulfat.

    Geschmack (Besonderheiten und Fehler): Deutlich sprudelnd

    Acetaldehyd in µg/l: 1,2

    Testurteil: gut (2,0)

  • Vio

    Quelle und Quellort laut Deklaration: Lüner Quelle, Lüneburg

    Preis pro Liter / pro Flasche: 0,51 / 0,76 Euro

    Testkommentar: Wenig Mineralstoffe, wie ausgelobt natriumarm

    Geschmack (Besonderheit und Fehler): Keine Auffälligkeiten

    Acetaldehyd in µg/l: 4,1

    Testurteil: gut (2,0)

  • Kaufland/K-Classic

    Quelle und Quellort laut Deklaration: Mierbach Quelle, Wolfhagen

    Preis pro Liter / pro Flasche: 0,13 / 0,19 Euro

    Testkommentar: Wenig Mineralstoffe, wie ausgelobt natriumarm

    Geschmack (Besonderheiten und Fehler): Keine Auffälligkeiten

    Acetaldehyd in µg/l: 5,1

    Testurteil: gut (2,0)

  • Lidl/Saskia (Wörth am Rhein)

    Quelle und Quellort laut Deklaration: Saskia Quelle, Wörth am Rhein

    Preis pro Liter/ pro Flasche: 0,13 / 0,19 Euro

    Testkommentar: Wenig Mineralstoffe, wie ausgelobt natriumarm

    Geschmack (Besonderheiten und Fehler): Keine Auffälligkeiten

    Acetaldehyd in µg/l: 5,1

    Testurteil: gut (2,0)

  • Lidl/Saskia (Jessen)

    Quelle und Quellort laut Deklaration: Saskia Quelle, Jessen

    Preis pro Liter / pro Flasche: 0,13 / 0,19 Euro

    Testkommentar: Wenig Mineralstoffe

    Geschmack (Besonderheiten und Fehler): Keine Auffälligkeiten

    Acetaldehyd in µg/l: 5,0

    Testurteil: gut (2,0)

  • Rewe/Ja!

    Quelle und Quellort laut Deklaration: Paulusquelle, Bad Rippoldsau

    Preis pro Liter / pro Flasche: 0,13 / 0,19 Euro

    Testkommentar: Sehr wenig Mineralstoffe, wie ausgelobt natriumarm

    Geschmack (Besonderheiten und Fehler): Sehr leicht bitter, wenig sprudelnd

    Acetaldehyd in µg/l: 5,4

    Testurteil: gut (2,0)

Das Metall wirkt in seiner freien Form äußerst toxisch auf die menschliche Muskulatur, die Mitochondrien und die Blutgerinnung. Vor Untersuchungen im MRT wird Gadolinium in die Blutbahn gespritzt, dass später über die Nieren ausgeschieden werden und über die Toilettenspülung ins Abwasser und die Klärwerke gelangt. Die laut Öko-Test am stärksten mit diesem Kontrastmittel belasteten Trinkwasser kamen dabei aus den Wasserwerken in Mülheim, Oberhausen und Bochum. Keinerlei Gadolinium-Rückstände waren in Aachen, Bremen und Dresden zu finden.

Wirklich gefährlich waren die Trinkwässer aus den besonders belasteten Wasserwerken allerdings nicht. Mit einem Anteil von 34 bis 40 Nanogramm pro Liter ist man noch weit vom GOW entfernt, der bei 100 Nanogramm pro Liter liegt. Doch laut Öko-Test darf das nicht zu Bedenkenlosigkeit verleiten. Denn die Langzeitwirkung geringer Gadolinium-Verschmutzung im Trinkwasser auf die Umwelt und den Menschen sind weitgehend unbekannt.

Die Untersuchungen von Öko-Test haben ergeben, dass vor allem Wasserwerke, die ihr Trinkwasser durch Uferfiltration gewinnen, die höchsten Gadoliniumwerte vorweisen. An der Ruhr wird diese Technik besonders oft von den anliegenden Wasserwerken verwendet. Aber auch in Münster, Regensburg und Ulm waren die Werte erhöht, wo die Trinkwassergewinnung mittels Grundwasser stattfindet.


Zu wenig Tests

Neben dieser Art der Trinkwassergewinnung ist auch das Untersuchungsverhalten vieler deutscher Wasserwerke bedenklich. Oft wird das Trinkwasser nach einmaliger Untersuchung, bei der keinerlei gefährlichen Rückstände gefunden wurden, später keinen weiteren Tests unterzogen. Die Wasserwerke in Mainz haben zum Beispiel ihr Trinkwasser zuletzt 2008 hinsichtlich Arzneimittelrückständen untersucht. Aus Mönchengladbach heißt es: Wie wir [...] bereits beschrieben haben, sind Screenings und bekannte Hauptbelastungen von Arzneimittelrückständen untersucht worden. Diese Messungen waren wie erwartet unterhalb der Nachweisgrenze, sodass in Absprache mit dem Gesundheitsamt auf weitergehende Beprobungen verzichtet werden konnte.“

Wo das Grundwasser am saubersten ist

  • Göttingen

    Anbieter: Stadtwerke Göttingen
    Herkunft: Sösetalsperre, Grundwasser
    Untersuchung auf Arzneimittelrückstände: nein (einmalige Untersuchung)
    Gadoliniumbelastung: nein

  • Ingolstadt

    Anbieter: Ingolstädter Kommunalbetriebe
    Herkunft: Grundwasser
    Untersuchung auf Arzneimittelrückstände: ja
    Gadoliniumbelastung: nein

  • Hannover

    Anbieter: Stadtwerke Hannover
    Herkunft: Grundwasser, Talsperre
    Untersuchung auf Arzneimittelrückstände: k.A.
    Gadoliniumbelastung: nein

  • Dresden

    Anbieter: DREWAG-Stadtwerke Dresden
    Herkunft: Grundwasser, Uferfiltrat (Elbe), Talsperre
    Untersuchung auf Arzneimittelrückstände: ja
    Gadoliniumbelastung: Spuren

  • Bremen

    Anbieter: Stadtwerke Bremen – SWB
    Herkunft: Grundwasser
    Untersuchung auf Arzneimittelrückstände: stichprobenhaft
    Gadoliniumbelastung: nein

  • Braunschweig

    Anbieter: BS-Energy-Braunschweiger Versorgungsgesellschaft
    Herkunft: Talsperren, Grundwasser
    Untersuchung auf Arzneimittelrückstände: nein
    Gadoliniumbelastung: Spuren

  • Berlin (Alt-Hohenschönhausen)

    Anbieter: Berliner Wasserbetriebe
    Herkunft: Grundwasser
    Untersuchung auf Arzneimittelrückstände: k.A.
    Gadoliniumbelastung: Spuren

  • Aachen

    Anbieter: STAWAG Stadtwerke Aachen
    Herkunft: Grundwasser, Talsperren
    Untersuchung auf Arzneimittelrückstände: stichprobenhaft
    Gadoliniumbelastung: nein

Einige der betroffenen Wasserwerke wollten sich zu den Ergebnissen der Öko-Test nicht äußern. Andere hingegen zeigten etwas mehr Kreativität. Die Braunschweiger Wasserwerke BS-Energy und die Stadtwerke Münster machten verunreinigte Wasserrohre hinter den Hausanschlüssen als Schuldige aus.

Auch die verchromten Armaturen im Bad können für eine Gadoliniumbelastung verantwortlich sein. Die Experten der Öko-Test zeigten sich von diesen Erklärungsversuchen überrascht. Sie hatten von solchen Effekten auf das Trinkwasser noch nie gehört.

Weitere Artikel

Öko-Test rät Verbrauchern deswegen bei der Verwendung von Trinkwasser die Qualität des jeweiligen Wassers bei den örtlichen Wasserwerken oder im Gesundheitsamt zu erfragen. Außerdem weist das Verbrauchermagazin darauf hin, dass von den gemessen Gadoliniumbelastungen keinerlei unmittelbare gesundheitliche Risiken ausgehen.

Darüber hinaus sollten die Haushalte beachten, dass abgelaufene Medikamente mit dem Restmüll und nicht über die Toilette oder den Ausguss entsorgt werden sollte, um die Arzneimittelbelastung des Abwassers beziehungsweise des Trinkwassers zu reduzieren.

Quellle:  Öko-Test
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2 Kommentare zu Test in 69 Städten: So dreckig ist unser Trinkwasser

  • Der "grüne Flügel" der wiwo wird immer mehr zum kritiklosen Nachbeter von Ökotest, greenpeace und foodwatch. Zufälligerweise gibt es im Septemberheft der Stiftung Warentest ebenfalls einen Bericht über das deutsche Trinkwasser, und zwar in der quantitativen Substanz mit dem gleichen Ergebnis: keine Grenzwertüberschreitungen wie auch immer.

    Und dann folgt wiwo Ökotest bei der alten Skandalierungsmasche: zwar sind die Grenzwerte (z.B. bei Gadolinium ) bei Weitem noch nicht erreicht, aber wer weiß.....Nach dem Motto: Herr Professor, können Sie mit letzter Sicherheit ausschließen, dass xy in irgendeiner Weise schädlich ist? Natürlich kann so etwas kein geistig gesunder Experte ausschließen. Und schon kommt die Schlagzeile: "Auch Prof. Z. kann schädliche Wirkungen von xy nicht ausschließen". So wird Stimmung gemacht zugunsten der Kassen der Umwelt-NGOs und zulasten der Zukunftsfähigkeit unseres Landes.

    Was wiwo und Ökotest hier treiben, ist anti-aufklärerischer Verdummungs- Journalismus. Vermutlich würde bei Ihnen auch die Forderung nach einem Verbot der Substanz Dihydrogenmonoxid unterstützt (oder zumindest ohne Kommentar referiert), die bekanntlich täglich weltweit tausende Todesopfer fordert, in allen Tumoren im Endstadium nachgewiesen werden kann, bei Gesunden schwere Kreislaufschäden verursachen kann und auch - wie Gadolinium! - bei der Herstellung von Kontrastmitteln verwendet wird.

  • Na das ist doch nichts neues.
    Ich habe daher schon seit Jahren meinen Pro St+ Osmose Wasserfilter laufen
    kostet nicht viel, erspart kisten schleppen und zieht quasi ALLES raus.
    Ist doch schon seit Jahren in unzähligen Zeitungsartikeln zu lesen..
    teilweise war sogar von uran die Rede das vom Acker (phosphat dünger) kommt.

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